Der NVV hatte Busverkehrsunternehmen, Beratungsunternehmen, Energieversorger, Infrastrukturanbieter und lokale Nahverkehrsorganisationen zum Workshop eingeladen. ( Foto: NVV/Nils Klinger )
Austausch zum Thema alternative Antriebe im Linienbusverkehr
NVV will Chancen auch für den Mittelstand
Bei einem Workshop haben sich Busunternehmen, der Nordhessische Verkehrsverbund sowie weitere Partnern darüber ausgetuscht, wie Busflotten auf alternative Antriebe umgestellt werden sollen.
Aktuell sind 97 Prozent der Linienbusse im Gebiet des Nordhessischen Verkehrsverbunds (NVV) mit Dieselantrieb unterwegs. Elektrobusse kommen bislang nur in den Stadtverkehren in Kassel (Kasseler Verkehrs-Gesellschaft) sowie in Eschwege und Melsungen (Frölich-Linie) zum Einsatz. Der NVV will das Thema alternative Antriebe im Linienbusverkehr weiter voranbringen – und hat hierzu eine zweitägige Veranstaltung in Rotenburg an der Fulda ausgerichtet. Daran nahmen Vertreter von 13 Busverkehrsunternehmen teil. Darüber hinaus waren Beratungsunternehmen, Energieversorger, Infrastrukturanbieter und lokale Nahverkehrsorganisationen an dem Workshop beteiligt.
Der Anteil an Fahrzeugen mit alternativen Antrieben soll angepasst werden, so der NVV. Die Rahmenbedingungen für den Linienbusverkehr werden sich durch den vermehrten Einsatz alternativer Antriebstechnologien verändern, so der NVV zum Hintergrund des Workshops. Dies betreffe »Fahrzeugbeschaffung, Energieversorgung, Betriebshöfe, Werkstätten, Personalqualifikation, Betriebsplanung, Finanzierung und Vergabe«.
Langfristiges Ziel des NVV sei es, dass »auch unter diesen veränderten Bedingungen kleine und mittelständische Verkehrsunternehmen weiterhin im Wettbewerb in der Region bestehen können«. Eine wichtige Frage dabei ist beispielsweise, wo und wie Linienbusse mit elektrischem Antrieb geladen werden können: Müssen Verkehrsunternehmen ihre Betriebshöfe mit Lademöglichkeiten ausstatten, oder können Linienbusse öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur in der Region nutzen?
»Um eine Anbietervielfalt im Markt zu erhalten, ist es notwendig, die Antriebstransformation gemeinsam mit den Unternehmen zu gestalten.«
LHO-Geschäftsführer Volker Tuchan
»Um eine Anbietervielfalt im Markt zu erhalten, ist es notwendig, die Antriebstransformation gemeinsam mit den Unternehmen zu gestalten. Wir sind deshalb froh, in diesem Workshop die Stimme der Unternehmen mit einbringen zu können«, sagte Volker Tuchan als Geschäftsführer des Landesverbands Hessischer Omnibusunternehmen (LHO). »Solche Formate tragen dazu bei, sich rechtzeitig mit den Aufgaben und Herausforderungen auseinanderzusetzen und faire Lösungen für den Wettbewerb zu finden.«
Konstantin Frölich, einer der Geschäftsführer des Busunternehmens Frölich-Linie, zeigte sich überzeugt. »Die Antriebstransformation macht uns zu einer sehr innovativen Branche, die an Attraktivität gewinnen wird.« Die Veranstaltung ist einer von mehreren Bausteinen, mit denen der NVV die Antriebswende im Linienbusverkehr begleitet. In den vergangenen Monaten hat der NVV auch begonnen, in Zusammenarbeit mit Busunternehmen und Fahrzeugherstellern den Einsatz alternativer Antriebsformen im Linienbusbetrieb zu testen. Der Testbetrieb wird sich auf Buslinien in allen fünf nordhessischen Landkreisen verteilen.
»Die finale Umsetzung steht und fällt mit der finanziellen Förderung durch den Bund.«
NVV-Geschäftsführer Marian Volmer
Bei den ersten Tests zeigten sich die beteiligten Verkehrsunternehmen überrascht über die große Reichweite der Elektrobusse – trotz der bergigen Topografie in Nordhessen. Ein Testbus fuhr z.B. mit einer Ladung mehrfach von Eschwege nach Kassel und zurück (insgesamt etwa 400 Kilometer). Auch die Rückmeldungen der Fahrer fielen insgesamt positiv aus: Besonders hervorgehoben wurden der hohe Fahrkomfort sowie die deutlich geringere Geräuschentwicklung im Vergleich zu konventionellen Fahrzeugen.
Ausbaubedarf gibt es indes bei der Ladeinfrastruktur für Elektrobusse in Nordhessen. »Eine verlässliche und flächendeckende Ladeinfrastruktur im NVV-Gebiet ist Grundvoraussetzung für die Antriebswende im Linienbusverkehr«, betonte NVV-Geschäftsführer Marian Volmer. Deshalb prüfe man, »welche Möglichkeiten es für den Aufbau einer Ladeinfrastruktur für Elektrobusse in der Region gibt«. Dazu befinde man sich im Austausch mit Institutionen und Unternehmen aus der Region und über die Region hinaus. Volmer betonte aber auch: »Die finale Umsetzung steht und fällt mit der finanziellen Förderung durch den Bund.«
16.06.2026
Nordhessische VerkehrsVerbund
Test von alternativen Antriebsformen im NVV
Von: Thomas Burgert
Veröffentlicht am: 30.10.2026