13.09.2020

Von: Peter Gebauer

BUS-MODIFICATION-CENTER PLAUEN STEHT VOR DEM AUS

MAN: Abbau von bis zu 9500 Arbeitsplätzen

Der Bus- und Lastwagenbauer MAN will bis zu 9500 seiner insgesamt 36.000 Arbeitsplätze in Deutschland und Österreich streichen.


Bis zu 9500 Stellen in Deutschland und Österreich stehen auf der Kippe. (Foto: MAN)

Bis zu 9500 Stellen in Deutschland und Österreich stehen auf der Kippe. (Foto: MAN)


Betroffen sollen sämtliche Bereiche sein, Produktion und Entwicklung sollen an andere Standorte verlegt werden. Den MAN-Modifikationszentren in Plauen (Bus) und Wittlich (Truck) sowie dem Standort im österreichischen Steyr droht gar die komplette Schließung. Wie der Nutzfahrzeughersteller am Freitag vergangener Woche mitteilte, soll das Ergebnis dadurch bis zum Jahr 2023 um 1,8 Milliarden Euro verbessert werden. Die operative Umsatzrendite – zuletzt negativ – soll so auf acht Prozent erhöht werden. Für den Konzernumbau veranschlagt die Unternehmensspitze Kosten im mittleren bis hohen dreistelligen Millionenbereich.

Ein Stellenabbau bei MAN steht schon seit längerem zur Diskussion. Die Kosten waren bereits vor der Corona-Pandemie zu hoch. Zuletzt war aber nur von bis zu 6000 Arbeitsplätzen die Rede. Über die Neustrukturierung des Unternehmens hatte es heftige Auseinandersetzungen zwischen dem früheren VW-Nutzfahrzeugvorstand und Traton-Chef Andreas Renschler (62) und der Konzernführung gegeben. Anfang Juli musste Renschler seine Posten bei VW räumen, bei der MAN-Mutter Traton übernahm Matthias Gründler (54) den Vorsitz. Der hat sich mit dem neuen MAN-Chef Andreas Tostmann (58) nun auf das vorgelegte Maßnahmepaket geeinigt.

Man hatte zuletzt die komplette Volkswagen-Nutzfahrzeuggruppe Traton tief in die roten Zahlen gerissen. Nach einem operativen Gewinn von 253 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum hat MAN im ersten Halbjahr dieses Jahres einen Verlust von 387 Millionen Euro ausweisen müssen. Für den Traton-Konzern bedeutete das einen Betriebsverlust von 220 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor stand hier noch ein Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro. Verluste von zehn Millionen Euro machte auch die südamerikanische Caminhões e Ônibus. Nur die dritte Traton-Marke Scania blieb mit einem Betriebsgewinn von 221 Millionen Euro in der Gewinnzone.

Tostmann, neuer Vorsitzender des Vorstands der MAN Truck & Bus SE, erklärte zu den Plänen: »Wir stehen vor großen Herausforderungen durch den technologischen Wandel – bei Digitalisierung, Automatisierung und alternativen Antrieben. Wir brauchen deshalb eine Neuaufstellung von MAN Truck & Bus, um deutlich innovativer, digitaler und nachhaltig profitabler zu werden. Damit sichern wir die Zukunft des Unternehmens in einer sich rasant ändernden Welt. Der Vorstand wird alles dafür tun, dass MAN auch weiterhin zu den besten Bus- und Lkw-Herstellern der Welt zählt. Wir haben die Arbeitnehmerseite daher gebeten, unser Gesprächsangebot anzunehmen.«

Die Arbeitnehmerseite hat die Pläne bereits scharf kritisiert. Jürgen Kerner von der IG Metall sagte dem Bayerischen Rundfunk, man werde es nicht einfach akzeptieren, dass die Beschäftigten für »Corona und für jahrelanges Miss-Management des Vorstands« bestraft würden. Betriebsbedingte Kündigungen müssten ausgeschlossen werden und es müsse weiter in Standorte sowie Forschung und Entwicklung investiert werden.


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