MEISTGELESEN AM 11. AUGUST 2020

HANEKAMP: Bietergemeinschaft übernimmt 22 Linien

Zum 1. August 2020 hat eine Bietergemeinschaft aus vier mittelständischen Busunternehmen 22 eigenwirtschaftliche Linien in den Kreisen Cloppenburg und Vechta der Weser-Ems-Bus-Tochter (WEB; DB Regio) Hanekamp übernommen, welche zum Jahresende aufgelöst werden soll.


Haben als Bietergemeinschaft die Hanekamp-Linien zum 1. August übernommen (von links): Uwe Nienaber, Reiner Kohorst, Oliver Nienaber, Thomas Bojes und Leo Wilmering (Foto: Roland Kühn)

Haben als Bietergemeinschaft die Hanekamp-Linien zum 1. August übernommen (von links): Uwe Nienaber, Reiner Kohorst, Oliver Nienaber, Thomas Bojes und Leo Wilmering (Foto: Roland Kühn)


Bei den vier gleichberechtigten Partnern handelt es sich um die Unternehmen Wilmering (Vechta), Schomaker (Lohne), Nienaber (Sedelsberg) und Kohorst (Dinklage). Wie Leo Wilmering, Geschäftsführer der Wilmering-Unternehmensgruppe, der Oldenburgischen Volkszeitung sagte und dem Roten Renner im Gespräch bestätigte, sei ihm das Unternehmen Hanekamp bereits vor zwei Jahren zum Kauf angeboten worden. Er habe jedoch abgewunken, weil sich das nicht gerechnet habe, der Weiterbetrieb Hanekamps als wirtschaftliche Einheit sei nicht möglich gewesen. In der Bietergemeinschaft habe man die Leistungen jedoch gut auf die Partner aufteilen können, um Synergien zu bereits bestehenden, eigenen Verkehren zu heben. Bisher setzte Hanekamp 54 Busse für die jährlichen 1.071.130 Kilometer ein, laut Wilmering gehe die Bietergemeinschaft durch vorgenommene Optimierungen von einer geringeren Fahrzeuganzahl aus.

Eine Betriebsübernahme habe man bewusst nicht durchgeführt, die 54 Busse und 90 Fahrer seien nicht übernommen worden. Man habe die von Bahn und Hanekamp-Betriebsrat durchgeführten Verhandlungen über Interessenausgleich und Abfindungen abgewartet. Rund 50 ehemalige Hanekamp-Fahrer seien dann durch die vier Partner eingestellt worden – ohne sich auf Risiken durch alte Verträge einlassen zu müssen. Schomaker-Chef Thomas Bojes sagte der Oldenburgischen Volkszeitung, dass die Fahrer jedoch nicht schlechter gestellt seien als bei ihrem alten Arbeitgeber.

Zum 31. Dezember 2020 endet nun die 65-jährige Geschichte der Hanekamp Busreisen. 2002 verkaufte der frühere Inhaber Nikolaus Hanekamp mangels Nachfolge sein Busunternehmen an die DB-Tochter Weser-Ems-Bus. Nachdem die Übernahme und Abwicklung von Hanekamp bekannt wurde, warfen Beschäftigte in einem anonymen Schreiben, aus dem die Nordwest-Zeitung (NWZ) berichtete, der Unternehmensführung Missmanagement vor. Seit der Übernahme durch Weser-Ems-Bus in 2002 habe es immer wieder Umstrukturierungen gegeben und alle »erfolgsrelevanten Abteilungen« seien aus Cloppenburg abgezogen worden. Für die Kunden hätten kompetente Ansprechpartner vor Ort gefehlt, Aufträge seien verloren gegangen (wir hatten berichtet).


Kategorie: Betrieb, Top-News