Autonomes Fahren - meistgelesen am 3. September 2026
Vetter, MoPla und Bliq gehen strategische Partnerschaft ein
Die Vetter Verkehrsbetriebe, MoPla Solutions und Bliq haben eine strategische Partnerschaft zur Einführung des autonomen Fahrens im öffentlichen Nahverkehr geschlossen.
Dies teilten die Vetter Verkehrsbetriebe am 2. September mit. Mit dem am 24. August unterzeichneten Letter of Intent (LOI) wollen die drei Unternehmen autonome Shuttle-Lösungen als festen, sicheren und skalierbaren Bestandteil künftiger Mobilitätskonzepte etablieren.
Thomas Vetter, CEO Vetter Verkehrsbetriebe, erklärte in einer Mitteilung: »Unser Ziel ist es, Mobilität für jeden verfügbar zu machen – Tag und Nacht. Mit Bliq haben wir uns bewusst für ein junges, dynamisches Unternehmen mit hoher technologischer Expertise entschieden, das genau zu diesem Anspruch passt.«
Ausgangspunkt ist nach Auskunft des Unternehmens ein gemeinsames Pilotprojekt im Landkreis Anhalt-Bitterfeld, das die Vetter Verkehrsbetriebe seit Mai 2026 vorbereiten. Langfristiges Ziel ist die Integration autonomer Shuttles der Automatisierungsstufe SAE Level 4 in den ÖPNV-Regelbetrieb. Parallel dazu eröffne der von Bliq entwickelte Ansatz einer fernüberwachenden technischen Aufsicht (Remote Supervision) bereits jetzt die Möglichkeit, autonome Shuttles im Landkreis kommerziell einzusetzen. Ein realer Fahrgastbetrieb könne so schon kurzfristig entstehen. Die aufwendigere L4-Zulassung werde bereits vorbereitet. Damit wollen die Partner der Herausforderung dünn besiedelter Räume mit geringer Busfrequenz sowie langen ersten und letzten Meilen begegnen. Das Projekt wird wissenschaftlich von der Hochschule Anhalt begleitet.
Andy Grabner, Landrat des Landkreises Anhalt-Bitterfeld: »Mit der Partnerschaft von Vetter, MoPla und Bliq gehen wir einen entscheidenden Schritt hin zu einem übertragbaren Betriebsmodell für autonome Mobilität im ländlichen Raum. Uns geht es darum, Mobilität dort zu sichern, wo klassische Linienangebote an ihre Grenzen stoßen – und damit Arbeits- und Lebensstandorte im Landkreis besser erreichbar zu machen. Anhalt-Bitterfeld will hier Vorreiter für Sachsen-Anhalt sein.«
Mit der Unterzeichnung des LOI bündeln die drei Unternehmen ihre jeweiligen Kompetenzen. Die Vetter Verkehrsbetriebe bringen ihre Expertise im ÖPNV- und On-Demand-Betrieb sowie den Zugang zu Einsatzgebieten, Leitstellen und Fahrgästen ein. MoPla Solutions steuert die eigene digitale Mobilitätsplattform bei, über die Linienverkehr, Rufbusse, On-Demand-Fahrten und Ticketing gebündelt werden, und bringt über die MoPla myway-Flotten Erfahrung in Ride-Pooling, Disposition und Abrechnung mit. Bliq bringt die fahrzeug- und softwareseitige Technologie für autonomes Fahren ein und ist nach eigenen Angaben das erste Unternehmen mit einer EU-Zulassung für den Betrieb ohne Sicherheitsfahrer im Fahrzeug. Alle drei Partner sind privatwirtschaftlich organisiert, was die Kooperation nach eigenem Anspruch besonders schlank und umsetzungsstark macht, so die Mitteilung.
Das konkrete Ziel sei es, bereits in 2027 fünf autonome Fahrzeuge auf die Straße zu bringen, die für Fahrgäste im Landkreis buchbar und erlebbar sind. Als Basisfahrzeuge dienen der Hyundai Ioniq 5 mit 800-V Ladepower und mit dem KIA PV5, ein 7-Sitzer. In den Folgejahren sei ein ambitionierter und skalierter Hochlauf vorgesehen, der auch weitere Bediengebiete einschließen soll, heißt es weiter. Die Zusammenarbeit sei dabei auf iteratives, agiles Vorgehen ausgelegt: Tests, Demonstratoren und Feldversuche sollen gemeinsam geplant und ausgewertet werden.
Der LOI beschreibt für das Pilotprojekt einen wichtigen Meilenstein. Nach der Fördermittelzusage im Juli und der politischen Abstimmung mit dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld sowie dem Land Sachsen-Anhalt ist mit Bliq ein technologischer Systempartner benannt, mit dem die weiteren Schritte konkretisiert und umgesetzt werden.
Robert Kamischke, CEO MoPla Solutions: »Mit dieser Kooperation entwickeln wir unsere MoPla-Plattform konsequent weiter, damit autonomes Fahren nicht nur in Anhalt-Bitterfeld, sondern perspektivisch überall in Deutschland und darüber hinaus angeboten werden kann.«
Julian Glaab, CEO Bliq: »Unsere Vision ist eine Welt, in der jedes Auto sicher autonom fahren kann. Dafür setzen wir konsequent auf Fahrzeugtechnologie, die skalierbar über Fahrzeugplattformen hinweg funktioniert – nicht nur für einzelne Robotaxi-Flotten. Amerika und China zeigen bereits, dass autonomes Fahren Realität ist. Wir wollen in Europa eine führende Rolle einnehmen und bauen hier konsequent aus. Mit MoPla haben wir einen deutschlandweit agierenden Plattform-Partner gefunden und mit der Vetter GmbH einen großen ÖPNV- und On-Demand-Anbieter, der komplexe Flotten organisieren kann.«
Prof. Jörg Bagdahn, Präsident der Hochschule Anhalt: »In einigen Großstädten, insbesondere in den USA und China, ist das autonome Fahren bereits Normalität und auch in Deutschland sollen demnächst Modellprojekte starten. Bislang fehlen jedoch Projekte, die die Potenziale des autonomen Fahrens gezielt auf die Anforderungen und Mobilitätsbedürfnisse ländlicher Räume ausrichten. Wir von der Hochschule Anhalt freuen uns, das Projekt mit unserem wissenschaftlichen Know-how zu unterstützen.«