LAND STEIGT IN AUSBILDUNG MIT EIN

BAWÜ: Flüchtlinge gegen Lokführermangel

Das Land Baden-Württemberg will zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit die Qualifizierung von Flüchtlingen zu Triebfahrzeugführern im Schienenverkehr vorantreiben.


Baden-Württembergers Verkehrsminster Winfried Hermann sagte, das Land sei formal nicht für die Ausbildung zuständig, handle jedoch aus gefühlter Verantwortung für einen guten SPNV. (Foto: Verkehrsministerium Baden-Württemberg / Joachim E. Röttgers / Graffiti)

Baden-Württembergers Verkehrsminster Winfried Hermann sagte, das Land sei formal nicht für die Ausbildung zuständig, handle jedoch aus gefühlter Verantwortung für einen guten SPNV. (Foto: Verkehrsministerium Baden-Württemberg / Joachim E. Röttgers / Graffiti)


»Innerhalb von rund 15 Monaten sollen Menschen, die mit einem geklärten Aufenthaltsstatus im Land leben und über hinreichend gute Deutschkenntnisse verfügen, für diesen wichtigen Beruf geschult werden«, teilte das Stuttgarter Verkehrsministerium mit. Das Projekt könnte nach Worten des Landeschefs der Bundesagentur für Arbeit, Christian Rauch, »Modell für die Qualifizierung von Geflüchteten« werden.

Laut Ministerium war wegen des großen Bedarfs ein Runder Tisch Triebfahrzeugqualifizierung in den letzten Monaten einberufen worden, an dem »alle großen Eisenbahnverkehrsunternehmen im Land«, die Bundesagentur für Arbeit, Gewerkschaftsvertreter und Mitarbeiter anderer Ministerien und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) teilgenommen hätten.

Es sei nun geplant, die Eisenbahnunternehmen teilweise von den Kosten zu entlasten, die speziell bei der Qualifizierung von Geflüchteten entstünden. Man wolle Integrations-Coaches finanzieren, die die künftigen Triebfahrzeugführer unterstützten. Es sollten durch die Eisenbahnen berufsspezifische Sprachkurse organisiert und so die BAMF-Sprachförderung ergänzt werden. Erprobt werden soll das Konzept in den drei Modellregionen Stuttgart, Karlsruhe/Mannheim und Zollernalb/Hechingen; je Region sollen 15 Triebfahrzeugführer ausgebildet werden. »Vom Sommer 2019 an könnten die ersten Maßnahmen starten«, so das Ministerium.

Wie es weiter heißt, müssen in den nächsten Jahren weit mehr als 1000 Stellen im SPNV besetzt werden – nur in Baden-Württemberg. Neben Triebfahrzeugführern brauchten die Eisenbahnen auch Werkstattmitarbeiter und Gleisbauer. Man schließe nicht aus, dass das Projekt auch auf weitere Gruppen, etwa Langzeitarbeitslose, ausgedehnt werde.

Der besondere Vorzug des Projekts liege darin, dass die Lernenden bereits 2100 Euro brutto monatlich während der Ausbildung verdienen sollen. Laut der Bundesagentur für Arbeit kommen in Baden-Württemberg rund 44.000 Flüchtlinge für das Projekt in Frage.

Vor einem knappen Jahr gab es ein ähnliches Projekt bei der Hamburger Hochbahn: Damals starteten die ersten elf Geflüchteten nach ihrer Ausbildung zum Busfahrer in den regulären Fahrdienst.


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