Im Bild von links: Anjes Tjarks, Senator und Präses der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende der Freien und Hansestadt Hamburg; Xanthi Doubara, Managing Director DACH, Via Mobility; Kim Johanna Kohlmeyer, Head of Berlin Office MAN Truck & Bus SE. ( Foto: DVF )
Busforum des DVF auf der Fachmesse Innotrans - meistgelesen am 28. September 2026
ÖPNV steht vor tiefgreifenden Veränderungen
Innovationen nicht nur entwickeln und erproben, sondern sie in den Regelbetrieb bringen und skalieren, sei eine der zentralen Aufgaben im ÖPNV, so ein Ergebnis des DVF Busforums auf der Innotrans.
»Im ÖPNV stehen wir vor tiefgreifenden Veränderungen«, sagte Bastian Dittbrenner, Geschäftsbereichsleiter Public Transport bei IVU Traffic Technologies, beim International Busforum des DVF auf der Fachmesse Innotrans. Dittbrenner nannte auch gleich einige Beispiele: »Künstliche Intelligenz kann Abläufe automatisieren, Planung und Disposition unterstützen und knappe Ressourcen effizienter einsetzen. Autonomes Fahren wird nicht nur auf dem Betriebshof für neue Möglichkeiten und Herausforderungen sorgen. Die vollständige Elektrifizierung der Busflotten ist ein weiterer Schwerpunkt.«
Beim DVF Busforum machten Branchenspitzen und Politik deutlich, dass die marktreifen Innovationen für einen automatisierten Betrieb, E-Mobilität und Vernetzung jetzt gemeinsam skaliert und zügig in den Regelbetrieb übernommen werden müssen. Um den ÖPNV fit für die Zukunft zu machen, werde aber vor allem »eine verlässliche Finanzierung und eine starke Partnerschaft von Herstellern, Mobilitätsdienstleistern, Aufgabenträgern und Politik benötigt«, so das Fazit.
»Innovation ermöglichen, die kommunale Steuerung sichern und den ÖPNV als Rückgrat eines integrierten Mobilitätssystems stärken.«
Marc Hermann, DVF-Präsidiumsmitglied
»Erfolgreiche Beispiele wie die Elektrifizierung der Busflotten, das Deutschlandticket oder Jelbi zeigen, dass Innovationen zusätzliche Nachfrage, mehr Effizienz und einen höheren gesellschaftlichen Nutzen schaffen können. Genau diesen Anspruch sollten wir auch bei Zukunftsthemen wie dem autonomen Fahren verfolgen«, sagte Marc Hermann, DVF-Präsidiumsmitglied, Vorstand Technik und Infrastruktur der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Man müsse »Innovation ermöglichen, die kommunale Steuerung sichern und den ÖPNV als Rückgrat eines integrierten Mobilitätssystems stärken«. Entscheidend sei dabei eine enge Zusammenarbeit von öffentlichen und privaten Akteuren.
Hamburg zeige, dass »der Schritt vom Pilotprojekt in den Regelbetrieb gelingen kann bei der Elektrifizierung unserer Busflotten ebenso wie bei der Vernetzung von Mobilitätsangeboten«, erklärte Anjes Tjarks (Grüne), Verkehrssenator der Freien und Hansestadt Hamburg. Jetzt müsse man diesen Weg beim autonomen Fahren konsequent weitergehen. Es brauche insgesamt »weniger Sonderwege, schnellere und einheitlichere Genehmigungsverfahren, gemeinsame Standards und starke Partnerschaften zwischen öffentlicher Hand, Verkehrsunternehmen und Wirtschaft«.
Kim Johanna Kohlmeyer, Head of Berlin Office & Strategic Communication, CTO Office, MAN Truck & Bus, warnte davor, für jede Stadt das Rad neu zu erfinden. »Wir brauchen übertragbare Konzepte statt Insellösungen und Modellregionen, die zum Sprungbrett für die Fläche werden. Sonst pilotieren wir in Deutschland, während andere skalieren.« MAN zeige mit Projekten wie Minga, »BeIntelli« und Atlas-L4, was autonomes Fahren im realen Güter- und Personenverkehr leisten kann. »Level 4 muss raus aus dem Pilotprojekt und rein in den skalierbaren Regelbetrieb. Bei der angespannten Finanzlage der Kommunen wird dieser Hochlauf nicht von allein gelingen. Wer autonomen Nahverkehr in der Fläche will, muss bereit sein, die Kommunen für den Markthochlauf finanziell zu unterstützen«, sagte Kohlmeyer.
»Entscheidend sind bundesweit harmonisierte Betriebsbereichsgenehmigungen, damit autonome Mobilitätsangebote über einzelne Modellprojekte hinaus skaliert werden können.«
Christoph Ziegenmeyer, Vice President Communications & Public Affairs von Moia
Es gehe darum, die Voraussetzungen für einen großflächigen Rollout zu schaffen, sagte auch Christoph Ziegenmeyer, Vice President Communications & Public Affairs von Moia. Entscheidend seien dabei »insbesondere bundesweit harmonisierte Betriebsbereichsgenehmigungen, damit autonome Mobilitätsangebote einfacher über einzelne Modellprojekte hinaus skaliert werden können«. Gleichzeitig gelte es, noch offene regulatorische Detailfragen, etwa im Verhaltensrecht für autonome Fahrzeuge, praxistauglich zu lösen.
Xanthi Doubara, Managing Director DACH Via Mobility, erklärte, dass es beim On-Demand-Verkehr nur wenige Beispiele bisher in die kommunale Regelfinanzierung geschafft hätten, »das muss in der Breite gelingen«. Für den Hochlauf autonomer Fahrzeuge im ÖPNV brauche es »klare regulatorische Leitplanken für eine schnelle und zielgerichtete Skalierung im Realbetrieb, eine integrierte Planung aller Verkehrsformen und eine Anschubfinanzierung, die die Phase überbrückt, bis autonome Fahrzeuge günstiger sind als menschlich gefahrene«.
Ziegenmeyer zeigte sich überzeugt, dass die Integration autonomer On-Demand-Verkehre in den öffentlichen Nahverkehr gerade in Europa großes Potenzial habe. Damit daraus ein tragfähiges Modell in der Breite werde, müssten Verkehrsunternehmen in die Lage versetzt werden, autonome Angebote schrittweise in ihre bestehenden Systeme zu integrieren und zu skalieren. »In der frühen Marktphase braucht es dafür verlässliche Rahmenbedingungen und eine gezielte Anschubfinanzierung durch die öffentliche Hand. So kann autonomes Fahren zu einem festen Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs werden, integriert in das bestehende Mobilitätsangebot und in die digitalen Plattformen der Verkehrsunternehmen.«
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