13.01.2020

Von: Thomas Burgert

Rabattschlachten mit Gefahrenpotenzial

Nach der Mehrwertsteuerreduzierung hat die Deutsche Bahn stolz verkündet, man habe nun den niedrigsten regulären Preis für eine Fahrkarte im Fernverkehr seit der Bahnreform 1994. Währenddessen freut sich Münster über 40 Prozent mehr Fahrgäste an den vier Adventssamstagen 2019, an denen der Busverkehr in der Stadt gratis genutzt werden konnte.



Diese Meldungen liegen derzeit ganz im Trend und bei den Versuchen, mit immer niedrigeren Fahrpreisen, günstigen Flatrates oder Gratis-Angeboten mehr Fahrgäste für Busse und Bahnen zu gewinnen, scheint kein Ende abzusehen. Doch solche Aktionen, die in ihrer Summe manchmal an regelrechte Rabattschlachten im Schlussverkauf erinnern, sind auch nicht ganz ungefährlich. Denn wenn immer mehr Menschen den öffentlichen Verkehr nutzen wollen, muss es auch ausreichend Fahrzeuge geben, in die diese Fahrgäste einsteigen können. Und sie müssen pünktlich sowie zuverlässig fahren. Es muss schlicht auch ein ausreichendes Angebot da sein.

Fehlt dies, kann die Stimmung bei den Fahrgästen auch mal ganz schnell kippen, eine Gefahr, der man sich bewusst sein muss. Wenn man tatsächlich einen nachhaltigen Umstieg vom Pkw auf Bus und Bahn erreichen will, werden Preisreduzierungen allein nicht helfen. Und manchmal entsteht leider der Eindruck, dass das nicht allen Beteiligten bewusst ist.

Thomas Burgert


Kategorie: Editorial