MEISTGELESEN AM 18. NOVEMBER 2020

VDV: Forderung eines »Lüftungskonzepts« nicht notwendig

In einem Schreiben an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer vom 13. November fordert der Linken-Bundestagsabgeordnete Andreas Wagner (Bayern) das Vorschreiben eines Lüftungskonzepts für den ÖPNV.


Lars Wagner, Pressesprecher des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), sagte, das Vorschreiben eines Lüftungskonzepts sei nicht notwendig. (Foto: VDV)

Lars Wagner, Pressesprecher des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), sagte, das Vorschreiben eines Lüftungskonzepts sei nicht notwendig. (Foto: VDV)


»Um das Infektionsrisiko in Bussen und Bahnen des ÖPNV zusätzlich zu senken, rege ich ein Lüftungskonzept für öffentliche Verkehrsmittel an«, schreibt Andreas Wagner. In diesem Lüftungskonzept sollte festgeschrieben werden, dass alle Türen von Bussen und Bahnen an allen Haltestellen automatisch öffnen, ohne dass die Fahrgäste einen Knopf drücken müssen. Das könne auch Schmierinfektionen vorbeugen.

Auf Nachfrage des Roten Renners beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zeigte sich dessen Sprecher Lars Wagner überrascht von der Forderung einer Maßnahme, welche durch die allermeisten Verkehrsunternehmen ohnehin umgesetzt werde. Der VDV empfehle schon seit den Anfängen der Pandemie die Öffnung mindestens einer Tür oder aller Türen und in entsprechend technisch ausgestatteten Fahrzeugen die sogenannte »Stadionschaltung«. VDV-Präsident Ingo Wortmann sagte bereits zu einem früheren Zeitpunkt: »An den Haltestellen öffnet sich seit Beginn der Pandemie mindestens eine, häufiger weitere oder alle Türen automatisch („Stadionschaltung“), so dass hier eine sehr hohe und vor allem dauerhafte Frischluftzufuhr gewährleistet wird. In vielen Städten, jedoch regional unterschiedlich, unterstützen Klimaanlagen mit einer Frischluftzufuhr von bis zu 100 Prozent Frischluft den permanenten Luftaustausch in den Fahrzeugen.«

Diese Stadionschaltung hat ihren Namen von der Beförderung von Menschen bei sportlichen Großereignissen, bei denen viel an den Haltestellen los sei und eine unkomplizierte Türöffnung einen schnellen Fahrgastwechsel ermöglicht. Lars Wagner finde es »absurd« und »hanebüchen«, von der Politik Vorschriften dazu zu fordern, da den Unternehmen selbst daran gelegen sei, das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Der Luftaustausch im Bus erfolge alle zwei Minuten durch Klimaanlage und Türöffnung und die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrage weniger als 15 Minuten. Darüber hinaus sei Andreas Scheuer für die Ländersache ÖPNV der falsche Ansprechpartner für diese Anregung des Linken-MdB.

Im Hinblick auf den Beschluss der Bundeskanzlerin und der Länderchefs vom 16. November, in dem es heißt, dass die Menschen auf »nicht notwendige Fahrten mit öffentlichen Beförderungsmitteln verzichten« sollen, relativierte VDV-Geschäftsführer Oliver Wolff diese Formulierung und unterstrich, dass der ÖPNV dadurch nicht als Corona-Hotspot bezeichnet werden könne. Wolff sagte: »Bei den gestrigen Beschlüssen der Regierungschefs geht es nicht um die Frage, wo eine erhöhte Ansteckungsgefahr droht. Es geht darum, dass vor allem während des Lockdowns vermeidbare Kontakte soweit wie möglich unterlassen werden, um die Ausbreitung der Pandemie zu verlangsamen. Das bedeutet folgerichtig, dass auch im ÖPNV in dieser Zeit – unabhängig vom grundsätzlich sehr niedrigen Risiko einer Ansteckung – Kontakte zum Beispiel durch nicht notwendige Freizeitfahrten vermieden werden sollten: Das, was für Gastronomie, Museen oder private Treffen gilt, gilt ebenso für den ÖPNV.«


Kategorie: Verbände, Top-News