VDV-Kundenbarometer 2026 zeigt Fortschritte im ÖPNV
»Kundenzufriedenheit steigt, Finanzierungsdruck bleibt«
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat die Ergebnisse des VDV-Kundenbarometer 2026 veröffentlicht. Es zeigt Fortschritte im ÖPNV, Bund und Länder müssen jedoch das Angebot, die Qualität und den Ausbau absichern, so der Verband.
»Das VDV-Kundenbarometer zeigt: Der ÖPNV gewinnt wieder an Vertrauen, die Nutzung wächst und die Kundenzufriedenheit stabilisiert sich. Diese Entwicklung ist ein Erfolg der Verkehrsunternehmen und ihrer Beschäftigten. Bund und Länder müssen die ÖPNV-Finanzierung jetzt zukunftsgerichtet ausrichten, damit diese Erfolge nicht verspielt werden,« erklärt VDV-Präsident Ingo Wortmann in einer Mitteilung. »Verkehrsunternehmen brauchen die finanziellen Voraussetzungen, um ihr Angebot zu stabilisieren, qualitativ bestmöglich zu gestalten und dort auszubauen, wo die Nachfrage wächst«, so Wortmann.
Die Zufriedenheit der Fahrgäste mit dem ÖPNV in Deutschland habe sich 2026 leicht verbessert. Im aktuellen VDV-Kundenbarometer steige die Globalzufriedenheit auf 2,90, nach 2,95 in der letzten Messung 2024. Zugleich erreiche der Anteil der regelmäßigen ÖPNV-Nutzerinnen und -Nutzer mit mindestens monatlicher Nutzung mit rund 50 Prozent einen Höchststand.
Der VDV sieht darin ein wichtiges Signal: Die Branche hat in den vergangenen Jahren trotz hoher Belastungen Stabilisierungserfolge erzielt. Damit diese Entwicklung nicht wieder verloren gehe, müssen Bund und Länder die ÖPNV-Finanzierung jetzt zukunftsgerichtet ausrichten, so der Verband.
Der öffentliche Verkehr werde insgesamt wieder stärker genutzt. So liege nicht nur der Anteil der Menschen, die Busse und Bahnen mindestens monatlich nutzen, inzwischen bei rund 50 Prozent. Der Anteil der Nicht-Nutzer, die seltener als einmal pro Jahr mit dem ÖPNV fahren, sei von 32 auf 28 Prozent gesunken. Auch das Deutschland-Ticket habe dazu beigetragen, neue Kundinnen und Kunden an den ÖPNV heranzuführen. Sein Anteil ist von 2024 bis 2026 um fast fünf Prozentpunkte gestiegen.
Betriebliche Stabilisierung und Verbesserungen im Angebot kommen an
Weiter zeige die Studie, dass sich wesentliche Leistungsmerkmale verbessert haben. Positiv bewertet werden insbesondere digitale Angebote wie Chipkarte und Handyticket, die Freundlichkeit des Personals sowie Verbesserungen bei Linien- und Streckennetz, Anschlüssen und Taktfrequenz. In Metropolen habe sich die Globalzufriedenheit auf 2,65 verbessert. Das unterstreicht laut VDV, dass betriebliche Stabilisierung und Verbesserungen im Angebot bei den Fahrgästen ankommen.
»Die Verbesserungen bei Angebot, digitalen Zugängen und Service zeigen, dass sich gezielte Anstrengungen auszahlen. Qualität entsteht nicht von selbst. Sie braucht verlässliche Finanzierung, Planungssicherheit und Investitionen über mehrere Jahre. Nur dann können Verkehrsunternehmen Personal gewinnen, Fahrzeuge modernisieren, digitale Angebote weiterentwickeln und das Leistungsangebot für die Fahrgäste zuverlässig sichern«, so Wortmann.
Das Preis-Leistungsverhältnis wird kritisch bewertet
Gleichzeitig mache das VDV-Kundenbarometer deutlich, wo die Risiken liegen. So sei das Preis-Leistungs-Verhältnis das einzige Merkmal, das sich signifikant verschlechtert habe. Besonders kritisch bewerten dies Nutzerinnen und Nutzer des Deutschlandtickets. Dort sank die Zufriedenheit beim Preis-Leistungs-Verhältnis von 2,85 auf 3,11. Auffällig sei zudem, dass wöchentliche Nutzerinnen und Nutzer deutlich unzufriedener seien als in der letzten vom VDV beauftragten Messung 2024. Gerade diese Gruppe reagiere sensibel auf Preisänderungen und auf die Frage, ob sich der regelmäßige Kauf eines Tickets noch lohnt.
Daraus ergibt sich laut VDV eine klare verkehrspolitische Schlussfolgerung: Wenn Bund und Länder einen stabilen, attraktiven und wachsenden ÖPNV wollen, müssen sie auch die finanziellen Voraussetzungen dafür schaffen. Die Entwicklung der Ticketpreise darf nicht dazu führen, dass entweder Verkehrsunternehmen Leistungen ausdünnen, Modernisierung verschieben oder notwendige Angebotsausweitungen unterlassen oder Fahrgäste in größerer Anzahl auf andere Verkehrsmittel umsteigen.
Für den Branchenverband ist daher klar, dass sich die Finanzierung des ÖPNV an den realen Anforderungen eines wachsenden Systems orientieren müsse. Mehr Nachfrage, höhere Qualitätsansprüche, zusätzliche Investitionen in Digitalisierung und Fahrzeuge sowie ein verlässlicher Betrieb erfordern eine langfristig tragfähige Finanzierung, so der VDV. Ziel müsse es sein, das bestehende Angebot zu stabilisieren, die Qualität für die Fahrgäste weiter zu verbessern und den Ausbau dort zu ermöglichen, wo zusätzliche Kapazitäten gebraucht werden.
»Wer einen Beitrag für den Wirtschaftsstandort Deutschland, mehr Teilhabe und verlässliche Mobilität will, muss den ÖPNV finanziell so ausstatten, dass er dauerhaft leistungsfähig bleibt. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Fortschritte möglich sind. Jetzt kommt es darauf an, diese Erfolge nicht zu verspielen, sondern mit einer zukunftsgerichteten Finanzierung in dauerhafte Qualität und weiteres Wachstum zu übersetzen«, sagt Wortmann.
Das VDV-Kundenbarometer 2026 wurde von Kantar erstellt und basiert auf 2 213 Interviews, darunter 1 671 ÖPNV-Nutzer und 664 Nicht-Nutzer. Die Befragung wurde vom 16. bis 30. April 2026 durchgeführt. Die Ergebnisse geben damit einen belastbaren bundesweiten Einblick in Nutzung, Zufriedenheit und Erwartungen der Fahrgäste im öffentlichen Verkehr.