Die Busbranche könne deutlich mehr leisten – bei der Verkehrswende und bei der Stärkung des Tourismusstandorts Deutschland, betonte bdo-Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard. ( Foto: Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen )
Ergebnisse der bdo-Konjunkturumfrage 2025/2026 vorgestellt
»Die Herausforderungen nehmen zu«
Die wirtschaftliche Lage schätzt die Mehrheit der privaten Busunternehmen aktuell zwar als stabil ein, doch trüben sich die Erwartungen ein und die Herausforderungen werden nicht kleiner.
Trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen sei die wirtschaftliche Lage der privaten Busunternehmen in Deutschland »überwiegend stabil«, so das Fazit zur aktuellen Konjunkturumfrage des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmen (bdo), die der Verband am Donnerstag, 5. März, im Rahmen der ITB veröffentlicht hat. Gleichzeitig werde aber deutlich, dass die Stimmung in den Unternehmen verhaltener werde und die Herausforderungen zunehmen, so der Branchenverband.
Als zentrale Herausforderungen nennen die Busunternehmen segmentübergreifend den hohen administrativen Aufwand und zunehmende bürokratische Vorgaben, die die betriebliche Entwicklung erheblich belasten, so der bdo. Steigende Energiepreise drücken zusätzlich auf die Gewinnmargen. Hinzu kämen »der anhaltende Fahrpersonalmangel sowie die finanziellen und organisatorischen Anforderungen der Antriebswende«.
Im Gelegenheitsverkehr und in der Bustouristik zeige sich die Branche zum Auftakt der ITB grundsätzlich stabil – mit positiven Impulsen aus den Markt, so der bdo. Die anhaltend hohe Reiselust der Deutschen, aktuelle Branchenmeldungen über steigende Zahlen organisierter Reisen sowie eine für den Bustourismus günstige demografische Entwicklung würden »ermutigende Signale« senden.
Allerdings trübt sich der wirtschaftliche Ausblick laut den Zahlen der bdo-Konjunkturumfrage leicht ein: Für 50 Prozent der Unternehmen blieb die Geschäftslage im Vergleich zum Vorjahr unverändert, 22 Prozent berichten von einer Verbesserung und 28 Prozent sehen eine Verschlechterung. Hinzu kommt, dass 40 Prozent der Bustouristiker ihre Gewinnentwicklung als ungünstiger als zuvor bewerten. Auch die Erwartungshaltung ist vorsichtiger als in den Jahren zuvor. 54 Prozent prognostizieren eine gleichbleibende Entwicklung, 34 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung, so die aktuellen Zahlen.
Im ÖPNV zeigt sich insgesamt ein differenziertes Bild. 50 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage als gleichbleibend. Mit 31 Prozent überwiegen jedoch die negativen Einschätzungen gegenüber den positiven (19 Prozent). Auch die Umsatzentwicklung ist uneinheitlich: 45 Prozent melden gleichbleibende Umsätze, 31 Prozent verzeichnen Zuwächse, 24 Prozent Rückgänge. Weiter unter Druck steht derweil die Gewinnlage – bei 47 Prozent der Unternehmen entwickelte sie sich ungünstiger als im Vorjahr.
Im Fernlinienverkehr zeigt sich weiterhin ein insgesamt stabiles Marktumfeld. Sechs von zehn Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage als unverändert, während sich positive und negative Einschätzungen mit jeweils 20 Prozent ausgleichen. Auch bei den Umsätzen dominiert Kontinuität: 70 Prozent der Betriebe berichten von gleichbleibenden Erlösen.
»Die Busunternehmen in Deutschland zeigen sich auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bemerkenswert stabil.
bdo-Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard
»Die Busunternehmen in Deutschland zeigen sich auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bemerkenswert stabil. Sie sichern Mobilität im Alltag, im Fernverkehr und im Tourismus – und sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag für Klimaschutz und Daseinsvorsorge. Gleichzeitig spüren wir, dass die Stimmung in der Branche gedrückter wird. Die Belastungen nehmen zu, während die Spielräume kleiner werden«, sagte bdo-Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard.
Laut den Angaben aus der Konjunkturumfrage fehlen aus Sicht vieler Betriebe mit Blick auf die alternativen Antriebe derzeit wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen für einen flächendeckenden Einsatz im Betriebsalltag. Hohe Anschaffungskosten und Defizite bei der Tank- und Ladeinfrastruktur einen Hochlauf ausbremsen. »Die Transformation hin zu emissionsarmen und emissionsfreien Fahrzeugen ist politisch gewollt und klimapolitisch richtig – sie bleibt jedoch eine enorme Investitionsaufgabe für Unternehmen und öffentliche Hand«, betont der bdo. Entsprechend wichtig seien »verlässliche und auskömmliche Förderprogramme«. In der Praxis bewerten die meisten Unternehmen die bestehenden Förderungen jedoch als unzureichend: Lediglich 5 Prozent der Betriebe mit ÖPNV-Schwerpunkt halten sie für ausreichend, in der Bustouristik sogar nur 1 Prozent.
Die Busbranche könne »deutlich mehr leisten – beim Ausbau des Angebots, bei der Verkehrswende und bei der Stärkung des Tourismusstandorts Deutschland«, betonte bdo-Hauptgeschäftsführerin Leonard. »Aber dafür brauchen die Unternehmen verlässliche, wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen und weniger bürokratische Hürden. Wer mehr Mobilität will, muss die Betriebe auch machen lassen.« Dafür seien keine astronomischen Investitionen wie bei der Bahn erforderlich. Es reiche, die »richtigen Rahmenbedingungen zu setzen und eigenverantwortliches Unternehmertum zu fördern«.
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