Forschungsprojekt MINGA - meistgelesen am 5. Oktober 2026
In München fährt seit Anfang September im Rahmen des Forschungsprojekts MINGA ein autonomer Linienbus im öffentlichen Nahverkehr.
MAN Truck & Bus und die Stadtwerke München (SWM) mit der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) unter der Konsortialführung des Mobilitätsreferats haben nun einen entscheidenden Meilenstein erreicht: Seit Anfang September ist der automatisierte MAN Lion's City 12 E erstmals auf der Linie 178 zwischen Petuelring und Freimanner Hölzl unterwegs, teilen MAN Truck & Bus und die MVG mit. Damit ist der 12 Meter lange Stadtbus, der von MAN und seinem Technologiepartner ADASTEC automatisiert wurde, erstmals für die Öffentlichkeit im Stadtverkehr sichtbar.
Der Bus werde derzeit noch von speziell geschulten Testfahrerinnen und Testfahrern von MAN und MVG begleitet. In den kommenden Wochen werden umfangreiche Streckendaten erfasst, um die Voraussetzungen für einen zunehmend autonomen Betrieb zu schaffen. Während des gesamten Projekts befindet sich jederzeit Sicherheitsfahrpersonal an Bord, das die Fahrzeugführung bei Bedarf unmittelbar übernehmen kann, so die Mitteilung.
Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr (BMV) erklärt: »Autonome Mobilität wird Teil unseres Verkehrssystems der Zukunft sein. Entscheidend ist, dass wir sie unter realen Bedingungen erproben und Erfahrungen für den praktischen Einsatz sammeln. Mit dem Start der nächsten Testphase fährt in München erstmals ein autonomer Solobus im öffentlichen Straßenraum. Das Projekt MINGA erreicht damit einen weiteren Meilenstein und zeigt, wie autonome Fahrzeuge den öffentlichen Verkehr künftig sinnvoll ergänzen und flexibler machen können.«
Sinaida Cordes, Prokuristin der SWM und MVG: »Die Erkenntnisse aus dem MINGA-Projekt sind für die MVG als Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs von großer Bedeutung. Sie helfen uns, die Einsatzmöglichkeiten autonomer Busse im öffentlichen Nahverkehr besser zu verstehen und deren Potenzial für Fahrgäste und Betrieb zu bewerten. Langfristig sehen wir in autonomen Fahrzeugen die Chance, den ÖPNV noch attraktiver, flexibler und effizienter zu gestalten und so einen wichtigen Beitrag zur Mobilität der Zukunft zu leisten.«
Laut Veit Bodenschatz, Bus-Chef bei SWM und MVG bietet die Linie 178 ideale Bedingungen für den Testbetrieb. Sie vereine unterschiedliche Verkehrssituationen, wie Hauptverkehrsachsen, Tempo-30-Zonen, Parkgebieten und Unterführungen. Damit sei das abwechslungsreiche Münchner Busnetz gut repräsentiert. Für den perspektivischen Linienbetrieb ist es laut Bodenschatz von großer Bedeutung, die Tests möglichst praxisnah durchzuführen.
Im Rahmen der aktuellen Testfahrten werden die für den autonomen Betrieb erforderlichen Streckeninformationen gesammelt. Das sei nötig, da für autonomes Fahren eine hochauflösende und äußerst präzise Karte der Strecke benötigt werde, erklärt Marc Raudszus, Technical Coordinator und Testfahrer bei MAN Truck & Bus.
Hierfür erfasst das Fahrzeug mit modernster Sensorik die Umgebung. Der Bus ist mit fünf LiDAR-Sensoren, sechs Radaren, acht Kameras und einer satellitengestützten Positionsbestimmung ausgestattet. Anhand dieser Daten integriert Technologiepartner ADASTEC anschließend relevante Straßen- und Verkehrsinformationen wie Ampeln, Zebrastreifen, Fahrspurverläufe und andere relevante Merkmale in eine hochauflösende digitale Karte (HD-Karte), die eine präzise Lokalisierung entlang der Route ermöglicht. Dies bildet die Grundlage dafür, dass der Stadtbus die Strecke in wenigen Wochen eigenständig und sicher befahren kann.
Der Bus sammle derzeit kontinuierlich Daten und werde dabei für den geplanten automatisierten Betrieb weiter optimiert, so Raudszus. Eine besondere Herausforderung sei neben der Technik die Größe des Fahrzeugs. Umso wichtiger sei ein vorsichtiges, zurückhaltendes Fahrverhalten. Neben der technischen Reife gehe es im Projekt auch darum, Vertrauen in die neue Technologie aufzubauen.
Voraussichtlich ab November starten MVG und MAN eine weitere Phase mit Testnutzerinnen und Testnutzern entlang der Linie 178, kündigen die Projektpartner an. Dabei wird der Bus als zusätzliches Fahrzeug auf der bestehenden Linie eingesetzt und simuliert einen späteren Einsatz im regulären Linienbetrieb unter möglichst realen Bedingungen.
Vor dem Einsatz im öffentlichen Straßenverkehr hat der Bus ein umfangreiches Testprogramm auf dem MAN-Gelände erfolgreich absolviert. Dazu gehörten die Prüfung der elektromagnetischen Verträglichkeit sowie die Validierung sämtlicher Funktionen des automatisierten Fahrsystems des MAN-Partners ADASTEC in einer Vielzahl definierter Testszenarien. Oberste Prämisse war dabei, dass das an Bord befindliche Sicherheitsfahrpersonal jederzeit in der Lage sein muss, bei einem möglichen Systemfehler einzugreifen. Auf dieser Basis wurden die erforderlichen technischen Prüfungen durch den TÜV und weitere Genehmigungsverfahren durchlaufen. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) war dabei für die Erteilung der Betriebserlaubnis nach der AFGBV (Autonome-Fahrzeuge-Genehmigungs-und-Betriebs-Verordnung) zuständig, heißt es weiter. Damit seien alle regulatorischen Voraussetzungen für den jetzt gestarteten Testbetrieb im Münchner Straßenverkehr erfüllt.
Das Forschungsvorhaben MINGA »Münchens automatisierter Nahverkehr mit Ridepooling, Solobus und Bus-Platoons« wird seit 2023 mit insgesamt 16 Partnern aus Verwaltung, Forschung und Wirtschaft umgesetzt. Das Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München verantwortet als Konsortialführer das Gesamtprojekt. Ziel ist es, automatisierte und vernetzte Mobilitätslösungen in das bestehende Verkehrssystem zu integrieren und zentrale Fragestellungen zu Technik, Regulierung, Wirtschaftlichkeit, Barrierefreiheit und Betrieb zu beantworten, teilen die Partner mit. Gefördert wird das Projekt bis Mitte 2027 mit rund 13 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Verkehr (BMV) im Rahmen der Förderrichtlinie »Autonomes und vernetztes Fahren in öffentlichen Verkehren«.
08.09.2026
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