Die dafür eingesetzte Software ist Teil von OpenADS, einem von der RWTH Aachen initiierten Open-Source-Ökosystem für das autonome Fahren. Dies teilte die RWTH Aachen am 3. September mit.
Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat der RWTH Aachen für das Forschungsfahrzeug karl. eine bundesweit gültige Erprobungsgenehmigung erteilt. Damit ist die RWTH Aachen aktuell neben der TH Augsburg und der TU Braunschweig eine von bislang drei Hochschulen in Deutschland mit einer bundesweiten Erprobungsgenehmigung für Fahrzeuge mit autonomer Fahrfunktion.
Karl. ist ein umgebautes EU-typgenehmigtes Serienfahrzeug, ein Volkswagen T7 Multivan eHybrid, und ermöglicht damit Forschung unter besonders seriennahen technischen Randbedingungen, so die Hochschule.
Die autonome Fahrfunktion von karl. basiert auf OpenADS, einem von der RWTH Aachen initiierten Open-Source-Ökosystem für die offene und organisationsübergreifende Entwicklung und Erprobung von Technologien für das autonome Fahren. Herzstück ist der OpenADStack, eine Referenzimplementierung der Software für das autonome Fahren, mit der auch karl. betrieben wird.
Karl. wurde am ika gezielt als flexible Forschungsplattform entwickelt. Kameras, Lidar- und Radarsensoren erfassen das Fahrzeugumfeld, leistungsfähige Rechner verarbeiten die Daten und führen die Software für das autonome Fahren aus. Die Plattform ermöglicht das autonome Fahren gemäß Level 4, bei dem prinzipiell kein Fahrer und keine Fahrerin mehr im Fahrzeug benötigt wird. Im Rahmen der Erprobung ist als Teil des Sicherheitskonzepts dennoch immer eine Sicherheitsfahrerin oder ein Sicherheitsfahrer im Fahrzeug.
Mit der Erprobungsgenehmigung werden neue Methoden und in der Simulation optimierte Softwarekomponenten verstärkt unter realen Verkehrsbedingungen bewertet, erklärt die Hochschule. Die Entwicklung und Absicherung erfolge dabei schrittweise. Mit OpenADSim stellt das ika eine Simulationsumgebung bereit, in der Änderungen zunächst systematisch in relevanten Szenarien virtuell getestet werden können, bevor sie mit karl. im realen Straßenverkehr erprobt werden. Die während der Erprobung gewonnenen Daten und Erkenntnisse fließen kontinuierlich in die Weiterentwicklung des OpenADStack ein. Da dieser als modulare Open-Source-Software bereitgestellt wird, können andere Organisationen einzelne Komponenten oder den gesamten Stack in eigenen Forschungsfahrzeugen einsetzen und auch selbst zu seiner Weiterentwicklung beitragen.
Mit karl. und OpenADS schafft das ika eine Forschungsinfrastruktur, die Entwicklung, Simulation und Erprobung im öffentlichen Straßenverkehr miteinander verbindet. Zugleich bilde sie eine technische Basis für die Zusammenarbeit innerhalb der RWTH sowie mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie.
»Mit der Erprobungsgenehmigung können wir den Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis weiter vorantreiben und gezielt Innovationen in die Anwendung bringen«, sagt Professor Lutz Eckstein, Leiter des Instituts für Kraftfahrzeuge. »Mit OpenADS stellen wir zugleich eine offene technologische Basis bereit, auf der Forschungspartner, Unternehmen und auch neue Start-ups spezifische Lösungen entwickeln und implementieren können.«
OpenADS schaffe eine modulare technologische Basis für ein souveränes europäisches Ökosystem zum autonomen Fahren. Ziel des Ökosystems sei es, Kompetenzen in Europa zum autonomen Fahren auszubauen, Abhängigkeiten von Herstellern aus Drittländern zu reduzieren und die technologische Souveränität beim autonomen Fahren zu stärken. Bereits heute wird OpenADS in zahlreichen nationalen und europäischen Forschungsprojekten gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie eingesetzt und weiterentwickelt.