Mobility Move 2026 - meistgelesen am 16. März 2026
Praxisberichte zum autonomen Fahren zeigten auf der Mobility Move, wo die Verkehrsunternehmen derzeit stehen. Deutlich wurde dabei auch: der Weg zum Regelbetrieb ist noch weit.
Auf der Mobility Move hatte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) einmal mehr bekräftigt, dass das Thema autonomes Fahren für die Bundesregierung einen hohen Stellenwert hat und dass man Deutschland zum Leitmarkt für diese Technologie machen will. Eine Art Realitätscheck boten dann die Praxisvorträge, in denen am zweiten Tag der Mobilty Move über den aktuellen Stand bei mehreren Projekten in Deutschland berichtet wurde.
So gab Clemens Horn, Projektleiter Autonome Mobilität, ein Update zum Projekt Alike der Hamburger Hochbahn, bei dem ein Level-4-Gesamtsystem für den autonomen ÖPNV entwickelt werden soll. Man habe hier einige Fortschritte gemacht, si Horn: etwa eigenen autonomen Betriebshof (AD-Hub) aufgebaut, der für bis zu zehn Fahrzeugen von Holon gedacht ist und in dem sich Werkstatt und Verwaltungsgebäuden sowie eine Leitstelle befinden. Zudem wurden die Prototypen von Holon geliefert und ein Testbetrieb gestartet, auch die Erprobungsgenehmigung ist erteilt. Neben dem Start der Integration der Moia-Software für Buchung und Flottenbetrieb, konnte auch das Recruiting des benötigten Personals 2025 abgeschlossen werden. Nun ist eine weitere Systemintegration geplant und man will bis zu acht Fahrzeuge in den Testbetrieb schicken.
Beim Berliner Pilotprojekt »NoWeL4«, über das Johannes Jähne, Projektleiter für Autonomes Fahren bei der BVG, berichtete, kommen fünf Fahrzeuge von Moa in einem Testgebiet im Nordwesten von Berlin zum Einsatz. Auch hier gibt es die Erprobungsgenehmigung für einen betrieb, bei dem 80 Bushaltestellen und virtuelle Haltepunkte angefahren werden sollen. Man hat Personal bei der BVG weitergebildet und man startet dann mit einer Testgruppe aus 500 Personen, geplant ist dann eine geschlossene Probandengruppe mit bis zu 10.000 Personen, nach der Fahrt müssen die Nutzer jeweils ein Feedback geben. Seit Oktober 2025 werden Testfahrten durchgeführt, der Betrieb mit Fahrgästen ist für das erste Halbjahr 2026 geplant.
Über das Projekt Minga berichtete Susanne Lischka, Projektleiterin Minga bei den Stadtwerke München. Sie selbst sprach mit Blick auf die Projekte von einem »Realitätscheck« im Vergleich zu den Visionen beim Thema autonomes Fahren. Am Projekt Minga sind 16 Partner
Beteiligt. Erprobt wird hier das autonome Fahren bei Standardbussen sowie bei kleineren Fahrzeugen. Ziel ist es, auch große Kapazitäten autonom auf die Straße zu bringen, sagte Lischka. Erprobt werden drei ÖPNV-Anwendungsfälle: ein 12-Meter MAN Lion’s City E, zwei virtuell gekoppelte 12 Meter Ebusco 3.0 sowie ein autonomer On-Demand-Verkehr mit dem ID Buzz als Technologieträger. Aktuell sind die Fahrzeuge umgebaut und man hat erste Testfahrten auf geschlossenen Testfeldern durchgeführt, in der zweiten Jahreshälfte will man in München die Fahrzeuge auch auf die Straße bringen. Beim Erstellen der Projektskizze 2022 habe man sich manches anders vorgestellt, so die Projektleiterin, etwa beim Thema Fahrzeugverfügbarkeit. Derzeit baue man viel Wissen auf im Unternehmen, das »brauchen wir, um im nächsten Schritt skalieren zu können«, betonte Lischka.
Über das Projekt Albus, den Erprobungsbetrieb eines autonomen Linienbusses in der Region Hannover, berichteten Lukas Arndt, Projekt Manager, und Christian Kollenberg als Co-Gesamtprojektleiter. Bei Albus geht es um einen Testbetrieb in der Stadt Burgdorf mit einem Karsan E-Atak, einem Elektro-Midibus, der mit Level-4 auf einer Stadtbuslinie verkehrt.
Der Bus soll im Testbetrieb mit einer geschlossenen Testgruppe erprobt werden. Die beiden Projektleiter schilderten zahlreiche Hürden, die es bei dem Projekt zu überwinden galt, oft waren diese weniger technischer als regulatorischer Natur. So durfte die Üstra nicht als Fahrzeughalter agieren, da der Fahrzeughalter gleich der »Erprobungsgenehmigungsinhaber« sein muss und man habe feststellen müssen, dass Zulassungsstellen nicht auf autonome Fahrzeuge vorbereitet sind. Das sei zwar »alles lösbar«, aber einfach wichtig zu wissen, ehe man solche Fahrzeuge auf die Straße schicken kann. Es sei noch »ein langer Weg zum Level-4-Betrieb«, lautete denn auch ein Fazit.
Über die funktionale Ausschreibung von autonom fahrenden Rufbussen im ländlichen Raum im Rahmen des Projekts »ARuf_LUP« im Landkreis Ludwigslust-Parchim berichtete Burkhard Eickhoff, Technischer Leiter der Verkehrsbetrieb Ludwigslust-Parchim (VLP). Im VLP-gebiet besteht bereits ein Rufbussystem mir rund 50 Fahrzeugen, Zielbild sei ein autonomes Rufbussystem im Jahr »203X«, also irgendwann in den 2030er Jahren. Hier lautete ein Fazit von Eickhoff: »Autonomes Fahren wird nicht an der Technik scheitern.«
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