Die Linie, auf der der autonome Bus von MAN unterwegs ist, bildet unterschiedliche Verkehrssituationen, wie Hauptverkehrsachsen, Tempo-30-Zonen, Parkgebiete und Unterführungen gut ab. ( Foto: Thomas Burgert )
Autonomes Fahren im ÖPNV
»Hersteller, Verkehrsunternehmen, Kommunen und Politik müssen gemeinsam vorangehen«
Autonom fahrende Fahrzeuge sollen den ÖPNV effizienter, flexibler und nachhaltiger gestalten, wie das gelingen soll, erproben mehrere Partner in München beim Projekt MINGA.
Am 17. November geht in München der automatisierte MAN Lion’s City 12 E auf der Münchner Linie 178 im Rahmen des Projekts MINGA in den Testbetrieb mit Fahrgästen. Registrierte Testnutzer können dann an Bord des autonom fahrenden E-Busses zwischen Petuelring und Freimanner Hölzl mitfahren. Die Fahrten finden montags bis freitags statt. Der autonome Bus wird als zusätzliches Fahrzeug auf der bestehenden Linie 178 eingesetzt und simuliert einen späteren Einsatz im regulären Linienbetrieb unter möglichst realen Bedingungen, so die Münchner Verkehrsgesellschaft.
Die Linie sei »dafür besonders gut geeignet, da sie unterschiedliche Verkehrssituationen, wie Hauptverkehrsachsen, Tempo-30-Zonen, Parkgebiete und Unterführungen vereint und damit das abwechslungsreiche Münchner Busnetz gut abbildet«, so die MVG. Die Erfahrungen der Fahrgäste während der Testfahrten sollen wichtige Erkenntnisse dazu liefern, wie autonome Fahrsysteme im öffentlichen Nahverkehr betrieben werden können und wie sie von der Öffentlichkeit angenommen werden.
Die wissenschaftliche Begleitung des Testbetriebs erfolgt durch die Technische Universität München (TUM) sowie der Universität Stuttgart. Im Rahmen freiwilliger Befragungen vor und nach der Fahrt werden die Eindrücke der Fahrgäste sowie ihr Sicherheitsempfinden erfasst. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Barrierefreiheit. Ergänzend werden bei ausgewählten Fahrten vertiefende Beobachtungsstudien und freiwillige Interviews mit Fahrgästen zur Bewertung der Akzeptanz und des Sicherheitsempfindens autonomer Fahrzeuge durchgeführt. Die Mitfahrt der Testnutzerinnen und Testnutzer erfolgt laut MVG im Rahmen einer geschlossenen Nutzergruppe.
Der MAN Lion's City 12 E wird im normalen Straßenverkehr mitfahren und folgt dabei der Buslinie 178 im Münchner Norden. (
Foto: Thomas Burgert )
Ziel des Forschungsvorhabens MINGA (»Münchens automatisierter Nahverkehr mit Ridepooling, Solobus und Bus-Platoons«) ist es, automatisierte und vernetzte Mobilitätslösungen in das bestehende Verkehrssystem zu integrieren und zentrale Fragestellungen zu Technik, Regulierung, Wirtschaftlichkeit, Barrierefreiheit und Betrieb zu beantworten. Gefördert wird das Projekt dabei bis Mitte 2027 mit rund 13 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Verkehr (BMV) im Rahmen der Förderrichtlinie »Autonomes und vernetztes Fahren in öffentlichen Verkehren«.
Bereits seit Anfang September ist der automatisierte MAN Lion's City 12 E, der mit fünf LiDAR-Sensoren, sechs Radaren, acht Kameras und einer satellitengestützten Positionsbestimmung ausgestattet ist, auf der Linie 178 unterwegs. »Das Fahrzeug lenkt dabei unter anderem selbst, gibt Gas, bremst und blinkt. Das Sicherheitsfahrpersonal bleibt dennoch jederzeit an Bord, um die Systeme zu überwachen«, erklärte Michael Roth, Leiter Bus-Strategie und Produktstrategie Bus bei MAN. Vor dem Einsatz im öffentlichen Straßenverkehr hat das Fahrzeug ein umfangreiches Testprogramm auf dem MAN-Gelände absolviert und die technischen Prüfungen durch den TÜV und weitere Genehmigungsverfahren durchlaufen.
Mit dem Einsatz von autonomen Bussen wollen die Projektpartner den öffentlichen Personennahverkehr der Zukunft »effizienter, flexibler und nachhaltiger gestalten«, dies insbesondere vor dem Hintergrund wachsender Städte und eines zunehmenden Fahrermangels. In autonomen Systeme sehen die Projektpartner »großes Potenzial zur Sicherstellung und Verbesserung des Mobilitätsangebots«.
m Forschungsprojekt MINGA ist ADASTEC für den Bushersteller MAN der Technologiepartner für automatisierte Fahrsysteme. (
Foto: Thomas Burgert )
MAN arbeitet nach eigenen Angaben bereits seit Jahren an fahrerlosen Bussen. Im Forschungsprojekt MINGA setzt der Bushersteller mit ADASTEC als Technologiepartner auf einen spezialisierten Anbieter für automatisierte Fahrsysteme. Die Stadtwerke München und die MVG verantworten die betriebliche Einbindung des Testbetriebs in das Münchner Busnetz. Dazu gehören die Durchführung der Fahrten auf der Linie 178, der Einsatz des geschulten Sicherheitsfahrpersonals sowie die Information und Begleitung der Testnutzerinnen und Testnutzer.
»Autonomes Fahren kann zu einem leistungsfähigen Nahverkehr beitragen. Deshalb unterstützen wir als Bundesverkehrsministerium innovative Projekte – wie MINGA mit rund 13 Millionen Euro«, sagte Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) laut Mitteilung. »Deutschland ist Autoland. Unser Anspruch muss sein, auch bei Bussen und neuen Mobilitätstechnologien an der Spitze zu stehen. Entscheidend ist, Innovation auf die Straße zu bringen. Dafür müssen Hersteller, Verkehrsunternehmen, Kommunen und Politik gemeinsam vorangehen. MINGA zeigt, wie das in der Praxis gelingen kann.«
04.11.2026
Autonomer Bus von MAN startet in München in den Betrieb mit Testnutzern
Einbindung autonomer Busse in den ÖPNV
Von: Thomas Burgert
Veröffentlicht am: 05.11.2026