12.01.2021

Von: Thomas Burgert

Schneller als gedacht

Rasch sollen sie kommen, die People-Mover, die – elektrisch angetrieben und damit ebenso leise wie umweltfreundlich – Fahrgäste auf kurzen Distanzen befördern und ohne Fahrer auskommen würden. Dies zumindest legt eine aktuelle Umfrage nahe und tatsächlich könnte die Zukunft hier schneller vor der Tür – oder in dem Fall eher an der nächsten Haltestelle – stehen, als man denkt.



Wenn die vergangenen Monate eines gezeigt haben, dann, dass Dinge, über die man lange diskutiert hat, plötzlich ganz schnell Realität sind. Man denke etwa an den rasanten Anstieg von Arbeiten im Home-Office, die enorm schnelle Entwicklung und vor allem auch Zulassung eines Impfstoffs, die Freigabe von Hilfsgeldern in Milliardenhöhen, die einem längst schwindlig machen, aber auch vorher nicht ansatzweise für möglich gehaltene Eingriffe in Grundrechte. Mit dem Einsatz autonom fahrender Fahrzeuge könnte es durchaus ähnlich sein.

Trotz vieler Feldversuche an verschiedenen Orten im Bundesgebiet klingt das Ganze zwar noch immer ein wenig wie Zukunftsmusik und die ungewohnt aussehenden Fahrzeuge wirken wie eine Mischung aus Spielzeug und Science-Fiction. Dabei wird oft übersehen, dass die grundsätzlich notwendige Technik für den Einsatz der Fahrzeuge im Wesentlichen bereits vorhanden ist. Die aktuelle Umfrage des Digitalverbands Bitkom zeigt auch, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung größer ist als viele Skeptiker vermuten, was sich auch bei Pilotprojekten in der Vergangenheit bereits gezeigt hat. Die größten Hürden für einen großflächigen Einsatz dürften daher finanzieller und vor allem rechtlicher Natur sein.

Wie sich während der Pandemie gezeigt hat, sind das aber Hürden, die schneller aus dem Weg geräumt sein können, als man erwartet. Autonom fahrende Minibusse eröffnen für den öffentlichen Verkehr neue Möglichkeiten, speziell auf dem Land. Das gilt es im Blick zu behalten, denn für die Verkehrsunternehmen ist es wichtig, einen solchen Markt, ebenso wie den der On-Demand-Verkehre, nicht anderen Akteuren zu überlassen. Damit das gelingt, muss man aber als Unternehmen, wie auch als Branche insgesamt, entsprechend vorbereitet und auf der Höhe der Zeit sein. Denn was passiert, wenn man eine Entwicklung komplett verschlafen hat, zeigt sich ebenfalls derzeit bei den Schulen, wo es beim Home-Schooling mehr als nur ein bisschen holpert. Jahrelange Versäumnisse in Sachen Digitalisierung lassen sich dann nicht in wenigen Monaten aufholen.

Thomas Burgert


Kategorie: Editorial