01.08.2019

Von: Thomas Burgert

ERFOLGSFAKTOREN DES WIENER WEGES

WIEN: ÖPNV-Angebot und Parkraumbewirtschaftung

Die Steigerung des ÖPNV-Anteils am Wiener Verkehrsaufkommen gilt als vorbildlich, eine Studie zeigt, welche Faktoren dafür mitentscheidend waren.


Seit der Einführung der 365-Euro-Jahreskarte habe sich der Anteil des ÖPNV am Gesamtverkehrsaufkommen nicht mehr relevant verändert. (Symbolfoto: Wiener Linien/ Peter Strobl)

Seit der Einführung der 365-Euro-Jahreskarte habe sich der Anteil des ÖPNV am Gesamtverkehrsaufkommen nicht mehr relevant verändert. (Symbolfoto: Wiener Linien/ Peter Strobl)


Der ÖPNV in Wien hat seinen Marktanteil in den vergangenen 25 Jahren um ein Drittel gesteigert. Der Anteil des Fahrradverkehrs hat sich seither sogar mehr als verdoppelt. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Civity, das die Wiener Stadtwerke und die Wiener Linien bei der Tarifanpassung 2012 begleitet hat, werde dabei vor allem eines deutlich: »Die wesentlichen Treiber des verkehrspolitischen Erfolgs des Wiener Weges liegen in einer ÖV-freundlichen Siedlungsstruktur, einem sehr attraktiven ÖPNV-Angebot und einer restriktiven Parkraumbewirtschaftung.«

Dabei trage neben den Einnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung auch eine gesonderte Arbeitgeberabgabe einen signifikanten Anteil zur Finanzierung des ÖPNV in Wien bei. Seit der Einführung der 365-Euro-Jahreskarte im Jahr 2012 habe sich der Anteil des öffentlichen Verkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen übrigens »nicht mehr relevant verändert«, lautet ein weiteres Ergebnis der Civity-Studie. Hingegen stieg zwischen 1993 und 2012 der Modal Split des öffentlichen Verkehrs in Wien von 29 Prozent auf 38 Prozent – ein Wert, der den deutscher Großstädte deutlich übertrifft. Seit der Einführung der 365-Euro-Jahreskarte im Jahr 2012 hat sich der ÖPNV-Anteil am Gesamtverkehrsaufkommen jedoch nicht mehr merklich verändert.

Als Erfolgsfaktoren für das Wiener Modell zählt die Civity-Studie mehrere Punkte auf. So habe Wien mit Abstand die größte Anzahl an Haltestellenabfahrten pro Hektar Siedlungs- und Verkehrsfläche. Diese Kennzahl bezeichnet Civity als »sehr relevant«, denn Untersuchungen würden zeigen, dass dichte Taktverkehre zu einer höheren ÖPNV-Nutzungsbereitschaft führen, da der Fahrplan als »verlässlicher« wahrgenommen wird. Niedrige Taktfrequenzen unterbinden dagegen den spontanen Einstieg in den ÖPNV.

Auch das Platzangebot ist ein entscheidender Faktor. Seit dem Jahr 2000 stiegen die Platzkilometer des ÖPNV in Wien um insgesamt 42 Prozent, zwischen 2006 und 2017 um 31 Prozent. Dies sei »ein deutliches Bekenntnis zu den öffentlichen Verkehrsmitteln«. Im gleichen Zeitraum ist laut Civitry-Studie das Angebot in Berlin um zehn Prozent, in Hamburg um 16 Prozent, in München um 23 Prozent und in Köln um drei Prozent ausgebaut worden.

Dann unterschiedet sich auch die Parkraumpolitik Wiens von der deutscher Großstädte. Sie sei »ein wesentlicher Stellhebel des Wiener Wegs«, da sie eine verkehrssteuernde Wirkung besitze, maßgeblich zur Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur beitrage und zudem eine klare verkehrspolitische Signalwirkung entfalte. Im Zuge der Tarifanpassung im Jahr 2012 wurde damit begonnen, die Parkraumbewirtschaftung noch einmal deutlich zu intensivieren. Bis heute werden regelmäßig neue Stadtbezirke in die Bewirtschaftung integriert, Gebühren erhöht sowie der Kontrolldruck weiter gesteigert. Die damit erzielten Einnahmen würden die deutscher Städte um ein Vielfaches übertreffen und »ganz wesentlich zur Finanzierung eines attraktiven ÖPNV« beitragen.


Kategorie: Aus aller Welt