21.04.2018

Von: Peter Gebauer

VERGABE IM MAIN-KINZIG-KREIS SORGT FÜR AUFSEHEN

KVG: Notvergabe an Viabus

Die Kreisverkehrsgesellschaft Main-Kinzig (KVG) hat der Firma Viabus aus Speyer den Stadtbusverkehr in Nidderau per Notvergabe erteilt.



Die Interimsvergabe soll ab Juni bis zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember gelten. Bis dahin, so hofft man bei der KVG, ist es im Streit um die Vergabe der Verkehrsdienstleistung zu einem Ergebnis gekommen. Bisher fahren die Busunternehmer Stroh aus Altenstadt und Heuser aus Langenselbold die Linien. Die hatten bei der Ausschreibung für die nächsten acht Jahre allerdings gegen Viabus den Kürzeren gezogen und danach gegen die Vergabe Widerspruch eingelegt. Sie werfen Viabus Dumping-Preise vor. Das Unternehmen – Tochter eines britischen Finanz-Investors – weist in seinem eigenen Finanzbericht ausdrücklich auf finanzielle Probleme hin.

Die Notvergabe sorgt jetzt für große Verwunderung. Denn üblich ist es in solchen Fällen, die Alt-Betreiber weiter zu beauftragen, da es dabei ja vordergründig um die Aufrechterhaltung des Fahrbetriebs geht. Nicht so bei der KVG. In Nidderau soll Viabus »das Busangebot über die nächsten Monate erhalten«, sagte Landrat Thorsten Stolz (SPD) als oberster Kontrolleur der KVG der Frankfurter Neue Presse (FNP). Ausschlaggebend sei dafür ausdrücklich der Preis gewesen. »Das ist bei der Auswahl eines Interimsunternehmens für eine Leistung der Daseinsvorsorge verfahrensüblich«, so der Landrat. Landrat Stolz schränkte im Gespräch mit der Zeitung aber ausdrücklich ein: »Das Ergebnis der Interimsvergabe lässt keine Schlüsse auf das Prüfergebnis der Vergabekammer zu.«

Eigentlich hätte die Vergabekammer beim Darmstädter Regierungspräsidium (RP) den Fall bis Ende April entscheiden sollen. Doch dieser Termin ist nach den Recherchen der FNP nicht mehr zu halten. Darauf deute auch die Notvergabe hin. RP-Sprecher Dieter Ohl sagte auf Nachfrage der Zeitung lediglich, »dass die Nachprüfungsverfahren zur Vergabe der beiden besagten Linienbündel noch andauern«.

Sowohl bei Stroh in Altenstadt als auch bei Heuser in Langenselbold erwäge man einen Widerspruch gegen diese Notvergabe. Man prüfe derzeit, ob man Widerspruch einlege, erklärte Rolf Heuser, Prokurist beim aktuellen Betreiber der Nidderauer Stadtbuslinien, Stroh. Inge Bahr, Geschäftsführerin des Langenselbolder Omnibusunternehmens Heuser, sagte der FNP: »Wir schauen uns das gerade an.« Für sie steht dem Bericht zufolge extrem viel auf dem Spiel: Ohne den Auftrag wäre es wohl das Ende für Heuser.


Kategorie: Ausschreibungen, Recht & Politik