22.02.2021

Von: Thomas Burgert

Das Ziel im Auge behalten

Man wolle moderne Sharing- und On-Demand-Dienste auf die Straße bringen und das ohne Wettbewerbsnachteile für das Taxi oder den ÖPNV, hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer Ende vergangenen Jahres als Ziel der PBefG-Novelle formuliert. Klingt zuerst einmal ein bisschen wie die vielzitierte Quadratur des Kreises und lässt gleichzeitig den vielleicht wichtigsten Akteur erst einmal außen vor.



Die Proteste des Taxi-Gewerbes und der Mietwagen-Branche lassen im Moment ein bisschen aus dem Blick geraten, was denn die Zielrichtung der PBefG-Novelle sein sollte und durchaus auch ist: die neuen technologischen Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, um bessere Verkehrsangebote möglich und rechtssicher zu machen. »Besser« bedeutet hier, sie sollen wirtschaftlicher und nachhaltig sein. Und da kommt eben der wichtigste Akteur ins Spiel: der motorisierte Individualverkehr.

Wenn es einem mit einer Verkehrswende wirklich ernst ist, dann muss es das Ziel einer PBefG-Novelle sein, mehr Menschen vom eigenen Auto in gemeinschaftlich genutzte Verkehrsmittel zu bringen. Denn ein Gefährt, das pro Fahrt im Durchschnitt nur wenig mehr als einen Menschen befördert, wird immer unwirtschaftlich und nicht umweltfreundlich unterwegs sein – ganz egal, ob da ein Verbrennungs- oder Elektromotor drin ist. Darum muss es gehen und dieses Ziel muss man im Blick behalten.

Denn es kann nicht um Mietwagen gegen Taxi oder On-Demand-Verkehre gegen den ÖPNV gehen, sondern darum, den Umweltverband insgesamt zu stärken. Wenn das Angebot speziell im ländlichen Raum deutlich besser werden soll, muss der öffentliche Verkehr eben mehr sein als der Schulbus, der zweimal am Tag kommt – und zwar für alle unverkennbar mehr. Dass gleichzeitig die gleichen Spielregeln für alle Markteilnehmer, egal ob etablierte oder neue, gelten müssen, sollte in einer Marktwirtschaft eine Selbstverständlichkeit sein.

Thomas Burgert


Kategorie: Editorial