DATEN ZUR LUFTQUALITÄT DES UMWELTBUNDESAMTES

UBA: Stickoxid-Werte 2020 fast okay - kommen nun strengere Feinstaub-Grenzwerte?

Laut Umweltbundesamt (UBA) wird die Luft immer besser und der Stickstoffdioxid-Grenzwert (NO2) an immer weniger Messstationen überschritten. Die Corona-Pandemie sei jedoch nicht hauptsächlich ausschlaggebend für die verbesserten Werte.


Den Grenzwert von 40 Mikrogramm NO2 überschritten 2020 nur noch wenige Städte. (Grafik: Bundesumweltministerium (BMU); Quelle: UBA)

Den Grenzwert von 40 Mikrogramm NO2 überschritten 2020 nur noch wenige Städte. (Grafik: Bundesumweltministerium (BMU); Quelle: UBA)


Wie das UBA am Dienstag, 16. Februar, mitteilte, habe die Corona-Pandemie die Luftqualität – betrachte man den Jahresmittelwert – nur leicht beeinflusst, ausschlaggebender seien sauberere (Diesel-)Motoren. Da sich der Verkehrsrückgang durch den Lockdown vor allem auf den Zeitraum von vier Wochen (23. März bis 19. April) beschränkt habe, sei der Einfluss auf die NO2-Jahresmittelwerte gering. Der an verkehrsnahen Stationen gemessene Jahresmittelwert sei dadurch nicht um mehr als 1 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft gefallen.

Für NO2 seien vor allem Diesel-Pkw verantwortlich und durch sauberere Motoren und Softwareupdates hätte der Jahresmittelwert um 3 Mikrogramm reduziert werden können. In geringem Umfang hätten auch lokale Maßnahmen wie Tempolimits und Fahrverbote sowie der Einsatz schadstoffärmerer Busse beigetragen. (Zu bedenken ist hierbei, dass Busse innerorts laut UBA nur für 4,2 Prozent der NO2-Emissionen verantwortlich sind – im Gegensatz zu 60 Prozent bei Diesel-Pkw). UBA-Präsident Dirk Messner kritisierte Maßnahmen, welche die Werte im direkten Umfeld der Stationen senken, beispielsweise die Sperrung von Spuren an den Stationen oder in unmittelbarer Nähe aufgestellte Luftfilter, welche jedoch nicht für eine flächendeckende Luftverbesserung sorgen würden.

Nach vorläufigen Zahlen für 2020 werde der Grenzwert von 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft voraussichtlich nur noch an rund drei bis vier Prozent der verkehrsnahen Messstationen überschritten, während es 2019 noch 21 Prozent gewesen seien. Die Zahl der Städte mit Grenzwertüberschreitungen ging entsprechend zurück. 2020 würde der Wert in »deutlich weniger als zehn« Städten überschritten, ausgehend von 25 Städten in 2019 und 57 Städten in 2018. Zu diesen wenigen Städten mit Überschreitungen werden nach bisher vorliegenden Werten München (54 Mikrogramm) und Hamburg (41 Mikrogramm) zählen und wahrscheinlich auch Stuttgart.

Dirk Messner freute sich über die Fortsetzung der positiven Entwicklung, wies jedoch darauf hin, dass Deutschland den bereits 1999 beschlossenen Grenzwert hätten 2010 einhalten müssen. »Dass neu zugelassene Dieselautos erst seit kurzer Zeit die Grenzwerte auch auf der Straße einhalten, ist der Hauptgrund für die rund zehnjährige Misere.«

Der Feinstaub-Grenzwert (PM10 und PM2,5) sei 2020 überall eingehalten worden. Einschränkend wird gesagt, dass der Winter 2020 ungewöhnlich mild und feucht war, was die Konzentration senke. Darüber hinaus stamme der Grenzwert vom Ende der 90er Jahre und müsste an die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angepasst werden. Aktuell empfiehlt die WHO, dass die PM10-Konzentrationen den Wert von 20 Mikrogramm im Jahresmittel nicht überschreiten sollen. An etwa vier Prozent (2019: 13 Prozent) aller Messstationen sei dieser Empfehlung 2020 nicht entsprochen worden. Bei Betrachtung der WHO-Empfehlung in Bezug auf die Tagesmittelwerte (höchstens drei Tage pro Jahr über 50 µg/m³ im Tagesmittel) hätten rund 12 Prozent (2019: 36 Prozent) aller Messstationen in Deutschland die Werte nicht eingehalten. Die WHO-Empfehlungen für die noch kleineren Partikel PM2,5 seien 2020 noch deutlicher als die für PM10 überschritten worden: An 86 Prozent aller Stationen lagen die PM2,5-Tagesmittelwerte an mehr als drei Tagen über der Schwelle von 25 µg/m³, und an 11 Prozent über der Schwelle von 10 µg/m³ für das Jahresmittel. Der EU-weite Grenzwert liegt bei 25 µg/m³.


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