Daimler Truck-Chefin fordert Überprüfung der CO2-Regulierung - meistgelesen am 14. Juli 2026
Mit Blick auf die CO2-Regulierung der Europäischen Union macht sich Karin Rådström Sorgen um die europäische Nutzfahrzeugindustrie.
Vor existentiellen Folgen für die europäische Nutzfahrzeugindustrie hat Karin Rådström, Vorstandsvorsitzende des Bus- und Lkw-Herstellers Daimler Truck und Vorsitzende des Nutzfahrzeug-Ausschusses des Verbands europäischer Automobilhersteller (Acea) gewarnt. »Wenn die CO2-Regulierung unverändert bleibt, setzt Europa die Wettbewerbsfähigkeit seiner Nutzfahrzeugindustrie aufs Spiel«, sagte Rådström gegenüber der »Deutschen Presse-Agentur«.
Hintergrund sind die Vorgaben der EU für schwere Nutzfahrzeuge, um die Klimaziele der EU zu erreichen. So müssen die CO2-Emissionen bis 2030 um 43 Prozent im Vergleich zu 2019 sinken. Um 43 Prozent an Einsparungen zu erzielen, müssten laut Rådström zufolge etwa 35 Prozent aller neu zugelassenen Lkw in Europa 2030 batterieelektrisch oder mit Wasserstoff betrieben werden. Die Herausforderung sei, dass 2025 gerade einmal zwei Prozent aller schweren Lkw in Europa elektrisch waren.
Von zwei Prozent im Jahr 2025 auf 35 Prozent im Jahr 2030 zu gelangen, sei »eine wirklich große Herausforderung«, so die Managerin. Für jeden verfehlten Prozentpunkt müsse Daimler Truck etwa 120 Millionen Euro zahlen. »Wenn wir die Ziele zum Beispiel um zehn Prozentpunkte verfehlen, verdienen wir mit dem Segment Mercedes-Benz Trucks praktisch kein Geld mehr.« Sie glaube nicht, dass die Politik die Dringlichkeit verstanden habe.
Das größte Problem bleibt laut Rådström »die Infrastruktur und das Laden«. Eine weitere Herausforderung sei es, Kostenparität zu erreichen, um Nutzfahrzeuge wettbewerbsfähig im Vergleich zum Verbrenner zu machen. Das hänge an den Strom- und Dieselpreisen. »Diesel ist vergleichsweise keine teure Energiequelle«, sagte Rådström. In den meisten Fällen mache für die Kunden noch immer der Diesel Sinn.
»Wir fordern eine Überprüfung der CO2-Regulierung. Das muss ein Realitätscheck sein«, sagte Rådström. Die Regulierung müsse unter anderem an den Hochlauf der Infrastruktur geknüpft sein. Außerdem müsse die Infrastruktur schneller ausgebaut werden. »Es ist noch zu früh zu sagen, dass wir die Ziele ändern müssen«, sagte Rådström. Aber es sei deutlich absehbar, dass die Branche mehr Zeit brauche, um die für 2030 vorgesehenen Ziele zu erreichen.
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