05.09.2019

Von: Thomas Burgert

VDV LEHNT EIN 365-EURO-JAHRESTICKET AB

BERLIN: SPD will flächendeckend 365-Euro-Ticket

Die SPD-Fraktion im Bundestag will die Ticketpreise im ÖPNV deutlich und flächendeckend senken und befürwortet die Einführung eines 365-Euro-Jahrestickets.


VDV-Präsident Ingo Wortmann spricht sich entschieden gegen ein 365-Euro-Ticket aus. (Foto: Heike Schröder / VDV)

VDV-Präsident Ingo Wortmann spricht sich entschieden gegen ein 365-Euro-Ticket aus. (Foto: Heike Schröder / VDV)


Man wolle, dass »jede und jeder flächendeckend mit Bus und Bahn zu bezahlbaren Preisen, egal ob in der Großstadt oder auf dem Land, unterwegs sein kann«, heißt es in einem Entwurf, über den die Süddeutsche Zeitung berichtet. Die Kommunen sollen daher nach den Plänen der Sozialdemokraten »bei der schrittweisen Einführung eines 365-Euro-Jahrestickets« unterstützt werden. Zum Auftakt einer Fraktionsklausur sagte der Interims-Fraktionschef Rolf Mützenich, er glaube, es werde »auf jeden Fall etwas kommen, was den öffentlichen Nahverkehr noch attraktiver macht als bisher«.

In einer ersten Stellungnahme erklärte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), dass man ein 365-Euro-Ticket ablehnt und stattdessen einen Nahverkehrsausbau favorisiert. Ohne eine dauerhafte Gegenfinanzierung aus Steuermitteln in Milliardenhöhe sei eine Belastung für die Verkehrsunternehmen und die Kommunen zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu stemmen, betonte der VDV.

Schon heute sei man auf vielen Strecken an der Kapazitätsgrenze. Richtig sei, dass »Bus und Bahn ein Schlüssel für die Verkehrswende sind. Dafür brauchen wir aber zuallererst die Unterstützung der Bundesregierung, um schneller zu planen und auszubauen und die Mittel auch für die dringend notwendige Grunderneuerung verwenden zu können«, sagte Wortmann weiter. Zudem sei »allgemein bekannt«, dass der Fahrpreis nicht das entscheidende Kriterium für den Umstieg auf Bus und Bahn sei, sondern vielmehr Angebot, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.

Ein gutes Bus- und Bahn-Angebot müsse entsprechend finanziert werden. Wortmann ging auch auf das »Wiener Modell« ein, das in der Debatte immer als Vorbild genannt werde. Die Stadt Wien gebe seit zwei Jahrzehnten jährlich rund 400 Millionen Euro für den Nahverkehr aus. Hier liege der »eigentliche Erfolgsfaktor für die steigenden Fahrgastzahlen nicht an der Fahrpreisverminderung, sondern an der Attraktivität des Gesamtangebots«, sagte Wortmann. Zunächst und über Jahre müsse erheblich in Fahrzeuge, Infrastruktur und Personal investiert werden.

Die Einnahmen der Nahverkehrsunternehmen aus dem Verkauf von Fahrscheinen lagen nach VDV-Angaben zuletzt bundesweit bei 12,95 Milliarden Euro jährlich. »Ein gutes und sich konstant weiterentwickelndes ÖPNV-Angebot ist in Deutschland ohne die wichtigste Finanzierungssäule der Ticketeinnahmen aktuell nicht vorstellbar«, betonte Wortmann.


Kategorie: Recht & Politik, Verbände, Top-News