UITP - meistgelesen am 31. August 2026
Der Internationale Verband für öffentliches Verkehrswesen UITP hat fünf Städte bzw. Regionen auf der ganzen Welt als beispielhaft für den Erfolg von öffentlichen Verkehrssystemen bewertet. Laut seiner Analyse haben sie das Potenzial des ÖPNV genutzt, ihn in ihrem Gebiet nachhaltig zu verbessern.
Barcelona kombiniert öffentliche und private Betreiber
Barcelona hat die öffentlichen Buslinien der Transport Metropolitans de Barcelona (TMB) mit privaten Buslinien im Rahmen von Zehnjahresverträgen kombiniert. Während die TMB rund 1.100 Fahrzeuge betreibt, sind unter der Aufsicht des öffentlichen Zweckverbands AMB etwa 900 Busse von verschiedenen privaten Unternehmen im Einsatz.
Dieses Hybridmodell ermögliche es der AMB, Servicelevels festzulegen und die öffentliche Kontrolle über die Fahrzeuge zu behalten, so der UITP. Gleichzeitig steigere der Wettbewerb die Effizienz, um das Streckennetz auszuweiten und letztendlich qualitativ hochwertige Busverbindungen anzubieten. Das Ergebnis seien mehr Fahrten mit dem ÖPNV.
Im Jahr 2025 waren dies:
- 220 Millionen Fahrten mit TMB-Bussen, ein Plus von 2,1 Prozent.
- 121 Millionen Fahrten mit privaten Betreibern, ein Plus von 7,4 Prozent.
Bis 2030 sind unter anderem bis zu 24 Kilometer zusätzliche Busspuren und Schritte hin zu einer emissionsfreien Busflotte geplant.
Peking als Beispiel für verbesserte Netzintegration
Peking verfügt mit über 27.000 Bussen und mehr als 1.000 Linien über eines der größten öffentlichen Verkehrsnetze der Welt. Gleichzeitig hat sich der Anteil des ÖPNV laut UITP am Gesamtverkehr aufgrund veränderter Mobilitätsgewohnheiten, steigender Fahrzeugbesitzzahlen und des Wachstums von Carsharing verringert.
Umfragen hätten ergeben, dass lange Fußwege und Wartezeiten die größten Hürden für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel darstellen. Um die Zugänglichkeit zu verbessern, priorisiere die Stadt daher die Integration und konzentriere sich auf wichtige Umsteigeknotenpunkte, von denen einige täglich mehr als eine halbe Million Fahrgäste bedienen.
Peking habe Bushaltestellen näher an U-Bahn-Ausgänge verlegt, die Gestaltung von Umsteigepunkten verbessert und Zubringerbuslinien ausgebaut und optimiert.
Dies habe bisher zu folgenden Veränderungen geführt:
- 25 Sekunden kürzere durchschnittliche Wartezeit beim Umsteigen
- 2 Prozent mehr Bushaltestellen im Umkreis von 50 Metern um U-Bahn-Stationen
- 92,1 Prozent der Bahnhöfe mit einer Bushaltestelle in weniger als 50 Metern Entfernung
San Francisco setzt auf Pilotprojekte für kostengünstige Businfrastruktur
Die San Francisco Municipal Transportation Agency (SFMTA) treibt laut UITP den schnellsten Ausbau der öffentlichen Verkehrspriorität in der Geschichte der Stadt voran. Seit 2020 habe der städtische Plan »Muni Forward« die Einrichtung von über 43 Kilometer neuer oder verbesserter Busspuren gesteuert. Obwohl die Behörde den Schwerpunkt auf Schnellbuslinien legt, würden mehr als 90 Prozent der Stadtbewohner von den Verbesserungen profitieren.
Geleitet vom »3 Ps«-Rahmenwerk (Partner, Pilot, Persist) habe die Stadt schnell umsetzbare Maßnahmen wie Busspuren und Ampelpriorisierung ergriffen, um Maßnahmen rasch zu testen und zu optimieren. Sie setze somit auf kostengünstige, reversible Pilotprojekte und leistungsbasierte Iteration.
Im Ergebnis bedeute dies für den städtischen ÖPNV:
- 34 Prozent höhere Fahrgastzahlen im Jahr 2025 gegenüber 2022 auf ausgewählten Streckenabschnitten – ein besseres Wachstum als auf anderen Linien.
- 31 Prozent kürzere Fahrzeiten auf der 14 Mission Line.
- 51 Prozent geringere Schwankungen der Fahrzeiten entlang der 19th Avenue.
- 59 Prozent weniger Fußgängerunfälle.
So sei die höchste Kundenzufriedenheit aller Zeiten bei der SFMTA erreicht worden, insbesondere dank verbesserter Fahrzeiten und höherer Zuverlässigkeit.
Schleswig-Holstein: Ländliche Mobilität mit DRT und KI
Schlei im Norden Deutschlands führt der UITP als viertes Beispiel auf. 2024 startete NAH.SH den Demand Responsive Transport (DRT)-Service SMILE24, um 120.000 Menschen bedarfsgerechte Tür-zu-Tür-Mobilität zu bieten. An diesem Projekt waren die NAH.SH, die Verkehrsplaner der Landkreise, die Kommunen und Yoki, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn (DB), beteiligt.
Einwohner können Fahrten in emissionsfreien Shuttlebussen buchen, die zum gleichen Preis wie Busse angeboten werden. Um die Wirtschaftlichkeit des Angebots zu verbessern, werden die Fahrgastzahlen mithilfe von KI analysiert, um Pendlerspitzen vorherzusagen und Leerfahrten zu vermeiden. Die KI optimiert die Pooling-Parameter, ersetzt manuelle Schätzungen und ermöglicht eine vorausschauende Fahrplanerstellung.
SMILE24 verzeichnete bis August 2025 350.000 Fahrten erklärt die UITP. Die Shuttlebusse bedienen weiterhin wöchentlich 5.000 Fahrten in der Region.
Rio de Janeiro: Die Vorteile der Stadtbahn
Rio de Janeiro ist Heimat von rund 6 Millionen Menschen, fast 100.000 Fahrgäste nutzen täglich das Stadtbahnnetz. Das 2016, rechtzeitig zu den Olympischen Spielen, eröffnete Straßenbahnsystem VLT Carioca habe bereits über 1,3 Millionen Fahrten absolviert.
Das System mit 30 Haltestellen auf einer Strecke von 28 Kilometern habe die Stadtentwicklung maßgeblich vorangetrieben. Es wird über eine dritte Bodenschiene (APS) betrieben, wodurch Oberleitungen überflüssig werden und das historische Stadtbild erhalten bleibe.
Die VLT Carioca ist laut UITP zu einem wichtigen Bindeglied im übrigen Verkehrsnetz geworden und verbindet S-Bahnen, U-Bahn, Fähren und Busbahnhöfe, darunter den Terminal Intermodal Gentileza, einen der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Stadt. Dadurch werde die Innenstadt mit der dicht besiedelten, aber weit entfernten Westzone verbunden.
Rios ganzheitliche und multimodale Strategie habe sich bewährt:
- 37.000 kg weniger CO₂-Emissionen durch reduzierten Busverkehr
- 53 Minuten Zeitersparnis bei Fahrten von der Nordzone in die Innenstadt – ein Plus von 32 Prozent
- 87,7 Prozent Kundenzufriedenheit laut einer Umfrage von 2025