12.02.2018

Von: Peter Gebauer

Närrisch

Die Schweiz will im nächsten Jahr ein Zentralregister für Schwarzfahrer einführen, um diese härter bestrafen zu können. Was für ein Gegensatz: Während in Deutschland über die Bagatellisierung des Schwarzfahrens debattiert wird, geht eines unserer Nachbarländer den entgegengesetzten Weg. Notorische Schwarzfahrer sollen möglichst hart bestraft werden.



Der Deutsche Richterbund hat mit seinem Vorstoß, das Schwarzfahren künftig nicht mehr als Straftatbestand zu werten, eine kontroverse Debatte ausgelöst. Die Argumentation, die Justiz sei viel zu überlastet, um gegen all die Schwarzfahrer Strafverfahren zu führen, springt dabei etwas zu kurz. Wenn ein Krankenhaus der Auffassung ist, es fehlt an Personal, hat man bis jetzt auch noch nicht den Vorschlag gehört, ein gebrochenes Handgelenk künftig nicht mehr als Verletzung zu werten zu wollen.

Wenn es so viele Straftaten gibt, dass die Justizbehörden mit der Arbeit gar nicht nachkommen, ist das ein Problem. Straftaten zu bagatellisieren, löst dieses Problem nicht. Am Ende ergeht es dem Staat sonst so wie dem Bauern, der seinem Esel das Fressen abgewöhnen wollte: Kaum hatte das Tier gelernt, ohne Futter zu leben, ist es gestorben. Helau!

Peter Gebauer   


Kategorie: Editorial