07.10.2018

Von: Peter Gebauer

HOHER KRANKENSTAND WEGEN VERDIENSTMÖGLICHKEITEN?

KVG: Massive Probleme im Busverkehr

Im Oberspreewald-Lausitz-Kreis fallen aktuell massenweise Busfahrten aus. Die Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck (KVG) aus Zittau steht dafür massiv in der Kritik.



Die KVG fährt die Linien nach gewonnener Ausschreibung seit gut einem Jahr und gibt die aktuellen Probleme auf Nachfrage der Lausitzer Rundschau unumwunden zu. »Wir wollten eine vernünftige Qualität abliefern, aber es gelingt uns einfach nicht«, sagte KVG-Geschäftsführer Alfons Dienel auf Nachfrage der Zeitung. Wenig Verständnis zeigte er im Gespräch mit der Zeitung allerdings für den aktuell hohen Krankenstand unter den Busfahrern: »Weil gefühlt einige Leute keine Lust haben auf Arbeit.« Damit meine er explizit nicht die älteren Mitarbeiter, die zuvor schon jahrelang beim Vorgänger angestellt waren und jetzt mit viel Einsatz den Betrieb aufrecht erhalten würden.

Siegurd Heinze, parteiloser Landrat des Oberspreewald-Lausitz-Kreises, sagte der Zeitung: »Die aktuelle Situation des regionalen Busverkehrs in unserem Landkreis ist als völlig unbefriedigend einzuschätzen.« Der Leistungsausfall von rund 30 Prozent aufgrund des außerordentlich hohen Krankenstandes der Busfahrer sei aktuell nicht zu kompensieren. »Dass vor allem der Schülerverkehr in unserem Landkreis darunter leidet, bedauern wir sehr und bringen für den Unmut vieler Eltern und auch Lehrer vollstes Verständnis auf. Gleichzeitig bitten wir als Aufgabenträger des öffentlichen Personennahverkehrs im Landkreis die von den Fahrtausfällen betroffenen Nutzer der Buslinien für die Unannehmlichkeiten um Entschuldigung«, sagte Heinze der Zeitung. Der Landkreis werde »wegen mangelhafter Leistungserbringung« alle sich ihm bietenden vertraglichen Möglichkeiten zur Wiederherstellung eines ordnungsgemäßen Nahverkehrs ausschöpfen. »Auch werden wir uns ausdrücklich alle gebotenen rechtlichen Schritte vorbehalten.«

Offenbar ist es das Geld, das die Busfahrer verärgert. Wie die Zeitung weiter berichtet, suche die in Sachsen ansässige ZVG mit einem Aushang intern nach Busfahrern für den Einsatz im Oberspreewald-Lausitz-Kreis und werbe dabei mit Konditionen, die 800 Euro über dem Gehalt der derzeit im Oberspreewald-Lausitz-Kreis beschäftigten Busfahrer lägen. Das stoße bei den Fahrern bitter auf, sagte Sylvio Schmidt, Arbeitnehmer-Vertreter der KVG in Senftenberg. Die verärgerte Belegschaft frage sich, warum es solche Verdienstmöglichkeiten nicht auch für sie gebe. Die Stimmung im Betrieb sei gedrückt. Die Beschäftigten hätten den Eindruck: »Wir sind Busfahrer zweiter Klasse

In einem Kommentar in der Lausitzer Rundschau schreibt Lokalredakteur Jan Augustin: »Der Landkreis, inklusive Kreistag, muss sich die Fragen gefallen lassen, warum es woanders besser klappt und ob es vielleicht doch ein Fehler war, bei der gesetzlich vorgeschriebenen, europaweiten Ausschreibung die von der EU ausdrücklich empfohlene Arbeitnehmerübernahmeerklärung nicht zu integrieren.«

Wie der Landkreis selbst auf seiner Internetseite mitteilt, hatte der ehemalige Vertragspartner und Altbetreiber des Busverkehrs, die Südbrandenburger Nahverkehrsgesellschaft (SBN), im Rahmen des Ausschreibungsverfahrens kein Angebot abgegeben (wir hatten berichtet). Zudem sei das Verfahren durch den SBN weder gerügt, noch dagegen geklagt worden.


Kategorie: Betrieb