15.04.2019

Von: Peter Gebauer

STUDIE SIEHT ÖPNV ALS GEWINN- STATT ZUSCHUSSGESCHÄFT

STUDIE: Nahverkehr kann sich rechnen

Der öffentliche Nahverkehr kann durch neue Technologien deutlich rentabler werden. Davon sind die Analysten der Unternehmensberatung Roland Berger überzeugt.


Ein moderner ÖPNV, der die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzt, kann für die Aufgabenträger vom Zuschussgeschäft zum Gewinnbringer werden. Davon ist die Unternehmensberatung Roland Berger überzeugt. (Symbolfoto: MAN)

Ein moderner ÖPNV, der die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzt, kann für die Aufgabenträger vom Zuschussgeschäft zum Gewinnbringer werden. Davon ist die Unternehmensberatung Roland Berger überzeugt. (Symbolfoto: MAN)


Im Schnitt deckt der öffentliche Nahverkehr nur rund drei Viertel seiner Kosten selbst, der Rest kommt aus öffentlichen Zuschüssen. Jedes Jahr erhalten die Betreiber mehr als drei Milliarden Euro aus öffentlichen Kassen, um ihre Kosten zu decken. Der aktuelle Kostendeckungsgrad liegt im Schnitt bei 76 Prozent. Doch das könnte sich mithilfe neuer Technologien bald ändern, sind die Analysten überzeugt. In Metropolen sei sogar ein gewinnbringender Betrieb möglich, so das Ergebnis der neuen Roland-Berger-Studie »Nahverkehr rechnet sich – Wie Verkehrsbetriebe durch neue Technologien rentabler wirtschaften können«.

»Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, den öffentlichen Nahverkehr rentabler und gleichzeitig für die Kunden attraktiver zu gestalten«, erklärt Tobias Schönberg, Partner von Roland Berger. Das reicht von der Automatisierung und Elektrifizierung der Fahrzeugflotte über den Einsatz von Robo-Shuttles und Ride-Pooling bis hin zur Nutzung von Echtzeitdaten, etwa zur Reparatur- und Wartungsplanung. »Nicht alles ist schon einsatz- und marktreif«, sagt Schönberg, »aber die Entwicklung schreitet schnell voran und die neuen Technologien eröffnen dem öffentlichen Nahverkehr große Chancen, seine Effizienz zu steigern.« Der Einsatz neuer Technologien könnte in Metropolen zu Kosteneinsparungen von bis zu 390 Millionen Euro pro Jahr führen.

Sieben Ansätze, um Kosten zu senken

Die Roland-Berger-Experten haben sieben Ansätze identifiziert, die zu mehr Effizienz in drei zentralen Bereichen des ÖPNV-Betriebs führen können: Fahrzeugbeschaffung, Betrieb und Verkehrssteuerung sowie Marketing und Vertrieb. Jeder Ansatz habe ein unterschiedliches Effizienzpotenzial: Am rentabelsten ist demnach der Einsatz von Echtzeitdaten. Dabei werden technische Fahrzeugdaten direkt an die Verkehrsbetreiber übermittelt, um Probleme schnell zu beheben und lange Wartungsintervalle zu vermeiden. Allein dadurch lasse sich die Kostendeckung in Metropolen um sieben Prozentpunkte steigern, so ein Ergebnis der Studie.

Ebenso rentabel sei der Einsatz von flexiblen Robo-Shuttles, etwa auf schlecht ausgelasteten Strecken; dadurch könnte sich die Kostendeckung in Großstädten um fünf Prozentpunkte verbessern. Weitere Möglichkeiten böten die Automatisierung der Flotte, Elektrobusse, Ride-Pooling- und Mobility-as-a-Service-Angebote sowie eine bessere Steuerung der Kapazitäten und der Nachfrage. »Setzen Städte alle vorgeschlagenen Ansätze zeitgleich um, könnte sich die Kostendeckung je nach Größe der Stadt um zehn bis 30 Prozentpunkte verbessern«, prognostiziert Andreas Schwilling, Partner von Roland Berger. »Damit ließe sich der öffentliche Verkehrsbetrieb zumindest in den Metropolen rentabel betreiben – ohne Nachteile für die Kunden.«

Dies setze allerdings ein Umdenken voraus. Die Städte sollten ein klares übergeordnetes Ziel haben: ein möglichst effizientes Gesamtsystem für urbane Mobilität. »Sämtliche öffentliche Verkehrsmittel sollten weiterhin gesamthaft gedacht und als ein vernetztes System gestaltet werden«, sagt Schönberg. »Dann profitieren alle: sowohl die Betreiber, egal ob öffentlich oder privatwirtschaftlich, als auch die Nutzer.«


Kategorie: Marketing/Vertrieb, Top-News