STROH FORDERT AUSSCHLUSS INVESTOR-GESTÜTZTER BIETER

HESSEN: »Situation am Markt ist brutal«

Anfang Juni haben der Kreis- und Landtagsabgeordnete Jörg-Uwe Hahn (FDP) und der Altenstädter FDP-Gemeindevorstand Claus Pfeffer die Stroh Bus-Verkehrsgesellschaft in Altenstadt besucht und faire Regeln im Wettbewerb gefordert.



In einem Gespräch mit Geschäftsführer Friedel Stroh und Prokurist Rolf Heuser hätten sich beide FDP-Politiker über die Marktsituation informiert, schreibt die FDP des Wetteraukreises. »Die Situation am Markt ist brutal. Wenn Verkehrsunternehmen am öffentlichen Ausschreibungsmarkt agieren dürfen, die nachweislich über mehrere Jahre Defizite erwirtschaften und diese durch ihre Geldgeber fortlaufend ausgeglichen bekommen, dann sehen wir in diesem Markt keine Zukunftsperspektiven mehr«, sagte Friedel Stroh. Damit meint er das Unternehmen BRH Viabus aus Speyer. Bisher fahren die Busunternehmer Stroh aus Altenstadt und Heuser aus Langenselbold die Linien um Langenselbold und Gelnhausen. Die hatten bei der Ausschreibung für die nächsten acht Jahre allerdings gegen Viabus den Kürzeren gezogen und danach gegen die Vergabe Widerspruch eingelegt. Sie werfen Viabus Dumping-Preise vor. Stroh sagte, es gehe Viabus um Marktverdrängung, um später die Preise diktieren zu können. Deswegen sollte solchen Anbietern die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen verwehrt werden. »Wir stellen uns seit Jahren einem fairen Wettbewerb am Markt, sehen aber durch die jetzt aufgezeigte Entwicklung eine massive Wettbewerbsverzerrung, die wir ohne politische Hilfestellung nicht beseitigen können, und die letztlich dem Markt und damit dem Steuerzahler schaden wird«, sagte Stroh.

Jörg-Uwe Hahn
sagte, dass man als FDP gegen eine geplante, aber für eine geordnete Wirtschaft mit klaren Regeln sei. Deswegen rief er die Vergabestellen dazu auf, die Unternehmensbilanzen potenzieller Auftragsnehmer genau zu prüfen, da »sich oft der wahre Preis von dem, was auf dem Etikett steht« unterscheide, womit er mögliche Folgekosten meinte. Abschließend habe Hahn das Busunternehmen mit Blick auf den erfolgreichen Einspruch gegen eine Vergabe an Viabus im niedersächsischen Landkreis Diepholz dazu ermuntert, die juristischen Möglichkeiten auszunutzen. Wie wir bereits berichtet hatten, hat die Kreisverkehrsgesellschaft Main-Kinzig (KVG) die Vergabe für die Zeit der Vergabeprüfung gestoppt, unüblicherweise jedoch den Notverkehr an die Viabus vergeben. (sg)

In einem Gespräch mit dem Roten Renner Ende Mai wehrte sich Viabus-Geschäftsführer Heiko Schütte gegen Dumping-Vorwürfe: »Unser Ziel ist es, dem Kunden das beste Angebot zu machen. Dafür verlassen wir bei Bedarf auch alte, eingefahrene Wege. Und bei den Kosten drehen wir wirklich jeden Stein um. Unsere Kalkulation ist absolut solide.« Das erkenne man auch daran, dass Viabus längst nicht jede Ausschreibung gewinne, an der sich das Unternehmen beteilige. »Wir haben nicht nur Ausschreibungen gewonnen, wir haben auch Ausschreibungen verloren. Da waren andere besser als wir«, so Schütte. »Wenn wir die Besten sind, gewinnen wir, wenn andere die Besten sind, gewinnen die anderen. Diesem Wettbewerb stellen wir uns. Und deshalb wollen wir auch als fairer Marktteilnehmer verstanden werden. So sehen wir uns nämlich auch selbst.«

Auch die Finanzgrundlage des Unternehmens habe sich inzwischen geändert. Seit das neue Eigentümerkonsortium im Jahr 2014 die Anteile von First übernommen habe, gehe es bergauf, sagte Schütte. »Das sind alles Experten im ÖPNV.« Für Viabus haben die neuen Eigentümer laut Schütte einen klaren Wachstumskurs festgelegt, darüber hinaus sei die Mutter aber auch bestrebt, andere Busunternehmen zu akquirieren. (pg)


Kategorie: Ausschreibungen