08.08.2016

Von: Peter Gebauer

ERSTE -E-BUS-PROJEKTE IN SACHSEN-ANHALT GEPLANT

HAVAG: E-Busse in Halle?

Sachsen-Anhalt ist derzeit noch ein weißer Fleck auf der Landkarte der Elektrobuspioniere. Die Hallesche Verkehrs AG (Havag) möchte das ändern.



Die Havag hat daher die Linie 21 von Kröllwitz nach Neustadt als Studienobjekt für eine Studie der Nahverkehrsservice Sachsen Anhalt GmbH (Nasa) benannt. »Der Plan ist, erst mal zwei Busse testweise fahren zu lassen«, erklärt Peter Kolbert, im Stadtwerkekonzern von Halle für die Elektromobilität zuständig.

»Es gibt in Sachsen-Anhalt noch kein Förderprogramm für E-Busse. Ohne Förderung ist die Anschaffung wirtschaftlich jedoch noch nicht darstellbar«, erklärt Kolbert in einem Gespräch mit der Mitteldeutschen Zeitung. Leipzig beispielsweise habe für seinen E-Bus 650.000 Euro investiert, Berlin pro Fahrzeug gar 700.000 Euro. Ein herkömmlicher, dieselgetriebener Linienbus indes koste nur etwa 200.000 Euro, rechnet Kolbert vor. Der hohe Preis sei indes nicht der einzige Grund für die bisherige Zurückhaltung der Havag: »Obwohl viele Städte bereits E-Busse haben, sind das alles prototypische Anwendungen«, sagte Kolbert der Zeitung. Die Elektromobilität auf der Straße stecke noch in den Kinderschuhen, entsprechende Kinderkrankheiten seien daher normal. In Halle hatte man sich daher dafür entschieden, zunächst die Erfahrungen andernorts abzuwarten.

Nun lägen die ersten Einschätzungen aus anderen Kommunen vor. Und diese würden überwiegend positiv ausfallen. Da sich darüber hinaus in den vergangenen Jahren auch die Batterieleistung der Elektrobusse stetig verbessert habe, sei jetzt auch auf Landesebene Bewegung in das Thema gekommen. Im Auftrag des Verkehrsministeriums habe die Nasa die Möglichkeiten für die Einführung von E-Bussen im Linienverkehr untersucht, unter anderem auf Linien in Magdeburg, Sangerhausen und Naumburg. Da E-Bus nicht gleich E-Bus sei, sondern es viele verschiedene Modelle und Varianten gebe, sei für die Anschaffung letztlich entscheidend, welche Busse man einsetzen könnte, ohne dass dies Einfluss auf den Fahrplan hätte.

Auch Nachfrage der Mitteldeutschen Zeitung bestätigte Nasa-Sprecher Wolfgang Ball die Absicht des Landes, auf den E-Bus-Zug aufspringen zu wollen. »Die Absicht dort voranzukommen besteht.« Bevor man die Ergebnisse der Studie jedoch öffentlich mache, wolle man sie selbst und dann mit den Verkehrsunternehmen auswerten. Die in Halle ausgewählte Linie sei deren abwechslungsreichem Streckenprofil geschuldet. Das sei perfekt für einen E-Bus-Test. Auf dem Weg von Kröllwitz zum Bruchsee passieren die Busse Wald- und Wohngebiete.


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