28.11.2019

Von: Thomas Burgert

VERKEHRSEXPERTEN SIND SKEPTISCH

MÜNCHEN: OB Reiter unterstützt 365-Euro-Ticket

Münchens Oberbürgermeister will sich bei der nächsten MVV-Gesellschafterversammlung für ein 365-Euro-Jahresticket für Auszubildende, Schüler und Studenten einsetzen.


Geht es nach Münchens Oberbürgermeister Reiter kommt im Münchner ÖPNV ein 365-Euro-Jahrestickets für Schüler, Azubis und Studenten. (Symbolfoto: Thomas Burgert)

Geht es nach Münchens Oberbürgermeister Reiter kommt im Münchner ÖPNV ein 365-Euro-Jahrestickets für Schüler, Azubis und Studenten. (Symbolfoto: Thomas Burgert)


Er werde die Einführung eines 365-Euro-Jahrestickets für Auszubildende, Schüler und Studenten unterstützen, sagte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung am Donnerstag, 28. November, in München. Zuvor war ihm eine Petition überreicht worden, mit der die Initiatoren die Einführung eines solchen Ticketmodells fordern. Über 10.000 Menschen haben diese Petition bereits unterzeichnet.

Oberbürgermeister Dieter Reiter sagte, er werde die Umsetzung eines 365-Euro-Tickets in der nächsten Gesellschafterversammlung des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes (MVV) am 6. Dezember vorschlagen. Nachdem das Land Bayern bereits signalisiert habe, zwei Drittel der Kosten zu übernehmen und Stadt und Landkreise gemeinsam ein Drittel bezahlen sollen, sehe er »gute Chancen, dass das Ticket schon zum nächsten Ausbildungsjahr im Sommer 2020 kommen wird«. Allerdings müsse im MVV noch diskutiert werden, ob es neben einer Variante für Auszubildende und Schüler auch für Studenten ein 365-Euro-Jahresticket geben könne. Für die Studierenden gebe es »aber bereits seit einigen Jahren ein Semesterticket«, erklärte Reiter.

München wäre nach Nürnberg die zweite Großstadt, bzw. ein Ballungsgebiet in Bayern, welche in Stadt und Tarifgebiet das Modell eines 365-Euro-Jahrestickets umsetzen würde. Die bayerische Staatsregierung hatte in diesem Jahr den Weg für solche Ticketmodelle freigemacht, indem sich das Land unter anderem bereit erklärt hatte, zwei Drittel der Kosten zu übernehmen.

Bei der Debatte im Verkehrsausschuss des Landtags im Juni 2019 hatten sich jedoch die geladenen Verkehrsexperten gegen dieses Modell ausgesprochen, wie der Bayerische Rundfunk (BR) damals berichtet hatte. Robert Frank vom Verband der Verkehrsunternehmen lehnte damals auch den immer wieder gezogenen Vergleich mit Wien ab. »Die entscheidenden Maßnahmen, um in Wien eine sehr attraktive ÖPNV-Politik zu machen, war die Angebotsverstärkung, der Ausbau des Tramsystems, die Verbesserung der Bussysteme. Und dann natürlich eine höhere Gesamtfinanzierung. Und parallel dazu natürlich eine harte Parkraumbewirtschaftung, um die Nutzung des Pkws in der Stadt zu erschweren«, sagte Frank laut BR damals.

Das von der Staatsregierung versprochene 365-Euro-Jahresticket entziehe dem öffentlichen Nahverkehr Erlöse, »die dann fehlen, wenn nicht auf Dauer hohe Staatszuschüsse fließen«, erklärte Frank. Es drohe, dass »dann beim Ausbau der Infrastruktur, also etwa Schienen, gespart wird«, hatte ein Vertreter der Deutschen Bahn im Ausschuss hinzugefügt.


Kategorie: Recht & Politik