»Wirtschaftliche Schäden werden trotz Waffenstillstand erheblich sein«
DIW empfiehlt stärkere Verkehrsverlagerung auf den ÖPNV
Die wirtschaftlichen Schäden infolge des Iran-Kriegs werden trotz des aktuellen Waffenstillstands erheblich sein, erklärt Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), und fordert eine stärkere Verlagerung von Verkehren auf den ÖPNV.
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), hat am 8. April zu den neuesten Entwicklungen im Iran-Krieg und den wirtschaftlichen Folgen Stellung bezogen.
Laut Fratzscher sei der Waffenstillstand ein wichtiger Schritt, markiere aber noch keineswegs ein Ende des Konflikts. Eine erneute Zuspitzung sei möglich. »Die wirtschaftlichen Schäden sind bereits jetzt erheblich, und auch die stark verflochtene deutsche Volkswirtschaft wird die Folgen deutlich zu spüren bekommen.«
Es sei daher richtig, dass die Bundesregierung weiterhin über Entlastungen diskutiere. Angesichts der hohen Preissteigerungen bestehe nach wie vor Handlungsbedarf. Um Haushalte schnell, wirksam und sozial ausgewogen zu entlasten, seien direkte finanzielle Transfers – ähnlich wie 2022 mit der Energiekostenpauschale – das geeignete Instrument.
Weitaus gravierender als steigende Spritpreise sei derzeit der Anstieg der Lebensmittelpreise, der breite Bevölkerungsschichten treffe und insbesondere Haushalte mit geringen Einkommen stark belaste, so Fratzscher. Eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel wäre daher ein sinnvoller Ansatz, um gezielt zu entlasten.
Gleichzeitig sollte sich die Politik laut Fratzscher nicht auf kurzfristige Maßnahmen beschränken. »Die aktuellen Entwicklungen unterstreichen, wie wichtig es ist, strukturelle Abhängigkeiten zu reduzieren und die Transformation voranzutreiben. Die Bundesregierung sollte daher Anreize setzen, den Verbrauch fossiler Energieträger zu senken. Maßnahmen wie ein Tempolimit, autofreie Sonntage oder eine stärkere Verlagerung auf den öffentlichen Nahverkehr können hierzu beitragen. Entscheidend wird sein, kurzfristige Entlastung mit langfristigen Reformen zu verbinden.«
08.04.2026
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) - meistgelesen am 8. April 2026
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