WBO-AWARD: »SIE BRAUCHEN SICH NICHT ZU VERSTECKEN!«

Man solle die einzelnen Verkehrsträger nicht gegeneinander ausspielen, gab Rudolf Köberle, selbst Minister a.D., den politisch Verantwortlichen auf den Weg. Köberle wurde im Rahmen der Jahrestagung der Baden-Württembergischen Omnibusunternehmer am 7. November in Fellbach der WBO-Award verliehen. Mit der Auszeichnung würdigt der Verband Personen, die sich in ihrer politischen Funktion in besonderer Weise um das Omnibusgewerbe im Land verdient gemacht haben. Die Busunternehmen seien flexibel, innovativ und gerade in der Fläche stark, sagte Köberle. Das Land und die Kommunen seien daher gut beraten, die mittelständischen Unternehmen zu stärken. Mit ihren Leistungen und ihrem Wissen seien die Unternehmen für die Politik wertvolle Partner, sagte Köberle, der den versammelten Unternehmern zurief: »Sie brauchen sich nicht zu verstecken!« Das Bild zeigt den Preisträger Rudolf Köberle gemeinsam mit dem WBO-Vorsitzenden Klaus Sedelmeier (links) und dem Stellvertretenden WBO-Vorsitzenden Frank Wiest (rechts). (Foto: Thomas Burgert)

Bedeutet das Autonome Fahren das Ende des ÖPNV wie wir ihn heute kennen? Ein Masterprojekt der Universität Kassel kommt genau zu diesem Schluss. (Grafik: dreampicture / Fotolia.com)
Bedeutet das Autonome Fahren das Ende des ÖPNV wie wir ihn heute kennen? Ein Masterprojekt der Universität Kassel kommt genau zu diesem Schluss. (Grafik: dreampicture / Fotolia.com)
AUTONOMES FAHREN VERÄNDERT BRANCHE NACHHALTIG
20.11.2017

UNIKIMS: Verkehrsbetriebe müssen sich wandeln

Das autonome Fahren kann den ÖPNV revolutionieren oder schon bald sein Ende einläuten. Entscheidend ist, wie die Verkehrsunternehmen der Entwicklung begegnen.



Das ist das Fazit eines Masterstudienprojekts an der Universität Kassel. »Der autonom fahrende Personenwagen kann den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) schon in zehn bis fünfzehn Jahren regelrecht überrollen, oder aber die ÖPNV-Anbieter verankern das Thema heute schon in ihren Unternehmen und binden die Politik sowie die Öffentlichkeit ein. Dann kann das Autonome Fahren auf Straße und Schiene den ÖPNV revolutionieren«, so das Ergebnis des Masterprojekts zum Autonomen Fahren an der UNIKIMS, der Management School der Universität Kassel.

»Im Extremfall«, heißt es in der Ausarbeitung, wäre das autonome Fahren »existenzbedrohend« für den ÖPNV, denn dessen Alleinstellungsmerkmal, ohne eigene Fahrerlaubnis gefahren zu werden, ginge verloren. Der Leiter des Projekts, Alexander van Wersch von der DB Regio in Nürnberg und Student in dem Studiengang, fordert die öffentlichen Verkehrsunternehmen auf, gemeinschaftlich zu handeln, um das Thema zu besetzen. Gegenüber den Belegschaften der Verkehrsunternehmen, die sich komplett verändern werden, fordert das Projektteam eine offene Kommunikation. Ungeachtet dessen seien Widerstände aus den Belegschaften zu erwarten, denn mit der Umstellung auf das autonome Fahren auf Straße und Schiene werden die Fahrer überflüssig, während anders qualifiziertes Personal benötigt werde.

Praktiker und Wissenschaftler kooperieren

Das Masterprojekt mit dem Titel »KASELF – Strategieentwicklung für autonomes Fahren – Entwicklung einer Strategie zur Integration von Aspekten des autonomen Fahrens für die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG)« wird von fünf Studierenden des berufsbegleitenden Masterstudiengangs »ÖPNV und Mobilität« an der UNIKIMS erarbeitet. Wissenschaftlicher Leiter des Studiengangs ist Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer. Dr. Thorsten Ebert, Vorstandsmitglied der KVG, ist Dozent im Studiengang und zusammen mit Prof. Dr.-Ing. Sommer Betreuer des Masterprojektes.

Für Ebert gehört autonomes Fahren zusammen mit den neuen Mobilitätsplattformen und einem erkennbaren Wandel des Mobilitätsverhaltens in der Gesellschaft zu den zentralen Herausforderungen für den ÖPNV. »Inzwischen erkennt auch die Autoindustrie die Relevanz der Themen, die wir seit jeher beherrschen, wie etwa die Organisation von Verkehr und die Entwicklung von Verkehrsdienstleistungen«, sagt Ebert. »Daher sind wir öffentliche Verkehrsunternehmen gut beraten, das autonome Fahren als fundamentale Veränderung im Mobilitätsgeschehen ernst zu nehmen und darauf konsequent zu reagieren.«

Autonomes Fahren wird zum »Game-Changer«

Die Autoren des Projektberichts zitieren ein Positionspapier des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) von 2015. Danach werde der Einsatz vollautonom fahrender Fahrzeuge einen »disruptiven Effekt auf dem Verkehrsmarkt haben, der die heutigen Nutzungsmuster, Besitz- und Geschäftsmodelle durcheinanderwirbeln« werde. In dem Papier wird das autonome Fahren als »Game-Changer« beschrieben, weil es die traditionellen Grenzen zwischen den Verkehrssystemen verwischen wird, denn das selbstfahrende Fahrzeug könne im Prinzip alles sein: privates Auto, Taxi, Bus, Carsharing-Fahrzeug oder Sammeltaxi. Das Projektteam entwirft ein Bild von der nahen Zukunft, in dem es schon bald weit weniger private Autos mehr geben könnte, sofern die Verkehrsunternehmen ein Konzept entwickeln, in dem der ÖPNV und das autonome Fahren auf Straße und Schiene miteinander verschmelzen. Die Zahl der Fahrzeuge würde dramatisch sinken, die wenigen verbliebenen wären aber nahezu ständig im Einsatz. Der Bedarf an Parkraum würde erheblich sinken, und der Stadtplanung eröffneten sich neue Möglichkeiten.

Für van Wersch und das Projektteam steht außer Frage, dass das vollautomatische Fahren auf der Straße und der Schiene kommen wird. Auch wenn das autonome Fahren noch nicht serienreif sei, sollten die Unternehmen schon heute die Beschaffung autonom fahrender Fahrzeuge bedenken.

Van Wersch hält ein Szenario für wahrscheinlich, in dem die Hochleistungsstrecken des ÖPNV, auch die schienengebundenen, bleiben oder sogar noch ausgebaut werden, während die autonom fahrenden Straßenfahrzeuge in unterschiedlichen Größen, vom Kleinwagen über den Kleinbus bis zum Omnibus, die Fläche erschließen werden. Die Fahrzeuge seien nicht mehr an feste Routen gebunden und könnten die Fahrgäste zu Hause abholen oder bis nach Hause bringen. Das Projektteam empfiehlt den Verkehrsunternehmen die Kooperation mit anderen Unternehmen, die heute schon »Sharing-Konzepte« auf dem Markt für Mobilität bieten.

Verkehrsunternehmen benötigen Mobilitätsplattformen

Die Verkehrsunternehmen müssten zügig Mobilitätsplattformen entwickeln, um das autonome Fahren und Kooperationen mit anderen Anbietern zu integrieren. Zugleich sei ein passendes Ticketverkaufssystem über Smartphones aufzubauen. Schließlich gebe es kein Personal mehr, das Fahrscheine verkaufe oder das Lösen eines Tickets, etwa beim Einsteigen in den Bus, kontrolliere. Auch das Tarifsystem müsse den Veränderungen angepasst werden, wenn die Fahrzeuge zum Beispiel nicht mehr auf festen Routen, sondern nach den Wünschen der Fahrgäste fahren. Es biete sich eine Abrechnung nach Kilometern oder Zeit an.

ÖPNV muss für das autonome Fahren werben

Indes sei es die Aufgabe von Vertrieb und Marketing der Verkehrsunternehmen, für Akzeptanz des autonomen Fahrens bei den Kunden, in der Gesellschaft und bei der Politik zu sorgen. Der Umstieg auf das autonome Fahren sei zu finanzieren, wenn es auch in Zukunft noch einen ÖPNV geben solle. Die Verkehrsunternehmen müssten der Politik die Bedeutung des Wandels klarmachen und sich in eine Definition des Gemeinwohls unter den vollkommen neuen Bedingungen einbringen. Die Privilegien, die der ÖPNV heute schon mit dem Recht genieße, wie in Fußgängerzonen einzufahren oder über Vorrangschaltungen an Ampeln beschleunigt durch die Städte geschleust zu werden, sollten erhalten und auf autonom fahrende Autos im öffentlichen Besitz ausgeweitet werden. Die Nutzung privater Fahrzeuge im Sinne des Individualverkehrs sollte hingegen eingeschränkt werden, auch wenn diese autonom fahren. Das Projektteam schlägt für den klassischen Individualverkehr zum Beispiel Einschränkungen beim Befahren der Städte, eine City-Maut, die Verknappung von Parkraum, eine Steuerung über Parkgebühren und ein Tempolimit in Städten von 30 Kilometern in der Stunde vor.

Von: Peter Gebauer

Die Air-Berlin-Pleite treibt die Flugpreise nach oben und das beschert Bahn und Fernbussen zusätzliche Fahrgäste. (Foto: Andreas Wiese/Air Berlin)
Die Air-Berlin-Pleite treibt die Flugpreise nach oben und das beschert Bahn und Fernbussen zusätzliche Fahrgäste. (Foto: Andreas Wiese / Air Berlin)
KUNDEN STEIGEN VOM FLUGZEUG IN BUS UND BAHN UM
20.11.2017

DB: Mehr Fahrgäste nach Air-Berlin-Aus

Seit dem Aus von Air Berlin sind die Flugpreise deutlich gestiegen. Die Reisenden reagieren und steigen um in die Bahn oder den Fernbus.



Wie der Berliner Tagesspiegel berichtet, erwartet die Bahn vor diesem Hintergrund auch erneut einen Fahrgastrekord im Fernverkehr. »Aktuell verzeichnen wir einen sehr positiven Buchungsverlauf für die nächsten Monate von mehr als zehn Prozent«, sagte ein Bahnsprecher der Zeitung.

Wie die Zeitung unter Berufung auf Zahlen des Internetportals Mydealz meldet, müssen Privatleute an Werktagen seit dem Air-Berlin-Aus bis zu 26 Prozent mehr, an Wochenenden sogar fast 40 Prozent mehr für ihre Flugtickets zahlen. Für Geschäftskunden sei es teilweise sogar noch teurer geworden. Der Verband Deutsches Reisemanagement spricht laut Tagesspiegel von Preiserhöhungen bis zu 50 Prozent.

Besonders betroffen seien Strecken aus Berlin und Düsseldorf, auf denen Air Berlin der einzige Konkurrent der Lufthansa war. Das geänderte Kundenverhalten fällt auf. Auf den Verbindungen von Berlin nach München und Köln/Düsseldorf sowie zwischen München und Köln/Düsseldorf spüre die Bahn einen deutlichen Anzug der verkauften Tickets. »Daher gehen wir davon aus, dass ein Teil der bisherigen Air-Berlin-Fluggäste, insbesondere Geschäftsreisende, zukünftig auf die Züge der Deutschen Bahn wechseln wird«, zitiert der Tagesspiegel den Bahnsprecher.

Bei Flixbus zeigt man sich noch reservierter. »In der Vergangenheit hat Flixbus immer wieder Anstiege verzeichnet, wenn beispielsweise andere Verkehrsmittel durch Bauarbeiten, Streiks oder durch die Folgen von Stürmen oder Unwettern ausgefallen sind«, sagte ein Sprecher der Zeitung auf Nachfrage. 

Von: Peter Gebauer

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