10.09.2021

Von: Thomas Burgert

ERREICHBARKEIT DES NAHVERKEHRS

RANGLISTE: Ostbayern schneidet am schlechtesten ab

Ein bundesweiter Vergleich der Landkreise zeigt, dass der Nahverkehr nirgendwo so weit weg von den Menschen ist wie in Ostbayern.


Top/Flop 10 der Landkreise bei der ÖPNV-Erreichbarkeit. Der Rückzug von Bus und Bahn aus ländlichen Regionen sei ein Riesenfehler gewesen, sagt Dirk Flege. (Grafik: Allianz pro Schiene)

Top/Flop 10 der Landkreise bei der ÖPNV-Erreichbarkeit. Der Rückzug von Bus und Bahn aus ländlichen Regionen sei ein Riesenfehler gewesen, sagt Dirk Flege. (Grafik: Allianz pro Schiene)


Der ostbayerische Landkreis Dingolfing-Landau ist laut der Allianz pro Schiene bundesweites Schlusslicht bei einem Ranking, in dem die Wege zum Nahverkehr in den deutschen Landkreisen verglichen werden. Generell schneidet Bayern hier schlecht ab, denn gleich fünf bayerische Landkreise liegen auf den hinteren Plätzen. Neben Dingolfing-Landau sind dies Straubing-Bogen, Cham, Rottal-Inn sowie Kronach. Erst auf dem sechstletzten Platz rangiert mit dem Eifelkreis Bitburg-Prüm (Rheinland-Pfalz) ein Landkreis außerhalb Bayerns.

Das Erreichbarkeits-Ranking basiert auf offiziellen Daten des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), das dem Bundesinnenministerium unterstellt ist. Das Institut berechnet den Anteil der Bevölkerung, der innerhalb eines Radius von 600 Metern Luftlinie bis zu einer Bushaltestelle oder 1200 Metern bis zu einem Bahnhof lebt, wobei die Stationen werktags mindestens zehn Fahrten pro Richtung anbieten müssen. 600 Meter entsprechen einem Fußweg von etwa acht bis zehn Minuten, was das BBSR als noch zumutbar bewertet.

Beim Schlusslicht Dingolfing-Landau lebt nicht einmal jeder dritte Einwohner nach diesen Kriterien nah genug an der nächsten Haltestelle oder dem nächsten Bahnhof. Mit einem Anteil von 29 Prozent liegt der Landkreis deutlich hinter Straubing-Bogen, wo immerhin 39 Prozent der Menschen innerhalb dieses Radius wohnen. In Cham sind es 45 Prozent, in Rottal-Inn 48 Prozent und in Kronach 49 Prozent. Diese fünf bayerischen Landkreise sind damit auch bundesweit die einzigen Regionen, in denen nicht einmal jeder Zweite wohnortnah eine Haltestelle oder einen Bahnhof mit einem ausreichenden Fahrplanangebot nach den BBSR-Standards vorfindet. Als schlechtester Landkreis außerhalb Bayerns übertrifft Bitburg-Prüm immerhin die Schwelle von 50 Prozent. »In vielen Bundesländern haben wir Gegenden mit einer geringen Bevölkerungsdichte«, sagte Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, bei der Vorstellung des Rankings. »Nirgends aber ist der Nahverkehr so weit weg von den Menschen wie in Ostbayern.«

Das dichteste Netz an Haltestellen im öffentlichen Verkehr weist in diesem Ranking der Main-Taunus-Kreis auf. Dort sind die Wege zu Bus und Bahn für über 99 Prozent der Menschen kurz genug, um die Standards des Bundesinstituts zu erfüllen. Damit erreicht der hessische Landkreis einen Wert ähnlich wie die besten Großstädte. Dies gilt auch für Fürstenfeldbruck in Bayern und Esslingen in Baden-Württemberg.

Die Rückkehr des öffentlichen Verkehrs in die Fläche gehört laut Dirk Flege zu den wichtigsten verkehrspolitischen Aufgaben der nächsten Jahre. »Der Rückzug von Bus und Bahn aus ländlichen Regionen war ein Riesenfehler, der rasch korrigiert werden muss. Auch in dünn besiedelten Kreisen haben die Menschen einen Anspruch auf eine vernünftige und attraktive Anbindung an den öffentlichen Verkehr.«


Kategorie: Verbände, Top-News