Das Ziel des Sondervermögens, der Volkswirtschaft ein Leistungs-Upgrade zu verschaffen, sei im Verkehrssektor »in den Anfängen steckengeblieben«, kritisiert das DVF. ( Foto: Deutsche Bahn AG/Jannik Walter )
Deutsches Verkehrsforum fordert grundsätzliche Änderungen
»Wirkung des Sondervermögens verpufft«
Nach einem Jahr Sondervermögen sieht das Deutsche Verkehrsforum im Verkehrsbereich die von der Bundesregierung anvisierten Ziele nicht erreicht. Es dürfe nun kein »weiter-so« mehr geben.
Vor einem Jahr ist das sogenannte »Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität« (SVIK) mit einem Volumen von 500 Milliarden Euro und einer maximalen Laufzeit von 12 Jahren aufgelegt worden. Nun hat das Deutsche Verkehrsforum (DVF) Bilanz gezogen und diese fällt durchaus kritisch aus. »Durch die fehlende Zusätzlichkeit verpufft die Wirkung des SVIK im Verkehrsbereich«, sagte DVF-Geschäftsführer Florian Eck.
»Dank Sondervermögen fallen zwar die für 2027 geplanten Kürzungen bei den Verkehrsinvestitionen im Vergleich zu anderen Bereichen sehr viel geringer aus. Gegenüber 2024 verzeichnet der Verkehrsbereich sogar Rekordinvestitionen. Der versprochene Booster-Effekt bleibt durch den gleichzeitig abschmelzenden Kernhaushalt jedoch aus«, erklärte Florian Eck.
Das Ziel des Sondervermögens, der deutschen Volkswirtschaft mit zusätzlichen Zukunftsinvestitionen ein Leistungs-Upgrade zu verschaffen, sei im Verkehrssektor »in den Anfängen steckengeblieben«, sagte Eck. »Nach wie vor kommt de facto nur jede dritte Milliarde, die im Sondervermögen und im Verteidigungsetat für die Verkehrsinvestitionen mobilisiert wird, zusätzlich bei den Verkehrswegen an. Für 2027 bedeutet das, dass trotz eindrucksvoller 23,7 Milliarden Euro an Investitionsmitteln aus dem SVIK und dem Verteidigungshaushalt nur 7,7 Milliarden Euro im Vergleich zu 2024 wirklich zusätzlich bereitgestellt werden.«
Das SVIK diene aktuell dazu, inflationsbedingte Kostensteigerungen bei der Sanierung der Verkehrswege aufzufangen. »Dies ist auch dringend notwendig. Die ursprünglichen Investitionsziele Digitalisierung, Resilienz und Klimafestigkeit bleiben damit aber überwiegend außen vor«, sagte Eck, der forderte: »Um die ursprünglich vorgesehene Wirkung des SVIK zu entfachen, müssen die gestiegenen Sanierungskosten an anderer Stelle im regulären Haushalt aufgefangen werden. Unter dem Strich muss das SVIK zu zusätzlichen Investitionen führen.«
Letzteres könne auch »durch die Hebelung privaten Kapitals erfolgen, wenn die Bundesregierung bereit ist, die dafür notwendigen Rahmenbedingungen zu setzen und partnerschaftliche Projekte einem fairen, lebenszyklusorientierten Wirtschaftlichkeitsvergleich zu unterziehen«, sagte der DVF-Geschäftsführer. Nach Auffassung des DVF und seiner Mitgliedsunternehmen müssten gleichzeitig bedarfsgerechte Infrastrukturpläne mit realistischen Kostenberechnungen aufgestellt werden, aus denen langfristig verbindliche Finanzierungslinien zur Speisung von Fonds oder Finanzierungsvereinbarungen abgeleitet werden.
»Deutschland steht am Scheideweg. Die Bundesregierung muss auch im Bereich Verkehrsinfrastruktur und SVIK einsehen, dass es ein ‚weiter so‘ nicht geben darf. Ein erster Schritt sollte sein, die Investitionsquote im Kernhaushalt von zehn Prozent auf ambitioniertere 15 Prozent anzuheben. Gleichzeitig müssen langfristig verbindliche Finanzierungsstrukturen für Straße, Wasserstraße und Schiene geschaffen werden«, forderte DVF-Geschäftsführer Eck abschließend.
19.08.2026
Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität
Weniger Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur
Von: Thomas Burgert
Veröffentlicht am: 02.10.2026