15.09.2020

Von: Thomas Burgert

Schlüsseltechnologie für den ÖPNV

Mit dem Satz »5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig«, hatte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek einst unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass sie sich beim Aufbau eines 5G-Kommunikationsnetzes in ländlicheren Regionen richtig Zeit lassen möchte. Eine aktuelle Untersuchung zum Thema 5G und ÖPNV zeigt nun einmal mehr, dass diese Aussage so dämlich ist wie sie sich auch anhört.



Das von einem Forscherteam der Hochschule Reutlingen erstellte Konzept zeigt, dass ein 5G-Mobilfunkstandard dazu beitragen kann, gerade den ÖPNV in ländlichen Regionen günstiger und attraktiver zu machen. Die Reutlinger Forscher halten es mit 5G-Standard für machbar, dass Busse computergesteuert eingesetzt werden können. Sie könnten dann von einer Person in einer Steuerungszentrale kontrolliert werden, die von dort aus mehrere Busse überwacht und steuert.

Möglich wird das durch die Datenmengen, die mittels 5G übertragen werden können. Hier stößt man in andere Dimensionen vor, wie ein Vergleich zeigt. Dauert es mit 3G-Standard für den kompletten Download des Spielfilms »ET« noch zwölf Stunden, dann schafft man das mit 4G schon in etwa zehn Minuten, mit 5G aber dauert es gerade noch einmal drei Sekunden. Eine weitere Aussage Karliczeks, »wenn wir 4G flächendeckend haben, sind wir schon sehr gut ausgestattet«, bekommt bei diesem Vergleich dann doch eine andere Dimension.

Speziell für autonom fahrende Fahrzeuge im ÖPNV, die auf dem Land deutlich leichter und oft sinnvoller eingesetzt werden könnten als in den Ballungszentren, ganz einfach, weil hier weniger Verkehr und Hindernisse im Weg sind, könnte in Verbindung mit der Mobilfunktechnologie ein echter Durchbruch möglich sein. Immer Politiker vorausgesetzt, die über den Rand ihres Ministeriums hinausschauen können.

Thomas Burgert


Kategorie: Editorial