Touristische Mobilität ist laut VDV dann erfolgreich, wenn Angebotsqualität, verlässliche Finanzierung, einfache Tarife, gute Information und Besucherlenkung zusammenspielen. ( Foto: SVG )
VDV veröffentlicht Positionspapier zum touristischen ÖPNV
Nicht allein das Leistungsangebot zählt
Touristischer ÖPNV spielt eine immer größere Rolle, entscheidend ist laut VDV für den Erfolg, wie Angebot, Sichtbarkeit und Partnerschaften entlang der Reisekette zusammengeführt werden.
Der touristische ÖPNV im ländlichen Raum braucht bessere politische Rahmenbedingungen schreibt der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in seinem neuen Positionspapier »Touristischer ÖPNV im ländlichen Raum – Chancen für Regionen, Gäste und Umwelt«. Wer Tourismus nachhaltig entwickeln wolle, müsse auch die »Mobilität vor Ort verlässlich organisieren und finanzieren«, sagte VDV-Vizepräsident Paul Hemkentokrax.
Zusätzlichen Handlungsdruck sieht der VDV durch die Ergebnisse seiner Branchenumfrage: 67 Prozent der befragten Verkehrsunternehmen nennen die Bequemlichkeit des Autos als größtes Hemmnis für die Nutzung des ÖPNV am Urlaubsort. Aus Sicht des VDV zeigt sich damit, dass touristische Mobilität dann erfolgreich ist, wenn Angebotsqualität, verlässliche Finanzierung, einfache Tarife, gute Information und Besucherlenkung zusammenspielen.
Die Branchenumfrage zeigt, dass der Tourismus in vielen Verkehrsräumen eine relevante Rolle spielt. 43 Prozent der Befragten ordnen den touristischen Anteil am Fahrgastaufkommen in ihrem Gebiet auf fünf bis 15 Prozent ein. Weitere 15 Prozent sehen einen Anteil von 15 bis 30 Prozent, 13 Prozent sogar von mehr als 30 Prozent. Aus Sicht des VDV unterstreicht das, dass touristischer ÖPNV in vielen Regionen längst zum Regelangebot gehört – wenn auch mit deutlichen regionalen Unterschieden.
Der Verband hebt aus der Umfrage drei zentrale Punkte hervor. Erstens bleibt das Auto der stärkste Wettbewerber. 67 Prozent der befragten Unternehmen nennen die Bequemlichkeit des Pkw als größtes Hemmnis für die Nutzung des ÖPNV am Urlaubsort. Zweitens ist die Qualität des Angebots entscheidend. 52 Prozent verweisen auf unzureichendes Angebot und Taktung, 45 Prozent auf fehlende Information und Orientierung. Drittens bleibt die Finanzierung der strukturelle Engpass. 45 Prozent der Unternehmen geben an, dass keine Tourismusmittel in den ÖPNV fließen. Weitere 12 Prozent wissen nicht, in welcher Größenordnung solche Mittel vorhanden sind.
Auffällig ist aus Sicht des VDV, dass im Maßnahmenranking nicht der reine Angebotsausbau auf Platz eins liegt. Am höchsten bewertet werden stärkeres Marketing und Kooperationen mit Touristikern. Erst danach folgen der Ausbau des Leistungsangebots und die stärkere Anbindung konkreter touristischer Ziele. Für den Verband zeigt sich daran, dass touristischer ÖPNV nicht allein über zusätzliche Fahrten gestärkt wird. Entscheidend sei vielmehr, »ob Angebot, Sichtbarkeit und Partnerschaften entlang der gesamten Reisekette zusammengeführt werden«.
»Was fehlt, sind klare Zuständigkeiten und dauerhafte Strukturen.«
VDV-Vizepräsident Paul Hemkentokrax
Als zweites bemerkenswertes Ergebnis wertet der VDV die »Lücke bei der Messbarkeit«. 27 Prozent der Unternehmen geben an, die Wirkung gezielter Maßnahmen nicht beurteilen zu können. Aus Sicht des Verbands verweist das auf Defizite bei Datengrundlagen und Monitoring. Wenn touristische Mobilität politisch besser abgesichert werden soll, brauche es daher auch praxistaugliche Kennzahlen etwa zur Nutzung von Gästekarten und zu Auslastung. »Was fehlt, sind klare Zuständigkeiten und dauerhafte Strukturen«, sagte Paul Hemkentokrax.
Der VDV schlägt daher vor, touristische Mobilität als Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern, Kommunen, Aufgabenträgern und Tourismusakteuren zu behandeln. Der Bund müsse stabile Rahmenbedingungen und verlässliche Finanzierung sichern. Länder und Aufgabenträger müssten Angebotsqualität, Anschlüsse und regionale Umsetzung absichern. Kommunen und Tourismusorte könnten über Gästekartenmodelle, Kurbeiträge, Parkraumbewirtschaftung und Besucherlenkung dazu beitragen, dass Bus und Bahn vor Ort eine praktikable Alternative zum Auto werden.
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