23.02.2021

Von: Thomas Burgert

WHITEPAPER ZU NEUEN MOBILITÄTSANGEBOTEN

DOOR-2-DOOR: Ride-Pooling kann ÖPNV individualisieren

On-Demand-Pooling-Verkehre können nach Ansicht von Door-2-Door der Schlüssel zu deutlich besseren Mobilitätsangeboten sein, auf Gewerkschaftsseite gibt es hingegen Skepsis.


Ride-Pooling könne Mobilitätsbedürfnisse befriedigen, die derzeit nicht abgedeckt sind, ist sich Door-2-Door sicher. (Symbolfoto: door2door)

Ride-Pooling könne Mobilitätsbedürfnisse befriedigen, die derzeit nicht abgedeckt sind, ist sich Door-2-Door sicher. (Symbolfoto: door2door)


Das Technologieunternehmen Door-2-Door hat ein Whitepaper zum Thema On-Demand-Pooling-Verkehre vorgelegt. In diesem Papier werden solche Verkehre als »Schlüssel« bezeichnet, um vor dem Hintergrund des Klimawandels und sich wandelnden Mobilitätsbedürfnissen passende Verkehrsangebote zu schaffen, um »die Stadt für die Menschen zurückzuerobern, ohne auf den Komfort der privaten Mobilität zu verzichten« sowie »vorstädtische und ländliche Gebiete auch ohne eigenes Auto attraktiv« zu machen.

On-Demand-Ride-Pooling sei »schnell umsetzbar und zukunftssicher, datengetrieben und von Anfang an auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten« und stelle damit die ideale Lösung zwischen einer flexiblen, aber höchst ineffizienten Nutzung von Privat-Pkw und dem klassischen ÖPNV-Betrieb dar. Ride-Pooling sei »eine Ad-hoc-Lösung, die sich auf Mobilitätsbedürfnisse konzentriert, die derzeit nicht abgedeckt sind«, heißt es in dem Papier weiter.

Unter dem Punkt »gemischte Flotten, gemischte Anwendungsfälle«, heißt es in dem Papier, dass der immense unerschlossene Wert »in der Erhöhung der Fahrzeugbetriebszeit über alle Flotten hinweg« liege. Eine stärkere Integration in das öffentliche Verkehrsnetz und eine einfach zu gestaltende, intelligente Preisgestaltung zusammen mit ganzheitlichen Ansätzen zur Umweltfreundlichkeit und Inklusion sollen dabei zu »einer Mobilität für alle Nutzer auf einem profitablen Niveau« führen. Ride-Pooling könne den ÖPNV »individualisieren und ist die einzige Option, um den Verkehr in den Städten drastisch zu reduzieren«.

Das Thema Pooling-Verkehre stand auch in der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses des Bundestages am Montag, 22. Februar, auf der Tagesordnung. Dabei äußerten sich mehrere Experten zum Gesetzesentwurf der Bundesregierung für eine Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG). Abgelehnt wird der Gesetzentwurf von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Eigenwirtschaftliche Antragsteller dürften bei den Ausschreibungen von Verkehrsleistungen neben dem ohnehin eingeräumten Vorrang nicht einen doppelten Wettbewerbsvorteil auf Kosten der Beschäftigten tarifgebundener Unternehmen und auch der Kommunen erhalten, weil sie Sozialstandards nicht einhalten müssen, sagte Verdi-Vertreterin Mira Ball in der Anhörung.

Enttäuschend ist der Entwurf aus Sicht von Marion Jungbluth von der Verbraucherzentrale Bundesverband. Neue Verkehrsformen würden so eher verhindert als gefördert. Statt alles von Anfang an zu regulieren, um alle Eventualitäten zu berücksichtigen, sollte aus Verbrauchersicht kurzfristiger auf eventuelle Fehlentwicklungen reagiert werden, forderte Jungbluth. »Nach der Novelle ist vor der Novelle«, müsse das Motto lauten.

Hintergrund: Door-2-Door sieht sich als Technologiepartner der Kommunen und liefert lokale Mobilitätsanalysen, die Integration aller bestehenden ÖPNV-Angebote in einer App und die Ergänzung des Angebots um Ride-Pooling. Das Whitepaper (in englischer Sprache) finden Sie hier: door2door.io/en/news-door2door/library/


Kategorie: Betrieb, Recht & Politik