Grauzonen

Die Berliner Verkehrsbetriebe suchen 100 Freiwillige für den Testlauf eines Check-in/Be-Out-Systems. Die Fahrzeuge auf der Buslinie 142 sollen das Smartphone des Nutzers erfassen, der Nutzer muss sodann seinen Fahrtantritt bestätigen. Das Check-out beim Verlassen des Fahrzeugs soll automatisch erfolgen. Gut, denn Check-out-Systeme, bei denen der Fahrgast sein Fahrtende bestätigen muss, halten den Fallstrick bereit, dass das Smartphone und dessen Besitzer ansonsten im System weiter ihre Runden drehen, lange nachdem sie beide ausgestiegen sind.



Digitale Tickets sollen die Nutzung des ÖPNV vereinfachen, doch erst kürzlich machte die Bild-Zeitung darauf aufmerksam, dass ihr Reporter trotz gelöstem Handyticket einen EBE-Bescheid kassiert hat. Vielen Nutzern sei nicht bekannt, dass man nach dem Kauf des Handytickets eine Zwei-Minuten-Frist abwarten muss, bevor man in das Fahrzeug steigen darf. Das ist durchaus verständlich, da man ansonsten das Leben der Schwarzfahrer ungemein vereinfachen würde, die beim Erblicken eines Kontrolleurs schnell das Handy zücken, um sich doch noch finanziell an der Fahrt zu beteiligen. Gleichzeitig gilt jedoch für alle: Schnell noch ein Ticket kaufen, wenn man das Fahrzeug bereits sieht, ist nicht. Hier hilft die digitale Schnelligkeit nichts, im Zweifel muss man auf die nächste Verbindung warten.

Abhilfe könnte das Check-in/Be-out schaffen, doch auch hier könnte es Grauzonen geben. Wird es für die Bestätigung des Einstiegs ebenfalls einen Countdown geben, den Schwarzfahrer ausnutzen können oder werde ich zum Schwarzfahrer, wenn ich nicht bestätigt habe, bevor sich das Fahrzeug in Bewegung setzt? Diese Grauzonen wird man klären müssen. Deutlich machen die BVG jedenfalls beim anstehenden Testlauf, dass es sich nur um eine Simulation handelt, die ein echtes Ticket nicht ersetzt.

Sebastian Glinski


Kategorie: Editorial