18.11.2020

Von: Thomas Burgert

KRITIK AN WARNUNG VON BUND UND LÄNDERN

VERBÄNDEKRITIK: Grundlos Angst geschürt

Es werde ohne Grund Angst vor Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln geschürt, kritisieren Verbände den Beschluss von Bund und Ländern.


Öffentliche Verkehrsmittel sind keine Corona-Hotspots, weshalb Verbände die einseitigen Warnungen vor der Nutzung des ÖPNV kritisieren. (Symbolfoto: Thomas Burgert)

Öffentliche Verkehrsmittel sind keine Corona-Hotspots, weshalb Verbände die einseitigen Warnungen vor der Nutzung des ÖPNV kritisieren. (Symbolfoto: Thomas Burgert)


Als »einseitig« und »wissenschaftlich nicht belegt« haben Allianz pro Schiene, der Fahrgastverband Pro Bahn und der ökologische Verkehrsclub VCD die Warnungen von Bund und Ländern vor Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln bezeichnet. Die Verbände kritisieren, dass völlig ohne Grund Angst vor öffentlichen Verkehrsmitteln geschürt werde. Die Verbände betonen ausdrücklich, dass sie die Corona-Maßnahmen von Bundesregierungen und Landesregierungen grundsätzlich unterstützen. Eine Reduzierung der Kontakte sei sinnvoll, um die Pandemie zu bekämpfen. Die Kritik richte sich ausschließlich gegen »einseitige Stellungnahmen gegen den klimafreundlichen öffentlichen Verkehr, für die es keine sachliche Grundlage« gebe.

Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, betonte: »Bus und Bahn sind keine Corona-Hotspots – das zeigen alle bisher vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchungen. Wenn die Politik vor Fahrten in Bus und Bahn warnt, müsste sie erst recht vor dem Straßenverkehr mit der hohen Zahl an Unfalltoten und Schwerverletzten warnen.«

Aus wissenschaftlicher Sicht würden Fahrgäste in öffentlichen Verkehrsmitteln »kein erhöhtes Ansteckungsrisiko eingehen«, sagte Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn. Aus Fahrgastsicht sei wichtig, dass »die Vorsichtsregeln wie Maskentragen und ein Luftaustausch durch das regelmäßige Öffnen der Türen und Fenster oder Klimaanlagen konsequent eingehalten werden.« Die Erfahrung zeige, dass dies bisher gut funktioniert. »Die Politik sollte die Menschen in dieser angespannten Lage nicht zusätzlich mit einseitigen, wissenschaftlich nicht begründeten Warnungen vor dem öffentlichen Verkehr verunsichern.«

Matthias Kurzeck, Mitglied im Bundesvorstand vom VCD, ergänzte: »In dem Beschluss vom 16. November rufen Bund und Länder dazu auf, auf nicht notwendige Fahrten mit öffentlichen Beförderungsmitteln zu verzichten. Ein vergleichbarer Appell, Pkw-Fahrten zu mehreren Personen aus unterschiedlichen Haushalten zu unterlassen, findet sich trotz des sicherlich vielfach höheren Ansteckungsrisikos im Auto in dem Beschlusspapier nicht.« Die Maßnahmen würden daher als »deutlich unausgewogen« erscheinen.


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