Digitalisierung des Elterntaxis

»ioki« ist die neue Marke der Deutsche Bahn Connect GmbH, die bisher für Car- und Bike-Sharing bekannt war, und sich mit »ioki« nun auf dem aufkommenden Markt des Ride-Sharing versucht. Bislang testet »ioki« nur das Ride-Sharing mit Bahn-Mitarbeitern in Frankfurt am Main. Nun schielt man auch auf den ländlichen Raum – im konkreten Fall auf die Schülerbeförderung.



»ioki« steht für »input output künstliche Intelligenz« und Input gab es jetzt vom Elternbeirat des Schönecker Ortsteils Oberdorfelden (Hessen). Dieser hätte bei »ioki« angefragt, ob man sich nicht als Elterntaxi versuchen wollte. Bislang organisieren und fahren die Eltern selbst die Touren, da es keinen Schülerbus gibt, nun soll das im Testbetrieb eine App tun. Eltern der zehn teilnehmenden Schüler können im vierwöchigen Testzeitraum Fahrten über eine App buchen oder stornieren.

Ob sich in der Schülerbeförderung tätige Verkehrsunternehmen nun Sorgen machen müssen, dass »ioki« in großem Stil in die Schülerbeförderung einsteigt? Egal ob Berliner Berlkönig oder der Duisburger My-Bus, diese Ride-Sharing-Angebote sind als Fahrplanergänzungen gedacht und sollen den ÖPNV nicht kannibalisieren. Auch sind die Ride-Sharing-Fahrzeuge von »ioki« – Fahrzeugklasse von Van bis dreirädrigem Tuk-Tuk – bislang nicht autonom – wobei die Deutsche Bahn auch diese Technologie bereits an anderer Stelle testet. Somit dürfte vorerst schon aufgrund des Engpasses Fahrermangel »ioki« nicht die gesamte Schülerbeförderung übernehmen. Auch müsse man nach der Testphase genau schauen, »wie sich die Beförderung der Schüler zukünftig finanzieren lässt«.

Was für eine Erkenntnis »ioki« aus dem Test auch gewinnt, es ist allemal interessant zu sehen, wie durch die Digitalisierung alteingesessene Unternehmen durch neue Unternehmen angegriffen werden könnten. Auch für das ruhige Gewissen der App-Eltern-Taxler hat die Digitalisierung eine Lösung parat: Sie bekommen eine Bestätigung des Zu- und Aussteigs ihres Fahrkindes aufs Handy. Wohin das analoge Abschiedsküsschen verlagert wird, bleibt den Eltern überlassen.

Sebastian Glinski


Kategorie: Editorial