Sowohl im ÖPNV als auch in Bustouristik bewerten mehr als 90 Prozent der Unternehmen die Auswirkungen als stark oder sehr stark. Gestiegenen Kosten können vielfach weder ausgeglichen noch weitergegeben werden. Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) fordert deshalb gezielte Entlastungen.
insgesamt haben sich 241 Unternehmen an der Befragung
beteiligt, teilt der bdo mit. Davon haben 105 Unternehmen ihren Schwerpunkt in
der Bustouristik beziehungsweise im Gelegenheitsverkehr, während 136
Unternehmen überwiegend im ÖPNV tätig sind.
Die Ergebnisse zeichnen ein eindeutiges Bild. In beiden Verkehrsbereichen bewerten mehr als 90 Prozent der Unternehmen die Belastung durch die aktuellen Kraftstoffpreise als stark oder sehr stark.
Bustouristik: Kosten können kaum weitergegeben werden
Bei bereits gebuchten oder angebotenen Reisen können 60 Prozent der Unternehmen die gestiegenen Kosten überhaupt nicht nachträglich weitergeben. Weitere 37,1 Prozent können die Mehrkosten lediglich teilweise weiterreichen. Nur knapp drei Prozent gelingt eine vollständige Weitergabe.
Gleichzeitig verändert sich das Buchungsverhalten. 41,9 Prozent der Unternehmen verzeichnen insgesamt weniger Buchungen, 35,2 Prozent berichten von kurzfristigeren Buchungen. Rund 30 Prozent beobachten jeweils einen Rückgang bei Gruppenreisen beziehungsweise bei Mehrtagesreisen. Lediglich 17,1 Prozent nehmen bislang keine Veränderungen im Buchungsverhalten wahr.
ÖPNV: Mehrkosten werden häufig nicht ausgeglichen
Fast 92 Prozent der befragten ÖPNV-Unternehmen fühlen sich durch die gestiegenen Kraftstoffpreise stark oder sehr stark belastet. Die Möglichkeiten, auf diese Mehrkosten zu reagieren, unterscheiden sich jedoch je nach Form der Leistungserbringung.
Bei nicht eigenwirtschaftlichen Verkehren sehen viele Verkehrsverträge (83,2 Prozent) grundsätzlich eine Anpassung der Vergütung vor. Dennoch wurden die zusätzlichen Kraftstoffkosten nur bei knapp fünf Prozent der Unternehmen vollständig ausgeglichen. Bei mehr als 37 Prozent erfolgte hingegen kaum oder gar kein Ausgleich; bei weiteren 15,9 Prozent wurde eine Anpassung zwar zugesagt, aber noch nicht umgesetzt. Zudem sind bei rund 18 Prozent der Unternehmen bereits Verkehrsleistungen reduziert worden oder entsprechende Kürzungen angekündigt. Betroffen sind unter anderem einzelne Fahrten, Schülerverkehre und teilweise sogar ganze Linien.
Besonders begrenzt sind die Handlungsmöglichkeiten bei eigenwirtschaftlichen Verkehren. Fast 45 Prozent der betroffenen Unternehmen geben an, keine Möglichkeit zur Anpassung zu haben. Rund 24 Prozent haben eine außerplanmäßige Tariferhöhung beantragt. Knapp 17 Prozent haben eine Unterstützung über eine angepasste oder neue Allgemeine Vorschrift (AV) beantragt.
Gezielte Entlastungen sind dringend erforderlich
Die Ergebnisse bestätigen den dringenden politischen Handlungsbedarf. Der bdo fordert deshalb, auf pauschale Entlastungen nach dem Prinzip eines allgemeinen Tankrabatts zu verzichten und stattdessen den gewerblichen Personen- und Güterverkehr gezielt zu entlasten. Hierfür sollte die Bundesregierung den EU-Beihilferahmen METSAF nutzen, um den gewerblichen Personen- und Güterverkehr gezielt bei den Kraftstoffmehrkosten zu unterstützen. Langfristig braucht die Branche mit dem Gewerbediesel eine dauerhafte und verlässliche Entlastung. Eine gezielte Entlastung des gewerblichen Personen- und Güterverkehrs kommt letztendlich allen Menschen zugute: durch verlässliche und bezahlbare Mobilität sowie geringere Transportkosten, die den Preisdruck bei Lebensmitteln und anderen Produkten des täglichen Bedarfs begrenzen.