Einfache Rechnung

Um die seit Karfreitag geltende Ausgangssperre »auch in der städtischen Mobilität abzubilden«, hat der Hamburger Senat beschlossen, die Nachtfahrten von Bussen und Bahnen ab kommender Donnerstagnacht auszusetzen. Das ist zu begrüßen, um das Defizit für weitgehend leer fahrende Fahrzeuge etwas zu drücken. In Situationen wie diesen macht es sich bezahlt, wenn flexible On-Demand-Angebote vorhanden sind, da manche Menschen weiterhin auf ein nächtliches Nahverkehrsangebot angewiesen sind.



Dass das Abbilden der Sperrstunde im ÖPNV eine Woche gedauert hat, kann man kritisieren, es mag jedoch an der notwendigen Organisation eines durchaus guten Alternativangebots gelegen haben. Mit HVV-Ticket können nämlich die Shuttles von Moia und Ioki ohne Zusatzkosten und Taxis stark vergünstigt genutzt werden. Die von der Stadt zu leistenden Zuschüsse sind garantiert günstiger als leere Omnibusse und Bahnen, welche mit jeder Runde ein noch tieferes Loch in die Stadtkasse reißen.

Ein solches entsteht beispielsweise auch in München, der Hauptstadt des Bundeslandes, welches durch einen nur 90-prozentigen Ausgleich der Corona-Verluste im ÖPNV negativ aus der Reihe der Bundesländer tanzt. Münchens Stadtwerke-Chef Bieberbach erklärte gerade in einem Interview, dass man – politisch gewünscht – das Angebot aufrechterhält, was zu gleichbleibenden Kosten führt, bei halbierten Einnahmen. »Auf Dauer geht das nicht«, sagte er.

In Hamburg, München und anderswo muss gelten: Wer bestellt, der muss auch bezahlen. Eigentlich eine einfache Rechnung.

Sebastian Glinski


Kategorie: Editorial