09.05.2019

Von: Thomas Burgert

SIEBEN PROZENT DER PKW AUSREICHEND

STUDIE: Chancen/Risiken autonomer Fahrzeuge

Eine aktuelle Studie aus Oslo zeigt, wie der Pkw-Verkehr durch autonom fahrende Fahrzeuge massiv reduziert werden kann – wenn der ÖPNV gut ausgebaut ist.


Eine aktuelle Studie zeigt, wie wichtig ein gut ausgebauter ÖPNV beim Einsatz autonomer Fahrzeuge ist. (Foto: Piet Simons/ COWI)

Eine aktuelle Studie zeigt, wie wichtig ein gut ausgebauter ÖPNV beim Einsatz autonomer Fahrzeuge ist. (Foto: Piet Simons / COWI)


Im Stadtzentrum von Oslo sind seit einigen Wochen autonom fahrende Fahrzeuge im Einsatz, die möglichen Effekte solcher Angebote auf die Mobilität haben die skandinavische Beratungsfirma COWI und das Karlsruher Softwareunternehmen PTV Group untersucht. Die Studie ist sehr detailliert und bei der Betrachtung wurde ausdrücklich auch das ÖPNV-Angebot miteinbezogen.

In der Studie ging man von einer Zukunft aus, in der autonome Fahrzeuge und sogenannte »Mobility-as-a-Service«-Angebote (MaaS) den privaten Autobesitz weitgehend abgelöst haben. Betrachtet wurden die Gruppen der heutigen Autofahrer und ÖPNV-Nutzer in vier Hauptszenarien. Was passiert, wenn diese beiden Personengruppen autonome Fahrzeuge teilen aber individuell fahren (Carsharing), bzw. gemeinsam und zeitgleich mit Mitfahrern mit ähnlichem Ziel (Ridesharing) nutzen? Basis aller Szenarien war die morgendliche Hauptverkehrszeit an einem Arbeitstag in Oslo und der Region Akershus.

In allen untersuchten Szenarien konnte die Anzahl der Fahrzeuge um 84 bis 93 Prozent reduziert werden, teilte die PTV Group mit. Zudem wurde ermittelt, dass sieben Prozent der heutigen Fahrzeuge ausreichend wären, um alle Fahrten in den Hauptverkehrszeiten abzudecken, wenn alle Verkehrsteilnehmer in Oslo und Umgebung autonome Fahrzeuge teilen sowie Fahrgemeinschaften nutzen würden. Somit wären 93 Prozent der Pkw von heute überflüssig.

Der größte Verkehrsrückgang zeigte sich in der Simulation für ein Szenario, in dem die heutigen ÖPNV-Nutzer bei den öffentlichen Verkehrsmitteln bleiben, während die heutigen Autofahrer auf autonomes Ridesharing umsteigen würden. Dadurch würde der Verkehr um 14 Prozent reduziert. Umgekehrt würde das Verkehrsaufkommen um 97 Prozent steigen, wenn alle, die derzeit den ÖPNV nutzen, auf reines Carsharing ohne Ridesharing umsteigen. Würden die autonomen Fahrzeuge im Ridesharing genutzt, stiege das Verkehrsaufkommen nur um 31 Prozent.

Stiegen die heutigen ÖPNV-Nutzer auf MaaS-basierte Systeme mit Ridesharing um, würde sich ihre Fahrzeit um durchschnittlich elf Minuten verkürzen. Für Autofahrer würde sich dagegen die durchschnittliche Fahrzeit im Vergleich zur Fahrt mit dem privaten Auto um sechs Minuten ohne Ridesharing bzw. um acht Minuten mit Ridesharing erhöhen.

Die Ergebnisse machten deutlich, wie »wichtig ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr auch in Zukunft sein wird«, betonen die Macher der Studie. Die Ergänzung durch MaaS-Services könnte den ÖPNV für die heutigen Autofahrer attraktiver machen. Auf der anderen Seite berge dies die Gefahr, dass die heutigen Nahverkehrsnutzer auf autonome Fahrzeuge umsteigen, da sich ihre Reisezeit verkürzen würde – was die Erhöhung des Verkehrsaufkommens zur Folge hätte.

Die Studie (in englischer Sprache) kann man kostenlos [hier herunterladen - externer Link].


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