Wirtschaftsnachrichten für Personenverkehr
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Die Empa, das interdisziplinäre Forschungsinstitut des ETH-Bereichs für Materialwissenschaften und Technologieentwicklung, hat eine Studie im Rahmen des EU-Forschungsprojekts CircEUlar vorgelegt. ( Foto: Empa )
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Studie sieht großes Potenzial - meistgelesen am 1. Juli 2026
Dieselbusse umrüsten statt ersetzen
Eine Umrüstung bestehender Dieselbusse auf Elektroantrieb könnte die Elektrifizierung des europäischen Busverkehrs um rund 15 Jahre beschleunigen.
Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Empa, die im Rahmen des EU-Forschungsprojekts CircEUlar entstanden ist. Neben einer schnelleren Dekarbonisierung verspricht das sogenannte E-Retrofitting auch geringere Kosten für Verkehrsunternehmen sowie Einsparungen bei Emissionen und Rohstoffen.

Nach Angaben des Empa-Forschers Harald Desing waren 2023 erst knapp drei Prozent der Busse auf Europas Straßen elektrisch unterwegs. Würde die bestehende Busflotte ausschließlich durch Neubeschaffungen ersetzt, wäre ein Elektrifizierungsgrad von mehr als 95 Prozent erst nach 2055 erreicht. Damit läge die vollständige Umstellung deutlich hinter den europäischen Klimazielen, die bis 2050 Netto-Null-Emissionen vorsehen.

Die jetzt veröffentlichte Untersuchung, die in der Fachzeitschrift Environmental Research: Infrastructure and Sustainability erschienen ist, analysiert deshalb das Potenzial von E-Retrofits. Dabei werden bestehende Dieselbusse technisch auf Elektroantrieb umgerüstet, anstatt durch neue Fahrzeuge ersetzt zu werden. Laut Studie könnte die Busflotte dadurch bereits etwa 15 Jahre früher vollständig elektrifiziert werden.

Technisch gilt die Umrüstung als vergleichsweise unkompliziert. Im Wesentlichen werden Verbrennungsmotor und Getriebe durch elektrische Antriebskomponenten ersetzt. Batterien übernehmen die Funktion des bisherigen Kraftstoffsystems, während Nebenaggregate wie Klimaanlage, Bremssystem oder Servolenkung auf elektrische Antriebe umgestellt werden. Nach Einschätzung der Forscher könnten standardisierte Retrofit-Kits den Umbau eines Fahrzeugs innerhalb weniger Tage ermöglichen.

Ein wesentlicher Vorteil liegt zudem in der Ressourcenschonung. Die Umrüstung verursacht laut Studie je nach Fahrzeugtyp 20 bis 50 Prozent geringere Umweltauswirkungen als die Herstellung eines neuen Elektrobusses. Gleichzeitig würden ausgemusterte Dieselbusse nicht mehr in andere Länder exportiert und dort über viele weitere Jahre mit fossilen Kraftstoffen betrieben.
Auch wirtschaftlich sieht die Empa Vorteile. Verkehrsunternehmen müssten nicht bis zum Ende der üblichen Nutzungsdauer von rund 20 Jahren warten, um ihre Flotten zu elektrifizieren. Zudem könnten Karosserie und Innenausstattung vieler Fahrzeuge deutlich länger genutzt werden. Die dadurch eingesparten Mittel könnten nach Einschätzung der Forscher entweder die Betriebskosten senken oder in den Ausbau des öffentlichen Verkehrsangebots investiert werden.

Die Studie betrachtet die notwendige Ladeinfrastruktur nicht im Detail. Dennoch sieht Desing hier keine grundsätzlichen Hürden. In Städten mit bestehenden Oberleitungsnetzen könnten Busse beispielsweise während der Fahrt nachgeladen werden. Dadurch ließe sich zugleich die Größe der benötigten Batterien reduzieren.

Für eine breite Umsetzung seien nun vor allem standardisierte technische Lösungen und eine industrielle Skalierung des E-Retrofittings erforderlich, so die Autoren. Neben Stadtbussen sehen sie künftig auch Potenzial für die Umrüstung von Lkw-Flotten, die in Europa in deutlich höheren Stückzahlen unterwegs sind.
Von: Markus Wallbrecher
Veröffentlicht am: 01.07.2026
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