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Wirtschaftsnachrichten für Personenverkehr
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Das Bundesministerium für Verkehr hat den dritten Zwischenbericht zur Evaluation des Deutschlandtickets 2024-2026 vorgelegt. Deutliche Kritik an der Evaluation kommt vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). ( Foto: NordWestBahn GmbH )
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Evaluation des Deutschlandtickets 2024-2026 - meistgelesen am 15. April 2026
BMV: »Deutschlandticket wirkt, mehr Potenzial vorhanden«
Das Bundesministerium für Verkehr hat den dritten Zwischenbericht zur Evaluation des Deutschlandtickets 2024-2026 vorgelegt. Deutliche Kritik an der Evaluation kommt vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).
Durchgeführt wurde die Studie des Gutachterkonsortiums unter Leitung von infas – Institut für angewandte Sozialwissenschaft. Sie trägt den Untertitel »Regionale Verbreitung, Nutzung, Potenziale, Wirkungen und Nachfrageveränderungen« und basiert auf dem Arbeits- und Erhebungsstand bis Ende September 2025.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder zur Studie: »Die Studie zeigt: Das Deutschlandticket wirkt. Es entlastet Bürgerinnen und Bürger, stärkt den öffentlichen Verkehr und reduziert CO₂-Emissionen. Gleichzeitig besteht weiteres Potenzial, zusätzliche Nutzerinnen und Nutzer zu gewinnen. Entscheidend sind Verlässlichkeit, ein attraktives Preisniveau und ein gutes Angebot. Bund und Länder haben die Finanzierung bis 2030 gesichert. Nun gilt es, die positiven Effekte weiter auszubauen.«

Die seit Spätsommer 2024 laufende, bis 2027 angelegte Evaluation wird von einem Konsortium unter Leitung von infas gemeinsam mit dem Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr (RWTH Aachen), der TU Dresden sowie der Unternehmensberatung mobilité durchgeführt. Grundlage sind eigene qualitative und quantitative Primärerhebungen, Sekundäranalysen sowie verschiedene Statistiken zum Deutschlandticket.

Der Bericht bestätige die breite Nutzung des Deutschlandtickets, so das BVM. Aktuell würden rund 14,5 Millionen Menschen das Angebot nutzen, was etwa einem Fünftel der Bevölkerung entspreche. Die Nachfrage sei besonders in Metropolen hoch, zugleich spiele das Ticket auch in ländlicheren Räumen eine relevante Rolle. Zudem hätten Gelegenheitsnutzerinnen und -nutzer stärker an den öffentlichen Verkehr gebunden werden können.

Zusätzliches Potential von bis zu 5,8 Millionen weiteren Deutschlandtickets sei laut dem Gutachten vorhanden. Dieses könne insbesondere durch die Reaktivierung früherer Nutzerinnen und Nutzer sowie durch konsequentes Marketing erschlossen werden. Trotz einer im Jahr 2025 stagnierenden Nutzerbasis infolge von Preisdiskussionen werde eine signifikante Verlagerung vom privaten Pkw zum öffentlichen Verkehr festgestellt.

Weiter heißt es, dass damit positive Umweltwirkungen verbunden seien. So schätze das Gutachterkonsortium die CO2-Einsparung durch das Deutschlandticket auf rund 2,5 Millionen Tonnen jährlich. Dies entspreche einer Reduktion der Emissionen des privaten Pkw-Verkehrs um etwa drei Prozent. Darüber hinaus würden erste Abschätzungen positive volkswirtschaftliche Effekte zeigen, die in der Summe über dem aktuellen Niveau der Ausgleichszahlungen von Bund und Ländern liegen.

Zudem verbessere das Deutschlandticket insbesondere die Mobilität von Menschen mit geringerem Einkommen und stärke die gesellschaftliche Teilhabe. Gleichzeitig sei ein Digitalisierungsschub im Vertrieb beobachtet worden, bei dem weiterhin Entwicklungsbedarf bestehe. Als entscheidend für den langfristigen Erfolg nennen die Gutachter insbesondere die Themen Verlässlichkeit, moderate Preisentwicklung, Angebotsqualität und aktive Vermarktung.

Deutliche Kritik an der Evaluation kommt vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff erklärte: »Wir bedauern, dass diese Ergebnisse ohne Vorankündigung an die Länder und an die Branche über die Presse veröffentlicht wurden. Der Zeitpunkt dieser Veröffentlichung, direkt nach dem Entlastungsgipfel der Bundesregierung, erscheint wie ein Ablenkungsmanöver. Denn man hat zwar einen Tankrabatt beschlossen, aber keine Entlastungsmaßnahmen für die 24 Millionen Fahrgäste, die durch ihre ÖPNV-Nutzung täglich aktiv dazu beitragen, dass in Deutschland erheblich weniger Diesel und Benzin verbraucht werden.«

Die Ergebnisse der heute vorgestellten Evaluation seien mehr als sechs Monate alt und aus der Sicht des VDV an entscheidender Stelle unzutreffend. So stelle der VDV das »angebliche Potenzial« an zusätzlichen Kundinnen und Kunden beim Deutschland-Ticket in den Verkaufszahlen nicht fest. Vielmehr sei es so, dass aufgrund des immensen wirtschaftlichen Drucks auf die Verkehrsunternehmen das ÖPNV-Angebot bundesweit teilweise reduziert werde. Dies sei widersinnig zum Gedanken des Deutschland-Tickets. Ohne, dass endlich auch der Bund Maßnahmen ergreife, würden die Verkaufszahlen eingefroren bleiben, erklärt der Verband.

»Wir sind sehr überrascht, dass das Bundesverkehrsministerium nun ein konsequentes Marketing für das Deutschland-Ticket ins Spiel bringt. Dies hat die Branche, die jährlich einen siebenstelligen Betrag für die Vermarktung des Tickets aufwendet, immer wieder Bund und Ländern vorgeschlagen. Der Bund ist jedoch, ebenso wie bei der gemeinsamen Marktforschung, bereits vor über einem Jahr aktiv aus einer bundesweiten Kampagne ausgestiegen und hat diese damit de facto beendet.«
Von: Vera Wendlandt
Veröffentlicht am: 15.04.2026
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