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OVN: Verdi eine Nullrunde »angeboten«

Nachdem die Verhandlungen zwischen dem Omnibusverband Nord (OVN) und Verdi fürs private Omnibusgewerbe wegen Corona auf Eis lagen, fand am Montag, 29. Juni, ein erster »Gedankenaustausch« beider Tarifparteien statt.


OVN-Geschäftsführer Dr. Joachim Schack sieht aktuell »überhaupt keinen Spielraum für eine Lohnerhöhung«. (Foto: OVN)

OVN-Geschäftsführer Dr. Joachim Schack sieht aktuell »überhaupt keinen Spielraum für eine Lohnerhöhung«. (Foto: OVN)


Dabei habe es sich nicht um eine erneute Verhandlungsrunde gehandelt, wie beide Seiten betont hätten, berichten die Lübecker Nachrichten (LN). Der OVN habe jedoch sein Angebot von 250 Euro mehr in vier Stufen über eine Laufzeit von 36 Monaten, welches der Gewerkschaft nicht ausreichte (der Rote Renner hatte berichtet), zurückgezogen. Die LN zitieren OVN-Geschäftsführer Joachim Schack: »Wir haben bei diesem ersten Gespräch unsere Auffassung deutlich gemacht, dass wir überhaupt keinen Spielraum für eine Lohnerhöhung haben.« Eine Umfrage unter den OVN-Unternehmen habe ergeben, dass 85 Prozent den Sommer nicht überleben, wenn nicht bald staatliche Hilfen fließen, wird Schack von der Zeitung zitiert. Man könne auch nicht abschätzen, wann man wieder mit regelmäßigen Einnahmen rechnen könnte, denn die Hauptzielgruppe von Busreisen, die Senioren, sei auch Risikogruppe einer Corona-Ansteckung.

Am Dienstag, 30. Juni, werde die Große Tarifkommission den Standpunkt des OVN bewerten. Kritik äußerte Verdi-Verhandlungsführer Karl-Heinz Pliete bereits: »Wir sehen es kritisch, dass der OVN eine Nullrunde anstrebt. Die Busfahrer haben ihren Job auch während der Pandemie gemacht, sind sogar als systemrelevant eingestuft worden; wenigstens das müsste honoriert werden. Zumal die Busunternehmen jetzt auch von Konjunkturpaketen profitieren werden«, zitieren die LN. Die Tarifkommission werde auch das Thema »Urabstimmung für unbefristete Streiks« wieder aufgreifen, was wegen Corona zurückgehalten wurde. Anfang des Jahres hatte Verdi zunächst mehrmals zu eintägigen Warnstreiks, dann sogar zu einem vier- und fünftägigen Warnstreik aufgerufen. Einige Gewerkschaftsmitglieder sollen unzufrieden sein, dass sich Verdi – wie es die LN schreiben – möglicherweise »verzockt« hat. Bei den Verhandlungen zum TV-N in Schleswig-Holstein wurde im Februar hingegen eine Einigung mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband erzielt (255 Euro für zwei Jahre).


Kategorie: Verbände, Top-News