14.04.2019

Von: Peter Gebauer

Da stimmt was nicht

Da stimmt was nicht. Das ist der Eindruck einiger Leser des Roten Renners und des Landesverbandes Bayerischer Omnibusunternehmen (LBO) zum Tarifabschluss der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mit der Gewerkschaft Verdi. Die beiden Tarifpartner haben Ende vergangener Woche in einer Presserklärung von der Einigung in den zuvor zähen Tarifverhandlungen berichtet. Die rund 14.400 Beschäftigten der BVG und der BT Berlin Transport bekommen demnach rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres acht Prozent mehr Lohn und mehr Weihnachtsgeld. Das Gesamtvolumen des neuen Tarifvertrags mit einer Laufzeit bis zum 30. Juni 2020 und rund 50 Einzelpositionen beläuft sich demnach auf 102 Millionen Euro pro Jahr. Diese Rechnung wird stark angezweifelt.



Der Rote Renner hat deshalb nachgefragt. BVG-Pressesprecherin Petra Nelken sagte auf konkrete Nachfrage, das habe alles so seine Richtigkeit. Auch Verdi-Verhandlungsführer Jeremy Arndt bestätigte die Zahlen auf dezidierte Nachfrage: Völlig korrekt so!

Der LBO macht in seinem aktuellen Rundschreiben die Probe aufs Exempel und rechnet nach. In einem Beispiel verdient ein KOM-Fahrer bisher 2270 Euro, zukünftig plus 413,75 Euro auf dann 2683,72 Euro und darf sich über eine zusätzliche Erhöhung des Weihnachtsgelds um 200 Euro freuen. In diesem Beispielsfall beträgt die Steigerung des Tariflohns aber keine acht Prozent, sondern unter Anrechnung des anteiligen Weihnachtsgeldes fast 19 Prozent. Auf ähnliche Werte kam unabhängig davon auch ein Leser des Roten Renners. Er sieht hier eine »unverantwortliche Lohnsteigerung« für den Zeitraum eines Jahres, die zu Lasten der öffentlichen Hand und somit der Steuerzahler gehe. Außerdem setze der Abschluss die gesamte Branche in Deutschland unter massiven Druck.

Von BVG und Verdi wissen wir auf Nachfrage bis jetzt außerdem noch, dass nach diesem Tarifabschluss viele Mitarbeiter auch neu eingruppiert und die Tariferhöhungen auch höhere Lohngruppen betreffen würden. Kann das die Differenz ausmachen? Es bleiben viele offene Fragen.

Peter Gebauer


Kategorie: Editorial