11.07.2019

Von: Thomas Burgert

ORP: STARTSCHUSS FÜR AUTONOM FAHRENDEN BUS

Im brandenburgischen Wusterhausen/Dosse im Landkreis Ostprignitz-Ruppin hat am Donnerstag, 11. Juli, der Probebetrieb mit einem fahrerlos fahrenden Kleinbus auf öffentlichen Straßen begonnen. Im Rahmen eines vom Bundesverkehrsministerium (BMVI) geförderten Forschungsprojekts verbindet das Fahrzeug den Bahnhof der knapp 6000 Einwohner zählenden Gemeinde mit der Ortsmitte und einem Verbrauchermarkt.



Das Fahrzeug der zweiten Generation des Typs »Easymile EZ10« vom französischen Hersteller Ligier hat sechs Sitzplätze und sei zunächst für Geschwindigkeiten von bis zu 15 km/h zugelassen. Später sei eine Steigerung auf bis zu 25 Stundenkilometer vorgesehen. Der Shuttle soll bis Juni 2020 fahren und sei auf die Fahrpläne der RB73 (Neustadt/Dosse - Kyritz – Pritzwalk) sowie der Regio-Busse, der Plusbus-Linie 711 (Kyritz-Neuruppin) und der Linien 704, 707, 713, 714 abgestimmt. Das BMVI förderte die Testphase mit knapp 1,6 Millionen Euro, weitere 400.000 Euro werden von den weiteren Projektpartnern, der Ostprignitz-Ruppiner Personennahverkehrsgesellschaft und der Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg getragen.

Für die Einzelbetriebserlaubnis mussten umfangreiche Tests und Prüfungen durchgeführt werden. Dabei sei es insgesamt darum gegangen, sicherzustellen, dass »das Fahrzeug, den Vorgaben der Straßenverkehrszulassungsordnung entspricht – oder dass dort, wo für den automatisierten Fahrbetrieb Ausnahmegenehmigungen notwendig sind, die Grundlagen dafür vorliegen«, erklärte Steffen Hladik, Leiter der Abteilung Gesamtfahrzeug im Dekra Technology Center (DTC) in Klettwitz, das die Untersuchungen durchgeführt hat.

Bei den Prüfungen wurden dabei die üblichen technischen Fahrzeug-Parameter ermittelt, beispielsweise in Bezug auf Bremsen, Lenkung, lichttechnische Einrichtungen oder die Höchstgeschwindigkeit. Außerdem wurden die Besonderheiten für automatisiert fahrende Fahrzeuge abgeprüft. Das betrifft insbesondere die zusätzliche Sensorik am Fahrzeug für den automatisierten Betrieb und die Anforderungen an die manuelle Steuerung. Dazu wurden umfangreiche Verhaltenstests im automatisierten Betrieb unter anderem hinsichtlich der Erkennung anderer Verkehrsteilnehmer und der Infrastruktur durchgeführt.

Während des Betriebs ist immer ein Sicherheitsfahrer mit an Bord, die Steuerung auf der vorab einprogrammierten Strecke läuft aber in der Regel automatisiert. Auftraggeber für die Gutachten war die vom Landkreis betriebene Ostprignitz-Ruppiner Personennahverkehrsgesellschaft (ORP). Daneben sind an dem Forschungsprojekt auch die Regionale Entwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg sowie die Technischen Universitäten Berlin und Dresden beteiligt.

Weitere Projekte wie in Wusterhausen/Dosse seien »auf der Zielgeraden«, sagte übrigens Steffen Hladik. Seit der Übernahme des Lausitzrings werde das DTC zum größten herstellerunabhängigen Prüf- und Testzentrum für die automatisierte und vernetzte Mobilität ausgebaut. (Foto: Dekra)


Kategorie: Aufmacher, Technik, Betrieb