29.06.2020

Von: Thomas Burgert

Schlüsseltechnologie Wasserstoff

Wasserstoff werde ein Schlüsselrohstoff für eine erfolgreiche Energiewende sein, hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier betont, als er vor einigen Tagen die von der Bundesregierung beschlossene Nationale Wasserstoffstrategie vorstellte, die auch für den Bus interessant ist. An Superlativen haben dabei weder der Wirtschaftsminister, noch seine Kollegin aus dem Umweltministerium gespart. So soll Deutschland die Nummer 1 in Sachen Wasserstofftechnologie weltweit werden und dabei mal wieder eine Vorreiterrolle einnehmen.



Vom Pathos der Bundesminister einmal abgesehen, ist die Technologie für die Verkehrsunternehmen durchaus interessant, wie zahlreiche Projekte in Deutschland belegen, die bereits laufen oder aber auf den Weg gebracht worden sind – übrigens ganz ohne eine strategisch lenkende Hand aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Speziell für den Überlandverkehr hoffen viele Busunternehmen auf  Wasserstoff und Brennstoffzelle und trauen dieser Technologe auf langen Distanzen mehr zu als dem batterieelektrischen Antrieb. Die ersten Einsätze – etwa beim Regionalverkehr Köln oder auch in Wuppertal haben gezeigt, dass die Technik funktioniert, aber auch, dass regionale Gegebenheiten, wie die Nähe zur chemischen Industrie, wo Wasserstoff als Nebenprodukt anfällt oder aber die Herstellung durch die zu den Stadtwerken gehörende Müllverbrennung, ebenfalls entscheidend sind.

Persönlich kann ich mir den Wasserstoff als Energieträger für den Bus sehr gut vorstellen, als Ergänzung und nicht statt des batterielektrischen Antriebs. Da beide Technologien auf dem Prinzip der Elektrotechnologien fußen, werden hier gemeinsame Plattformen möglich werden, was Synergien schafft und Kosten senkt. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung, dass wir uns wohl von dem Prinzip, dass eine Antriebstechnologie alle Einsatzbereiche abdeckt, zunehmend verabschieden müssen und uns stattdessen in einer Welt wiederfinden, in der wir weit stärker ausdifferenzierte Antriebskonzepte haben. Das wird hoffentlich dann ganz pragmatisch und ohne das übertriebene Pathos aus der Bundesregierung geschehen.

Thomas Burgert


Kategorie: Editorial