11.01.2021

Von: Thomas Burgert

GAUF-VERANSTALTUNG IN DIGITALEM FORMAT

TAG DER BUSTOURISTIK: Auf neue Normalität einstellen

Die Tagung habe sich entlang der Fieberkurve der Pandemie entwickelt, sagte Organisator Dieter Gauf beim Tag der Bustouristik, die Pandemie-bedingt digital stattfand.


Organisator Dieter Gauf begrüßte die Teilnehmer zum Tag der Bustouristik in diesem Jahr über digitale Kanäle. (Screenshot: Tag der Bustouristik)

Organisator Dieter Gauf begrüßte die Teilnehmer zum Tag der Bustouristik in diesem Jahr über digitale Kanäle. (Screenshot: Tag der Bustouristik)


Den 39. Tag der Bustouristik (TdB) konnten die Teilnehmer am Montag, 11. Januar, online verfolgen. Zu der von Dieter Gauf ausgerichteten Veranstaltung hatten sich rund 300 Branchenteilnehmer angemeldet, die der aus Duisburg gesendeten Veranstaltung unter anderem per Youtube oder Zoom beiwohnten. Der Tag der Bustouristik stand in diesem Jahr unter der Schirmherrschaft der European Tourism Association (ETOA). Die Online-Tagung stand unter dem Motto »Starthilfe zum Re-Start« und beschäftigte sich mit der Corona-Pandemie, ihre Auswirkungen auf die Bus- und Gruppentouristik und versuchte – neben der aktuellen Bestandsaufnahme – Wege aus der Krise zu zeigen. Hier kamen mehrere Fachleute zu Wort, die zur Corona-Krise, aber such zu langfristigen Trends wie Digitalisierung, Klimaschutz sowie der Veränderung der Kundenstruktur Stellung nahmen.

Deutlich wurde vor allem eines: Eine Rückkehr zu den Verhältnissen der Vor-Corona-Zeit wird es nicht geben. Wenn die Pandemie vorüber ist und sich auch im Tourismus wieder Normalität einstellen wird – wann auch immer das sein wird – dann wird dies eine andere, eine neue Normalität sein. Corona führe zu einer Veränderung der Kultur der Freizeitgestaltung allgemein, sagte beispielsweise Uwe Lorenz, Geschäftsführer von Eberhardt Travel. Während beispielsweise Fridays for Future kaum eine Änderung beim Reiseverhalten bewirkt habe, habe die Pandemie dies völlig zum Stillstand gebracht. Daraus würden sich tiefgreifend und auch länger anhaltende Änderungen für die Bustouristik ergeben. Unter anderem rechnet Lorenz damit, dass sich der Trend zu kleineren Gruppengrößen fortsetzt: »Busgruppen werden kleiner werden.«

Lorenz, wie auch Michael Buller, Vorstand des Verbands Internet Reisevertrieb (VIR), gingen auf das Thema Digitalisierung ein, die durch die Pandemie einen enormen Schub bekommen hat. So schilderte Lorenz, wie man bei Eberhardt Travel in der Zeit der Pandemie die Kunden dazu eingeladen habe, virtuell auf Reisen zu gehen. Bei Online-Veranstaltungen wurden gemeinsam mit Vertretern von Destinationen etwa kulinarische Ziele gezeigt, während gleichzeitig Verkostungs-Pakete an die Teilnehmer verschickt wurden, so dass diese auch ein Geschmackserlebnis hatten. Michael Buller betonte, dass es seit Beginn der Pandemie kaum mehr einen Bereich gebe, der nicht auch online gemacht wird, vom Einkaufen über das Arbeiten im Homeoffice. Solche in der Krise gelernten Verhaltensweisen könnten sich verfestigen. Viele Dinge, über die vorher jahrelang diskutiert worden sei, hätten sich dabei nun unter dem Druck der Corona-Krise ganz schnell erledigt. Das »wird nicht mehr komplett zurückgehen« und werde auch Auswirkungen auf Reisebuchungen und touristische Produkte haben, zeigte sich Buller überzeugt.

Während der Tagung ging Henning Rehbaum, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im NRW-Landtag und mit Erfahrung als Geschäftsführer eines Busunternehmens, auf die aktuelle Situation ein. Die derzeitige Phase bezeichnete er als die vielleicht schwierigste der Pandemie. Es tue ihm »in der Seele weh, was derzeit mit den Unternehmen geschieht«, so Rehbaum. Er verwies unter anderem darauf, dass Busunternehmen zu den Betrieben mit der höchsten Anlageintensität gehören würden, nun aber stünden Busse still, die Umsätze fehlten und die Belegschaft sei in Kurzarbeit. Ziel müsse es daher sein, die Unternehmen und auch die Branche als Ganzes durch die Zeit der Pandemie zu bringen. Auch auf Nachfrage konnte Rehbaum aber keinen Termin nennen, zu dem Busreisen wieder starten können.

Leider nur wenig zuversichtlich für das Reisejahr 2021 zeigt sich übrigens Thomas Bareiß (CDU), der Tourismus-Beauftragte der Bundesregierung. Im Gespräch mit dem TV-Sender RTL sagte Bareiß, er erwarte nicht, dass angesichts der Corona-Pandemie Urlaub in den Osterferien wieder möglich sein wird. Mit Besserung rechnet Bareiß erst ab den Pfingstferien. Eine Nachricht, die von Teilnehmern des Tags der Bustouristik durchaus mit Bestürzung aufgenommen wurde. Die Menschen würden gerne reisen, verwies in diesem Zusammenhang Petra Hedorfer, Vorsitzende der Deutschen Zentrale für Tourismus, online beim Tag der Bustouristik. Das Positive daran sei, dass Deutschland als Reiseziel dabei ganz vorne stünde.

Interessant waren im Laufe der Tagung übrigens auch die Teilnehmer-Befragungen, so lautete eine Frage, was denn das »Megathema für die Busreisebranche nach der Pandemie« sein werde. Mit 68 Prozent an der Spitze stand hier das Thema »Neuorientierung Märkte/Kunden«, gefolgt von »Klima-/Umweltschutz« mit 14 Prozent und dem Insolvenzschutz mit 11 Prozent. Jeweils drei Prozent nannten den »Brexit« sowie das Thema »Overtourism/Zugang des Busses zu Zielgebieten«. Die Frage, ob die Bustouristik die Zäsur der Pandemie nutzen könne, um dem intensiven, harten Preiswettbewerb zugunsten eines Qualitätswettbewerbs zu entkommen, beantworteten 73 Prozent mit »Ja«, 27 Prozent meinten »Nein«.

Die »neue Normalität wird eine andere Normalität sein«, betonte Dieter Gauf zum Abschluss noch einmal. In dieser werde sich die Bustouristikbranche zurechtfinden müssen. Er zeigte sich aber überzeugt, dass die innovativen Unternehmen der Bustouristik diese Herausforderung meistern werden.


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