25.04.2018

KOBLENZ: 12. DEUTSCHER NAHVERKEHRSTAG

Zwischen 24. und 26. April findet in Koblenz der 12. Deutsche Nahverkehrstag statt. Am Mittwochmorgen, 25. April, diskutierten Jörg Sandvoß, Vorstandsvorsitzender DB Regio (Zweiter von links, weitere Personen v.l.n.r.), Stephan Krenz, Vorsitzender der Geschäftsführung von Abellio und Mofair-Präsident, Christiane Leonard, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer (BDO), Thomas Geyer, Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der SPNV-Aufgabenträger (BAG-SPNV) und Martin Schmitz, Geschäftsführer Technik beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zum Kongress-Motto »Viele Teile - doch kein Ganzes?« Thematisiert wurden dabei die Bereiche ÖPNV-Nulltarif, Deutschland-Takt und Deutschland-Tarif sowie die von der Bundesregierung angepeilte Verdopplung der Fahrgastzahlen auf der Schiene bis 2030.



Eng mit dem Thema Deutschland-Takt zusammen hänge auch ein Deutschland-Tarif. Thomas Geyer verwies darauf, dass es in Deutschland mehr als zwei Dutzend Aufgabenträger und noch mehr Verkehrsverbünde gebe. Der Traum von einem durchgehenden Ticket, mit dazugehöriger Einnahmenaufteilung, ließe sich eigentlich in Zeiten der Digitalisierung besser realisieren als jemals zuvor, ist sich Christiane Leonard sicher. Würde das Thema nicht bald von der Branche erfolgreich angegangen, werde sich ein Start-up finden, welches eine entsprechende App entwickelt, in der ÖPNV und andere Mobilitätsangebote aus einer Hand zu bekommen sei würden. Sandvoß gab ihr Recht, dass »ein Start-up, dessen Namen wir heute noch nicht kennen« das Thema Mobilität aus einer Hand erfolgreich umsetzen könnte, die Frage sei nur, ob in drei oder fünf Jahren. Die Zersplitterung hemme jedenfalls Innovationen, ein Start-up könnte da schneller sein; die Digitalisierung zerstöre etablierte Geschäftsmodelle.

Nach Geyers Meinung seien viele Jahre verschenkt worden, da in den zehn Jahren Deutschland-Takt nicht viel passiert sei, weil es alleine zehn Jahre gedauert hätte, die Politik davon zu überzeugen. Immerhin gebe es inzwischen ein Referat Deutschland-Takt im Verkehrsausschuss des Bundestages. Allerdings müsse die Branche mehr Druck auf die Politik ausüben.

Die überall losgetretene Debatte um einen ÖPNV zum Nulltarif nannte Geyer eine »Meisterleistung einer dackelhaften Kommunikationspolitik«. Seiner Meinung nach müsste es um eine Verbesserung der Tarife gehen, nicht um einen Nulltarif. Dabei seien nicht vordergründig die Verbundtarife zu überarbeiten, sondern die Fahrt über Verbundgrenzen hinaus.

Christiane Leonard verwies darauf, dass ein kostenloser ÖPNV nur im Moment der Nutzung kostenlos sei. Um eine Debatte um einen Nulltarif überhaupt führen zu können, müsste man wissen, was der ÖPNV im Einzelnen kostet – dabei könne auch das von BDO und Professor Rüdiger Sterzenbach initiierte Transparenzregister helfen. Die Kostenfeststellung sei nicht nur Voraussetzung für eine mögliche Einführung, sondern auch zur Verdeutlichung, dass ÖPNV eben nicht kostenlos ist. Jörg Sandvoß sprach grob von allein zwölf Milliarden Euro an Fahrgeldern, die derzeit eingenommen würden. Martin Schmitz betonte, dass bei einem Nulltarif oder einer Preissenkung nicht nur die Finanzierung zum Zeitpunkt des Starts klar sein müsse, sondern langfristig. Das beweise das häufig genannte Beispiel Wien mit einem Jahresabo für 365 Euro. Der starke Fahrgastanstieg zwinge nun zu einem Ausbau, dessen Finanzierung nach Angaben von Schmitz derzeit noch geklärt werden müsse.

Bezüglich einer Verdopplung der Fahrgastzahlen auf der Schiene bis 2030 zeigten sich die Diskussionsteilnehmer skeptisch. Das Netz gebe derzeit kaum mehr Kapazität her. Thomas Geyer verwies darauf, dass sich die Fahrgastzahlen in den vergangenen 15 Jahren um etwa 40 Prozent erhöht hätten. Dabei sei die Erhöhung vor allem auf einen Anstieg des gesamten Mobilitätsaufkommens zurückzuführen, da sich die Verhältnisse zwischen den Verkehrsträgern zugunsten des ÖPV kaum verändert hätten. Die Teilnehmer würden allerdings durchaus ein Steigerungspotenzial sehen, wenn man die Nicht-Nutzer oder Gelegenheitsfahrer mit einer Vereinfachung bei Tarif und Vertrieb für einen (häufigeren) Umstieg gewinnen könnte. (Foto: Sebastian Glinski)

Von: Sebastian Glinski

Barrierefreier Einstieg am Bahnhof. (Foto: Siemens)
Barrierefreier Einstieg am Bahnhof. (Foto: Siemens)
LÄNDER FORDERN VOM BUND ENDE DES SCHILDBÜRGERSTREICHS
25.04.2018

PEGEL: Verspielen Bund und Bahn Barrierefreiheit?

Die Verkehrsminister der 16 Bundesländer haben die Bundesregierung einstimmig aufgefordert, den seit knapp zwei Jahren schwelenden Konflikt über Bahnsteighöhen schnell zu einem Ende zu bringen.



»Im Sinne der auf Barrierefreiheit angewiesenen Fahrgäste wird es endlich Zeit für ein Ende dieses Schildbürgerstreichs«, zitiert die Kooperation Behinderter im Internet (Kobinet) Mecklenburg Vorpommerns Minister Christian Pegel bei der Verkehrsministerkonferenz, die in der vergangenen Woche in Nürnberg getagt hat.

Während Bundesverkehrsministerium und Deutsche Bahn alle Bahnsteige bundesweit bei Baumaßnahmen auf eine einheitliche Höhe von 76 Zentimetern bringen wollen, sind die in den Ländern im Nahverkehr verkehrenden Züge vorwiegend auf eine Bahnsteighöhe von 55 Zentimetern ausgerichtet, berichtet Kobinet. »Bund und Bahn berufen sich auf die Verbesserung der Barrierefreiheit, um künftig nur noch 76 Zentimeter hohe Bahnsteige an Bahnhöfen bauen zu lassen. Tatsächlich aber machen sie in einem Handstreich die sehr erfolgreichen Bemühungen der 16 Bundesländer in den vergangenen 25 Jahren zunichte, Barrierefreiheit im Bahnnahverkehr durch 55 Zentimeter hohe Bahnsteige herzustellen«, sagte Pegel in Nürnberg im Einklang mit seinen 15 Ministerkollegen.

»Bund und Bahn vernichten die Barrierefreiheit, die in vielen Nahverkehrszügen durch höhengleiche Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten an den 55-Zentimeter-Bahnsteigkanten erreicht wurde, ohne dass dafür im Fernverkehr bei 76 Zentimeter hohen Bahnsteigen mehr Barrierefreiheit erreicht würde«, tadelte Pegel. »Das Schlimmste ist, dass in beinahe allen Bundesländern wichtige Bauprojekte an Bahnhöfen stillstehen, weil die Forderung von Bund und Bahn nach 76 Zentimetern die Barrierefreiheitsbemühungen der Bundesländer im Bahnnahverkehr konterkariert und deshalb gar nichts weitergeht

Die Forderung der Bundesländer soll dafür sorgen, dass zumindest für aktuelle Bau- und Planungsverfahren die bis vor zwei Jahren erlaubten 55 Zentimeter weiterhin alternativ möglich sein sollen. Das soll eine Verzögerung bei wichtigen Bauvorhaben verhindern.

Von: Peter Gebauer

Leo Wilmering, Chef des Omnibusbetrieb G. Wilmering GmbH & Co. KG aus Vechta (Foto: hoelzen GmbH)
Leo Wilmering, Chef des Omnibusbetrieb G. Wilmering GmbH & Co. KG aus Vechta (Foto: hoelzen GmbH)
VERTRAG ÜBER DIEPHOLZ NORD-WEST UNTERZEICHNET
25.04.2018

DIEPHOLZ: Wilmering erhält Zuschlag

Das Busunternehmen Wilmering aus Vechta hat vom Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) den Zuschlag für das Linienbündel Diepholz Nord-West erhalten.



Das teilte das Busunternehmen in einer Presseinformation mit. Beim Linienbündel mit 1,8 Millionen Fahrplankilometern auf 31 Buslinien, die mit 54 Bussen erbracht werden, handle es sich um die bis dato größte vergebene Verkehrsleistung im Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN). Der Wert des Zehn-Jahres-Auftrags ab August 2018 belaufe sich nach Angabe von Geschäftsführer Leo Wilmering auf über 50 Millionen Euro.

Der Vergabe war ein monatelanger Rechtsstreit vorangegangen (der Rote Renner berichtete). Nachdem der ZVBN kurz vor Weihnachten 2017 die Vergabeabsicht an das Speyrer Unternehmen Viabus mitgeteilt hatte, hat das zweitplatzierte Unternehmen Wilmering Rüge beim ZVBN als Vergabestelle eingereicht. In dieser habe man auf »die desolate wirtschaftliche Situation der Viabus GmbH und deren mangelhafte Inbetriebnahme von Verkehren, die im Rahmen von Ausschreibungen in der Vergangenheit gewonnen wurden« hingewiesen, heißt es in der Information. Seit Jahren erwirtschafte das Unternehmen »Verluste in Millionenhöhe und selbst kleinste Betriebsaufnahmen vor der eigenen Haustür in Hessen konnten nicht störungsfrei erbracht werden«, heißt es weiter. Nach intensiver Prüfung der Rüge durch die Vergabestelle, zu der ein »unabhängiger Prüfer« hinzugezogen worden sei, habe der ZVBN Viabus ausgeschlossen und die Vergabeabsicht an den zweitplatzierten Bieter Wilmering angekündigt, worauf Viabus vor der Vergabekammer Bremen einen Nachprüfungsantrag stellte. Diesen Antrag habe Viabus jedoch »überraschend eine Stunde vor dem ersten Termin vor der Vergabekammer Bremen kommentarlos« zurückgezogen. Nachdem die Einstellungsverfügung der Vergabekammer beim ZVBN am vergangenen Freitag vorlag, konnte der Zehn-Jahres-Vertrag geschlossen werden.

Mit diesem Auftrag habe die Wilmering Gruppe ihren Wachstumskurs fortgesetzt. Ab 1. August 2018 würden unter ihrer Regie täglich 165 Busse eingesetzt, um Schüler und Berufstätige zu befördern.

Von: Sebastian Glinski

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