30.01.2018

Von: Peter Gebauer

ZWEI BUSUNTERNEHMEN BEANTRAGEN ÜBERPRÜFUNG

KVG: Vergabe an Viabus gestoppt

Das Land Hessen hat die geplante Vergabe des Stadtverkehrs in Nidderau und mehrerer Linien um Langenselbold und Gelnhausen an Viabus gestoppt.



Das berichtet die Frankfurter Neue Presse (FNP). Zwei Mitbewerber haben haben demnach in letzter Sekunde eine Überprüfung der Vergabe beantragt. Die Kreisverkehrsgesellschaft Main-Kinzig (KVG) wollte am Montag an Viabus vergeben. Jetzt ruht das Verfahren und wird überprüft. Und das kann eine Weile dauern. »Das einschlägige Gesetz sieht eine Entscheidungsfrist von fünf Wochen vor, die verlängert werden kann«, erklärte Christoph Süß, Sprecher des Regierungspräsidiums Darmstadt, auf Nachfrage der Zeitung.  Bei der dortigen Vergabekammer laufe die Prüfung. Als erstes werde nun eine schriftliche Stellungnahmen aller Beteiligten angefordert.

Für den Stadtverkehr in Nidderau hat der bisherige Betreiber, der Altenstädter Busunternehmer Friedel Stroh, dem Bericht zufolge die Nachprüfung beantragt, für das Linienbündel Langenselbold-Gelnhausen war es demnach ebenfalls der seitherige Betreiber, das Langenselbolder Busunternehmen Heuser.

Die KVG selbst äußerte sich erneut nicht zu Anfragen der Zeitung. John Mewes, der Sprecher des Main-Kinzig-Kreises, sagte nur: »Mit Rücksicht auf den offenen Ausgang des Verfahrens wollen wir erst einmal abwarten.« Landrat Thorsten Stolz (SPD) hat das Thema nach den Informationen der FNP inzwischen aber zur Chefsache erklärt. Denn: Öffentliche Aussagen mache die KVG dazu nicht mehr, sagte Mewes der Zeitung. Das übernehme der Kreis.

Hintergrund

Die Kreisverkehrsgesellschaft Main-Kinzig (KVG) wollte Viabus am Montag dieser Woche den Zuschlag für den Stadtverkehr Nidderau und das Linienbündel Gelnhausen-Langenselbold erteilen. Doch an der Seriosität von Viabus waren kurz davor durch die Berichterstattung der FNP Zweifel aufgekommen. Wie die Zeitung berichtet hatte, hänge das Busunternehmen aus Speyer (Rheinland-Pfalz) vollkommen am Tropf seiner Muttergesellschaft, eines britischen Finanzinvestors. Die Zeitung zitierte dazu aus dem jüngsten Jahresbericht des Unternehmens für das Jahr 2016, der im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde: »Der Fortbestand der Gesellschaft ist davon abhängig, dass die oberste Muttergesellschaft weitere finanzielle Mittel zur Verfügung stellt.« Der Finanzbericht weise einen Bilanzverlust von 5,9 Millionen Euro aus. Zum Ausgleich hätten die Firmenmütter zwei Millionen Euro zugeschossen, 2015 habe der Zuschuss aus Großbritannien 2,6 Millionen betragen.

Das alteingesessene Busunternehmen Stroh aus Altenstadt soll den Auftrag an Viabus verlieren und hat jetzt die Überprüfung der Vergabe beantragt. Prokurist Rolf Heuser sagte im Gespräch mit der FNP: »Es ist Kalkül solcher Finanzinvestoren, sich den ÖPNV-Markt zusammenzukaufen, um später die Preise zu diktieren.« Dann hatte Heuser die Rechnung aufgemacht und Umsatzerlös und die im Bericht aufgeführten Leistungen gegeneinander aufgerechnet. Dabei kam er auf 2,40 Euro Erlös pro Kilometer. Das liege weit unter den seither niedrigsten Preisen: Mit weniger als 2,60 Euro könne niemand realistisch kalkulieren, sagte Heuser. 2,80 bis drei Euro seien – je nach Art der Ausschreibung – die Regel. Der Prokurist hatte daher auch Zweifel, ob die KVG den Auftrag auf Basis einer derartigen Kalkulationen vergeben darf.


Kategorie: Ausschreibungen, Recht & Politik