Der anhaltende Anstieg der Insolvenzen verdeutlicht laut Allianz Trade die unverändert fragile wirtschaftliche Lage der deutschen Wirtschaft. ( pixabay.com )
Unternehmensinsolvenzen steigen stärker als erwartet - meistgelesen am 28. Oktober 2026
Allianz Trade sieht Trendwende erst 2028
Deutsche Insolvenzen steigen 2026 auf den höchsten Stand seit 2013 und werden laut Allianz Trade auch 2027 unvermindert hoch bleiben.
Anhaltende Konjunkturschwäche, geopolitische Unsicherheiten und strukturelle Belastungen setzen Unternehmen weiter unter Druck. In der Folge steigen die Unternehmensinsolvenzen, so der Kreditversicherer Allianz Trade in seiner aktuellen globalen Insolvenzstudie. Die Studie geht weltweit von einem Zuwachs um fünf Prozent im Jahr 2026 und um ein weiteres Prozent im Jahr 2027 aus (nach einem Plus von sechs Prozent im Jahr 2025). Das wäre der fünfte Anstieg in Folge.
Deutsche Insolvenzen steigen stärker als zuvor erwartet und bleiben 2027 unverändert hoch
Auch in Deutschland steigen Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2026 stärker als zuvor erwartet. Allianz Trade geht von einem Plus von acht Prozent aus. Im Frühjahr waren die Erwartungen mit einer Zunahme von zwei Prozent beziehungsweise bei einem anhaltenden Nahostkonflikt um vier Prozent noch deutlich optimistischer.
»Die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland dürften 2026 deutlich steigen auf 25.900 Fälle. Das ist der höchste Stand seit 13 Jahren«, sagte Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. »Besonders betroffen sind Transport und Logistik, Bau, Gastgewerbe sowie die Automobil- und Maschinenbauindustrie.« Trotz des erneuten Anstiegs liegen die Fallzahlen weiterhin deutlich unter den Höchstwerten der globalen Finanzkrise, allerdings deutlich über dem Niveau von vor der Pandemie.
Der anhaltende Anstieg verdeutlicht laut Allianz Trade die unverändert fragile wirtschaftliche Lage der deutschen Wirtschaft. »Für 2027 ist erst einmal keine Entspannung in Sicht«, sagte Bogaerts. »Der nach wie vor schwelende Nahostkonflikt ist nur ein Treiber hinter dieser Entwicklung. Hinzu kommt ein ungünstiger Mix aus anhaltender Konjunkturflaute und strukturellen Belastungen wie Fachkräftemangel und hohen Betriebskosten. Insofern dürften Insolvenzen auch 2027 auf unvermindert hohem Niveau bleiben.
Für 2027 erwartet Allianz Trade eine Stabilisierung des Insolvenzgeschehens bei unverändert hohen Fallzahlen. Erst 2028 dürfte eine spürbare Entspannung einsetzen. Dann könnten nachlassende konjunkturelle Belastungen und die zunehmende Wirkung fiskalischer Impulse zu einem Rückgang der Unternehmensinsolvenzen um fünf Prozent führen auf dann 24.600 Fälle.
Allianz Trade führte eine Analyse in acht EU-Volkswirtschaften und neun Branchen durch, um die Hauptursachen für Unternehmensinsolvenzen zu ermitteln. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass makroökonomische Bedingungen und branchenspezifische Fundamentaldaten nach wie vor die dominierenden Determinanten sind, während die Einführung von KI noch nicht mit Insolvenztrends korreliert. Allerdings haben die kleineren und weniger diversifizierten Märkten eine Ausnahme festgestellt.
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